Wenn die Nerven brennen – Herpes Zoster verstehen
Shownotes
Gastgeber*innen & Gäste
Dr. med. Marco Wintruff
Dr. med. Jan-Peer Rogmann
Gast
Andreas Kranich
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Fortbildungspunkte
Die Ärztekammer Hamburg hat die Veranstaltung (Podcast) mit 2 Punkt anerkannt. Der/Die CME-Punkt/e können unter der Angabe der notwendigen Schlüsselwörter bis zu 14 Tage nach der Veröffentlichung, unter folgendem Link, beantrag werden: https://forms.gle/7k95zeiEu6KScJLw5
Literatur und kurze Zusammenfassungen
(1) AWMF S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie“. 2019.
Zusammenfassung: Die S2k-Leitlinie von 2019 empfiehlt, Herpes zoster primär klinisch zu diagnostizieren und bei untypischen Verläufen mittels PCR oder Serologie zu bestätigen. Eine frühzeitige antivirale Therapie (innerhalb von 72 Stunden) mit Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir oder Brivudin verkürzt den Verlauf und senkt das Risiko einer Postzosterneuralgie, bei schweren Fällen ist intravenöses Aciclovir indiziert. Die Schmerztherapie erfolgt je nach Schmerztyp: nozizeptive Schmerzen mit klassischen Analgetika, neuropathische Schmerzen mit Pregabalin oder Gabapentin, ergänzt ggf. durch kurzzeitig eingesetzte WHO-Analgetika. Eine Postzosterneuralgie wird mit Antiepileptika und optional lokalen Verfahren behandelt. Bei Zoster ophthalmicus und oticus ist eine fachärztliche Mitbehandlung erforderlich, und bei Risikopatienten (Alter, Immunsuppression) wird eine besonders konsequente Therapie empfohlen.
Die Zusammenfassungen wurden mit der Unterstützung von ChatGPT erstellt.
Hardware
MacBook Air, M2 (2022), Apple Inc., One Apple Park Way, Cupertino, Kalifornien, USA
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Musik und Gestaltung
GarageBand, Version 10.4.10, Soundmediathek 1178, Titelmusik: „Collins Avenue Long“
Podcast-Logo: Privatbilder mit modifiziertem Hintergrundbild nach „matrix_plot.png“ von https://www.r-bloggers.com; „Matrix-style screensaver in R“, Layout via Microsoft®️PowerPoint for Mac, Version 16.80 (23121017)
Podcast Begrüßung, Verabschiedung und Ansagen: Text-To-Speech via https://elevenlabs.io/text-to-speech (Freya)
Audioüberarbeitung
Disclaimer
Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch können die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
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Transkript anzeigen
Musik: Moin Moin zu der Schmerzcode. Der Podcast, in dem Jan-Peer und Marco wichtige
Musik: Themen zum Mysterium Schmerz einfach und praktisch aufschlüsseln wollen.
Marco: Hallo Jan-Pär.
Jan-Peer: Hallo Marco.
Marco: Wie geht es dir in der vorweihnachtlichen Zeit?
Jan-Peer: Mir geht es sehr gut. Ich freue mich ein bisschen auf die Weihnachtszeit.
Jan-Peer: Oh ja, ich auch. Weil ich was Schönes mit der Familie vorhabe.
Marco: Ja, das ist sehr schön. Willst du darüber reden?
Jan-Peer: Nein. Und wie geht es dir? Bist du im vorweihnachtlichen Stress?
Marco: Gar nicht mal so. Ich glaube, ich bin dieses Jahr entgegen den ursprünglichen
Marco: Jahren gut vorbereitet.
Marco: Stichwort Weihnachtsbaum und Konsorten. Die Familie ist eingeladen,
Marco: es ist nahezu fast alles organisiert.
Marco: Die Frau muss natürlich während der Feiertage irgendwie zwischendurch mal arbeiten,
Marco: aber so ist das halt im Gesundheitswesen.
Marco: Aber wir könnten das ganz gut irgendwie organisieren. Ich bin da extrem zufrieden
Marco: und natürlich auch mit freudiger Erwartung auf die Feiertage.
Marco: Ich freue mich da richtig drauf.
Jan-Peer: Hast du schon einen Baum?
Marco: Nee, aber ich habe einen Termin, wann wir den Baum schlagen.
Jan-Peer: Ehrlich? Ja. So richtig frisch aus dem Wald?
Marco: Ja, richtig. Mit Nachbarn treffen wir uns. Das wird richtig schön.
Jan-Peer: Jetzt ist ja die entscheidende Frage. Axt oder Kettensäge?
Marco: Nee, Handsäge. Wobei ich muss ehrlicherweise, letztes Jahr war es die Akku-Kettensäge.
Marco: Ja, ich weiß, ich weiß. Ich sehe schon wieder dein Gesicht.
Jan-Peer: Nee, ich bin nur neidisch. Ich kenne ja deine, ich darf ja keine Produktplatzierung machen.
Jan-Peer: Für qualitativ hochwertiges Werkzeug.
Marco: Ja, großartig.
Jan-Peer: Ist ja auch so,
Jan-Peer: wer billig kauft, kauft zweimal.
Marco: Ja, das stimmt allerdings. Wobei, es hat mich so ein bisschen genervt,
Marco: diese schwere Akku, die ist ja doch mit den zwei Akkus, die wiegt ja was.
Marco: Also finde ich so eine Handsäge halt deutlich angenehmer.
Jan-Peer: Ich stelle mich so vor, du hast so einen Gürtel und dann hast du links die Kettensäge
Jan-Peer: und rechts den Akku im Gürtel.
Marco: Ja, willkommen im Kettensägen-Bassacker.
Jan-Peer: Ja, so ein bisschen.
Jan-Peer: So, Herr Milai, dann mal los.
Marco: Ja, genau.
Marco: Ja, Mann.
Marco: Ist dir eigentlich bewusst, dass es schon wieder die 17. Folge hier ist von
Marco: unserem Podcast der Schmerzkode?
Jan-Peer: Ja, es nimmt kein Ende.
Jan-Peer: Es nimmt kein Ende.
Marco: Sie haben uns immer noch nicht ausgeschaltet, genau, das war super.
Jan-Peer: Ja, also ich gucke mit Erstaunen zurück ein bisschen.
Marco: Ja.
Jan-Peer: Apropos mit Erstaunen zurückgucken, ich will einmal kurz Bezug auf unsere letzte
Jan-Peer: Folge, auf das Darnbar-Syndrom.
Marco: Oh ja, Darnbar-Syndrom, Tatort Bauch.
Jan-Peer: Tatort Bauch, genau. Und ich habe nochmal mit Antje, meiner Interviewpartnerin,
Jan-Peer: sehr nett und ich freue mich auch berichten zu können, dass die Therapie auch
Jan-Peer: vollen Erfolg bei ihr hatte.
Jan-Peer: Natürlich, anders kann man es ja auch in so einem Podcast nicht hören,
Jan-Peer: aber bei ihr, sie ist symptomfrei, sie ist schmerzfrei.
Marco: Stimmt, du hast es mir auch erzählt, du hast mit ihr nochmal telefoniert.
Jan-Peer: Genau, es war sehr kurz, also das Interview war kurz nach der Operation gewesen,
Jan-Peer: aber inzwischen ist sie schmerzfrei, Gott sei Dank und ich freue mich mit ihr,
Jan-Peer: dass das so einen guten Ausgang genommen hat.
Marco: Ja, großartig, finde ich toll, war eine schöne Folge, hat mir gut gefallen.
Jan-Peer: Und man muss ja auch sagen.
Jan-Peer: Sie hatte ja Glück, wenn man nochmal zurückhängt, weil sie einer schnellen Therapie
Jan-Peer: zugeführt wurde oder es war nicht ein langer Irrweg, wie es ja oftmals ist.
Jan-Peer: Und ich glaube, das ist auch ein Motiv, um jetzt auf die heutige Folge zu kommen,
Jan-Peer: was bei unserem Krankheitsbild, was wir heute besprechen wollen, auch wichtig ist.
Marco: Also Übergang, mega. Ja, wenn die Nerven brennen, Herpes Zoster verstehen ist heute das Thema.
Marco: Und man ist doch wieder erstaunt. Die Gürtelrose ist doch weiter verbreitet.
Marco: Jeder hat es irgendwie schon gehört, dass die Angehörigen das irgendwo mal haben oder selber.
Marco: Ich meine, ab dem 50. Lebensjahr hat sozusagen eher schon jeder dritte Person
Marco: im Laufe seines Lebens da so ein Herpes einmal durchlebt.
Marco: Das ist nicht wenig und das ist sicherlich auch der Grund, weswegen es hier
Marco: auch eine S2-Leitlinie gibt zum Thema Diagnostik und Therapie des Zoster und
Marco: der Post-Zoster-Neurogie.
Marco: Für alle Interessierten, die AMWF-Nummer wäre die 13-23.
Marco: Ist auch schon 2019 erschienen.
Jan-Peer: Und ist auch schon abgelaufen.
Marco: Ich dachte, ich kann das überspringen. Ist seit Mai 2024 abgelaufen,
Marco: das ist richtig und kann mich da ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
Marco: Aber dadurch, dass die Leitlinienkommission noch nicht gebildet wurde,
Marco: gehe ich eigentlich eher davon aus, das werden die wahrscheinlich nach den Feiertagen machen.
Marco: Ich gehe eher davon aus, dass Ende 26 die Leitlinien rausgehen.
Marco: Und dann muss es gut laufen.
Marco: Man muss hier auch immer fairerweise sagen, das sind hoch engagierte Kollegen,
Marco: die das ehrenamtlich machen.
Marco: Neben dem Job. Das muss man immer hier mit Ausrufezeichen noch mal erwähnen.
Marco: Und ich glaube, und da lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster,
Marco: wir arbeitenden Ärzte haben jetzt nicht, also sehr häufig nicht sehr viel Freizeit.
Marco: Sodass ich das immer hoch anrechne, wenn sich Leute da diesbezüglich engagieren.
Jan-Peer: Mittwochnachmittag, ne?
Marco: Ja, genau.
Marco: Na gut, aber wir schaffen das ja auch, uns regelmäßig zu treffen,
Marco: was ich übrigens immer wieder genieße. Aber ist ja auch eine Art Ehrenamtlichkeit.
Jan-Peer: Das stimmt. Vielleicht machen wir es ein bisschen strukturiert.
Jan-Peer: Wollen wir einmal kurz auf das Krankheitsbild per se gucken und dann weiter tiefer einsteigen?
Marco: Ja, das fände ich gut. Ich würde vielleicht noch mal zwei, drei Sätze zu der
Marco: Häufigkeit von Herbstoster verlieren. Es ist nämlich gar nicht so selten mit
Marco: etwa 400.000 pro Jahr, nur hier in Deutschland.
Marco: Das macht etwa 2 Millionen in Europa pro Jahr. Pro Jahr.
Marco: Pro Jahr. Das ist ja jetzt gar nicht so wenig, wenn ich davon ausgehe.
Marco: Hamburg hat jetzt 2,4 Millionen mit Umland, also knapp 1,9 Millionen Einwohner.
Marco: Also einmal Hamburg im Jahr komplett Herpes Zoster. Das ist schon nicht ganz unwichtig.
Musik: Das erste Schlüsselwort.
Musik: Herpes.
Jan-Peer: Vielleicht wollen wir einmal kurz noch erzählen, Herpes Zoster ist es ja in
Jan-Peer: aller Munde, aber was ist es eigentlich?
Jan-Peer: Also wir alle kennen ja, also es ist, wir alle haben ja irgendwann in unserem
Jan-Peer: Leben mal Windpocken gehabt,
Jan-Peer: also ob es nun manifest wurde oder nicht, aber die Wahrscheinlichkeit,
Jan-Peer: dass wir uns im Kindesalter mit dem Varicella Zoster Virus angesteckt haben,
Jan-Peer: ist ja unglaublich hoch.
Jan-Peer: Trotz Impfung, dann bricht die Krankheit nicht aus, aber diese Kontakt werden
Jan-Peer: wir alle schon mal gehabt haben.
Jan-Peer: Und was macht das Varicella Zoster Virus im Kindesalter? Es macht eben die Windpucken,
Jan-Peer: so einen generalisierten Hautausschlag, der dann irgendwann abkrustet.
Jan-Peer: Aber der Varicella-Zoster-Virus wird nicht eliminiert bei uns im Körper,
Jan-Peer: sondern er bleibt in den sensorischen Spinalganglingen oder auch hirndarfen
Jan-Peer: Ganglingen persistiert das Virus.
Jan-Peer: Und das kann halt wieder rauskommen in Phasen, wo wir eine schlechte Immunantwort haben.
Jan-Peer: Das kann irgendwann sein. Und jetzt muss man dazu sagen.
Jan-Peer: Weil wer ist besonders kritisch betroffen von oder wer ist häufiger betroffen
Jan-Peer: von der Gürtelrose, also der Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus,
Jan-Peer: das sind natürlich ältere Menschen.
Jan-Peer: Und wenn wir uns vorstellen, dass wir im Kindesalter die erste Kontakt mit Varicellen hatten,
Jan-Peer: dann ist es natürlich der Abstand zu dem, zu der ersten, zum ersten Kontakt
Jan-Peer: oder der ersten Infektion, je länger der ist, desto höher wahrscheinlich ist
Jan-Peer: ja auch, dass man da mal eine Reaktivierung dann auch bekommt.
Jan-Peer: und man auch im höheren Lebensalter natürlich auch immunsupprimierter ist als jemand, der 30 ist.
Marco: Ja, und das sehen wir auch in den Zahlen. Wenn ich mir das angucke,
Marco: zwischen 10 und 49 Jahre habe ich so eine Häufigkeit von 4 pro 1000 Patienten
Marco: Jahre, dass so eine Herpes Zoster auftritt.
Marco: Und das steigt ab dem 50. Lebensjahr bis zum 75.
Marco: relativ zügig pro Jahr mit bis zu 14 Erkrankungen pro 1000 Patientenjahren.
Jan-Peer: Ja, das vervierfacht sich quasi.
Marco: Ja, viereinhalbfach teilweise, ja genau, das ist schon beeindruckend.
Marco: Besonders auch bei Patienten über 90, das wird relativ zügig, sehr, sehr häufig.
Marco: Es gibt sogar eine Äußerung eines Kollegen und zwar von Hope Simpson,
Marco: der schon 1965 gesagt hat, dass Patienten mit 85.
Marco: Lebensjahr wahrscheinlich jeder mindestens einmal einen Zoster gehabt hat.
Marco: Okay, die Studie ist von 1965, aber da kann man mal sehen, wie lange das schon
Marco: im Munde ist und wie da der Kollege schon gesagt hat, Achtung Leute,
Marco: das Alter ist einer der größten Risikofaktoren, die wir so haben,
Marco: wenn es um Herpes Zoster geht.
Jan-Peer: Mhm.
Marco: Aber was ist schön beim Herpes Zoster, wenn man bei dieser Erkrankung von schön reden kann?
Jan-Peer: Ich glaube, ich weiß was, man kann es genauso diagnostizieren wie 1965.
Marco: Ja, es sind noch ein paar diagnostische Hilfsmittel hinzugekommen.
Marco: Ja, aber es ist eine klinische Diagnostik, das ist richtig.
Marco: Und das macht es, also man kann es fast, die größten Fälle kann man rein klinisch diagnostizieren.
Marco: Da haben wir nämlich klassische Hautveränderungen. Das heißt,
Marco: nach drei bis fünf Tagen der sogenannten Varicella-Zoster-Virus-Reaktivierung,
Marco: dann weiß man jetzt auch, warum das eigentlich Reaktivierung heißt,
Marco: kommt es zu diesen typischen halbseitigen Hautausschlägen,
Marco: die man glaube ich schon öfter mal gesehen hat.
Marco: Das sind so erythematöse, makuläre oder papilläre Entwicklungen,
Marco: die halt streng einseitig sind, häufig auch eher am Thorax als in anderen Bereichen,
Marco: wenn man da schon mal eine Wertung mit reinbringen will.
Jan-Peer: Weißt du, woher Zoster eigentlich kommen?
Marco: Die Namensgebung?
Jan-Peer: Ja.
Marco: Dann lass mal dein Wissen mit uns teilen.
Jan-Peer: Aus dem Griechischen von Gürtel.
Marco: Von Gürtel. Ja.
Jan-Peer: Und jetzt ist es ja auch gürtelförmig.
Marco: Ja, halbgürtelförmig.
Jan-Peer: Halbgürtelförmig, um ganz genau zu sein.
Marco: Ja, richtig genau.
Jan-Peer: Sehr schön.
Marco: Sehr schön. Warte mal, wo ist denn hier? Nee, das machen wir nicht.
Marco: Und diese Makuläum-Pappeln entwickeln sich dann so sukzessiv in unterschiedlichen
Marco: Entwicklungsphasen zu Bläschen,
Marco: also Vesikule und so Pusteln, die dann so nach fünf bis sieben Tagen auch so
Marco: eine Kruste entwickeln, beziehungsweise sich zu einem krustigen Struktur umbauen.
Marco: Und das ist dann auch der Moment, wo der Herpes Zoster nicht mehr ansteckend
Marco: ist, wenn da halt Krusten drauf sind.
Marco: Aber Achtung, es müssen halt überall Krusten sein, das wir ein bisschen im Hinterkopf haben.
Jan-Peer: Genau, man muss immer auf die Neuentwicklung von Bläschen noch achten.
Marco: Ja, genau, das ist es, dass man nur wenn man eine Kruste gesehen hat,
Marco: dass man sich nicht gleich sagt, oh super, nicht mehr ansteckend.
Marco: Da kann man ganz gut reinfallen.
Marco: Was mir noch wichtig ist, dass etwa 80 Prozent der Zosterfälle weisen die Patienten
Marco: in so einem sogenannten Prodomal-Stadium auf.
Marco: Also eine Situation uneinheitlicher Symptome,
Marco: die mit allgemeinen Beschwerden oder leichten und oder und leichten bis mäßigen
Marco: Schmerzen an der befallenden, des befallenen Dämatoms ist, in dieser halbseitigen Situation.
Jan-Peer: Noch ohne Hautausschlag?
Marco: Aber die haben da noch kein, als Prodomal-Stadium, die haben da noch keinen Hautausschlag, genau.
Jan-Peer: Das öffnet ja Tür und Tor für eine Fehldiagnose.
Marco: Schön, dass du es ansprichst, das war nämlich auch ein wichtiger Aspekt für mich.
Marco: Das sind nämlich auch dann ganz gerne Patienten, die dann fehldiagnostiziert werden.
Marco: Die gehen dann mit einem Verdacht auf Herzinfarkt oder Geimblasenentzündung
Marco: oder wenn es im Gesicht ist, vielleicht mit einem Glaukom, Verdacht auf Glaukom,
Marco: rennen die halt von einem Hausarzt zum anderen.
Marco: und es wird eigentlich übersehen, dass da ein beginnender Herpes Zoster dahinter steckt.
Jan-Peer: Gibt es eigentlich auch Fälle von Zoster ohne Hautbeteiligung?
Marco: Ja, die gibt es auch. Die machen aber dann zum Anfangsstadium,
Marco: was wir gesagt haben, die machen das dann wieder ein bisschen schwierig,
Marco: weil das ist natürlich dann klinisch nicht mehr so leicht zu machen.
Marco: Das ist ein sogenanntes Herpes Zoster Sineherpes, also ohne diese Bläschen.
Marco: Und da ist es natürlich schwierig mit der Diagnostik, aber die fallen dann auch
Marco: auf mit den klassischen Schmerzsymptomatiken, die das Herpes mit sich bringt.
Marco: Bis hin zur Berührungsempfindlichkeit lokal, aber auch so diese brennenden,
Marco: stechend einschießenden Schmerzen lokal halbseitig, streng halbseitig, gürtelförmig.
Marco: Das hatten wir ja schon besprochen.
Jan-Peer: Das sind dann vielleicht auch nochmal Fälle für spezialisierte Diagnostik.
Jan-Peer: Da gibt es ja auch noch Laboruntersuchungen.
Jan-Peer: Das führt vielleicht ein bisschen weit, wenn wir das alles aufdröseln wollen.
Jan-Peer: Das gehört vielleicht in die Spezialistenhand.
Marco: Aber genau, sowohl Blutabstriche wie auch PCR-Diagnostiken, das kann man alles
Marco: tun bis hin zur Liquopunktion.
Marco: Ist das theoretisch denkbar.
Marco: Aber ich denke auch, das obliegt dann den Spezialisten.
Marco: Wie sieht das aus? Was wäre dir wichtig, wenn so etwas auftaucht?
Marco: Wie würdest du da umgehen mit, wenn man eine Diagnose hat, dann schreien wir
Marco: Ärzte ja sofort nach einer Therapie. Wie würdest du damit umgehen?
Jan-Peer: Ja, jetzt kommt der Faktor Zeit so ein bisschen mit ins Spiel.
Marco: Das kenne ich übrigens vom Herzinfarkt, Golden Hour.
Jan-Peer: Ja, das kennt man auch von, genau, das kennt man vom Schock.
Jan-Peer: Das kennt man auch von der Sepsis. Schlaganfall. Schlaganfall, genau.
Jan-Peer: Und ich glaube, das ist ja auch grundsätzlich mal ein Trend in der Medizin,
Jan-Peer: dass es möglichst schnell losgehen soll.
Jan-Peer: Was ja auch richtig ist. Also frühe Behandlung macht ja auch meistens das Outcome besser.
Marco: Aber das kennst du doch auch. Du bist doch auch da in dem Ribby. Hit hard and early.
Jan-Peer: Ja, aber Infektionen ist das ja ein ganz klassisches Thema. Also sozusagen,
Jan-Peer: das kennen wir ja gerade in der neuen, jetzt will ich es zu weit ausführen,
Jan-Peer: gerade in der neuen Sepsis-Leitlinie, wo Patienten dann eben mit Infektionszeichen plus dann,
Jan-Peer: Sepsis ist ja dann eine Organdysfunktion und da gibt es ja ein klarer definiert,
Jan-Peer: ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung hast du eigentlich 60 Minuten,
Jan-Peer: bis dann Antibiotikum beim Patienten drin sein soll.
Jan-Peer: Der Diagnostik. Das ist ein ambitioniertes Ziel.
Marco: Das braucht auch ein bisschen, bis es reingelaufen ist.
Jan-Peer: Ja, natürlich. Aber es ist, ich glaube, dass es diese Idealvorstellung ist,
Jan-Peer: macht für den Patienten einen Unterschied. Genau auch wie beim Herpes Zoster.
Jan-Peer: Ich glaube, man muss so ein bisschen unterscheiden, wann kommt denn der Patient
Jan-Peer: zu einem, nehmen wir es mal praktisch in der Praxis oder in der Klinik.
Jan-Peer: Und da kommt ein Patient, der hat eine Hautinfluoreszenz, typischerweise wie
Jan-Peer: ein Herpes Zoster, gürtelförmig einseitig, Dermatom begrenzt.
Jan-Peer: Und es macht natürlich erst mal überhaupt keinen Sinn, wenn die alle verkrustet
Jan-Peer: sind. Ich finde nicht ein neues Bläschen.
Jan-Peer: Dann ist sozusagen das therapeutische Fenster schon wahrscheinlich,
Jan-Peer: wahrscheinlich ist dann schon zu, weil er einfach zu lange gewartet hat und
Jan-Peer: es zu Hause ausgesessen hat.
Jan-Peer: Aber gehen wir mal davon aus, es gibt noch Spezialfälle, dass wir jetzt mal.
Jan-Peer: Einen Patienten haben, der kommt innerhalb der ersten drei Tage,
Jan-Peer: erst 72 Stunden nach Beginn der Symptome und der Hauteffluoreszenzen.
Jan-Peer: Der kommt aus zweierlei Gründen, weil ihm wahrscheinlich die Hauteffluoreszenzen
Jan-Peer: auffallen. Das ist ja ganz komisch. Aber der kommt eigentlich wegen einem anderen
Jan-Peer: Grund. Der hat nämlich wahrscheinlich auch Schmerzen.
Jan-Peer: Und zwar genau an den Stellen, wo die Hauteffluoreszenzen sind.
Jan-Peer: Weil natürlich die Virusreaktivierung auch die Nerven reizt.
Jan-Peer: Und das macht dann klassischerweise eben Schmerzen.
Jan-Peer: Also das sind die beiden Punkte. Jetzt muss man unterscheiden.
Jan-Peer: Und jetzt kommen wir ja so ein bisschen, wie würde man das therapieren?
Jan-Peer: Muss man diese beiden Punkte auch so ein bisschen auseinanderhalten?
Jan-Peer: Also grundsätzlich, wenn wir einen frischen Zosterbeginn haben innerhalb von
Jan-Peer: 72 Stunden, dann sollte man den Patienten auch antiviral therapieren.
Jan-Peer: Das heißt also gegen eine weitere Ausbreitung des Verreaktivierung des Zostervirus.
Jan-Peer: Die Schmerztherapie, das ist in dem Punkt auch nochmal ein ganz anderes Thema,
Jan-Peer: da kommen wir vielleicht gleich da drauf.
Jan-Peer: so also und wie kann ich das machen es gibt jetzt verschiedene antivirale wirkstoffe also
Jan-Peer: und die gibt es dann natürlich auch in unterschiedlichen darreichungs form also
Jan-Peer: per tablette was vielleicht für die niederlassung gleich ganz klassisch ist
Jan-Peer: es gibt aber auch spezialfälle wo man auch auf eine ev therapie zurückgreifen
Jan-Peer: sollte jetzt müssen wir auseinander dröseln welche fälle wieder in wieder behandeln ja
Marco: Das ist mir relativ wichtig, dass man das, also erstmal per se ist,
Marco: dass wenn ich mich für eine orale Medikation entscheide, tue ich das sehr häufig,
Marco: auch nach aktuellen Leitlinien,
Marco: mit Azikluvir und gebe das fünfmal am Tag als Tablette mit je 800 Milligramm.
Jan-Peer: Das sind halt alles 4,2 Stunden. Sehr komisch, ne?
Marco: Ja, genau.
Marco: Also fünfmal am Tag.
Marco: Ja, fünfmal am Tag. Genau, das ist es glaube ich, fünfmal und nicht dreimal
Marco: am Tag, sondern fünfmal. Warum empfehle ich das so?
Marco: Ich sehe es halt häufig, häufiger als mir eigentlich lieb ist,
Marco: dass es irgendwie als Tablette dreimal am Tag appliziert wird oder verordnet wird.
Marco: Ich weiß nicht, woran das liegt, aber mir ganz wichtig, fünfmal am Tag.
Marco: Jetzt kommt der Unterschied, dass wenn ich ein bestimmtes Risikoprofil bei dem
Marco: Patienten sehe, das können wir gleich nochmal besprechen, muss man das Ganze
Marco: unter stationären Bedingungen IV geben.
Marco: Und das sind die beiden klassischen Wörter, stationär und IV.
Jan-Peer: Okay, welche Risikofaktoren sind dir wichtig oder sind relevant von den Patienten her?
Marco: Ach so, weswegen, ja genau.
Jan-Peer: Wann therapiere ich IV?
Marco: Ja, immer bei Patienten, die im Kopf-Hals-Bereich und ältere Patienten einen
Marco: Zoster aufweisen, total wichtig, Kopf.
Marco: Besonders auch Augen, also letztendlich alles das, was man im trigeminalen Einzugsgebiet sieht,
Marco: V1, also 5, 1, 2, 3, der Kopf ist ja in so drei Bereiche grob eingeteilt,
Marco: wo da die Nerven einstrahlen, also alles, was im Gesicht ist,
Marco: immer sofort in die Klinik und das abklären lassen.
Marco: im Zweifelsfall, wenn die Kollegen das nicht als Indikation sehen,
Marco: dann können sie es immer noch sagen, aber alles was mit Kopf ist,
Marco: erstmal bis zum Beweis des Gegenteils stationär und IV.
Jan-Peer: Ja, und das gehört ja auch noch interdisziplinär behandelt.
Marco: Richtig, da kommen auch noch andere, da kommen noch andere,
Marco: genau, da kommen noch andere Kollegen dazu, die Augen muss man einmal klären,
Marco: Neurologen muss man auch einmal klären, gegebenenfalls auch in MRT,
Marco: das sind dann Spezialsachen, aber das hast du nur in der Klinik und das muss dann da geklärt werden.
Marco: IV, dreimal am Tag, 8 bis 10 Milligramm pro Kilo am Körpergewicht.
Marco: Vielleicht ist das irgendwann mal so übergerutscht von IV in Oral.
Marco: Ich weiß es nicht, woher die drei bei Oral kommen. Aber bei IV macht man es.
Jan-Peer: Ich wette, 80 Kilo Patient, 10 Milligramm am Tag, 800.
Marco: Ach so, ja, vielleicht. Aber dreimal am Tag. Diesmal dreimal am Tag, genau. Was noch?
Marco: Auch wenn ich hämoragisch oder nekrotische Läsion habe oder auch multisegmental,
Marco: wir haben ja gesagt, das ist streng einseitig,
Marco: meistens nur ein, zwei Segmente auf einer Seite, gürtelförmig,
Marco: aber wenn das multiple Segmente sind, die befallen sind oder atterrierende Satelliten, Herde, Bläschen,
Marco: auch Schleimhautbefall, das sind alles so Risikoprofile, da gilt eine intravenöse
Marco: Therapie als zwingend notwendig.
Marco: auch immunsupprimierte Patienten
Jan-Peer: genau.
Jan-Peer: Gibt es auch Patientenfaktoren, die wichtig sind?
Marco: Ja, immunsupprimierte Patienten wir haben das Alter schon angesprochen ich denke
Marco: auch, je älter die Patienten werden, desto großzügiger sollte man hier die Indikation
Marco: für eine intravenöse Therapie ziehen, ne?
Marco: Aber auch da leitlinienkonform ist es nicht führend, dass ich sage,
Marco: ab 80 muss das IV sein, das ist Quatsch.
Marco: Aber die Immunsupprimierung ist halt ein extrem wichtiger Faktor.
Marco: Und klar, alle Zeichen von zentralvenösen Problemen, viszerale oder zentralvenöse
Marco: Probleme, die den Patienten mit sich bringen, also inklusive Vaskulitiden,
Marco: da sollte man das auch intravenös applizieren.
Jan-Peer: Ich denke auch noch so klassisch an Patienten unter Chemotherapie,
Jan-Peer: unter Organspender oder erhaltenes Organ, Immunsuppression, Hochdosis-Kortison-Therapie.
Jan-Peer: Das sind alles Patienten, die das auch gerne mal vermehrt auftreten können.
Marco: Ja, wobei man ja auch die Aziklovir-Therapie in bestimmten Fällen auch sogar
Marco: mit Kortison verbindet. Aber vielleicht kommen wir dann nachher nochmal dazu.
Marco: Da gibt es nicht so viele Folgen, aber …,
Marco: Warum machen wir das Ganze? Weil so ein Herpes Zoster auch Risiken mit sich bringt.
Marco: Wenn du da kurz eine Minute hast, dann kann ich nochmal zwei Sachen aussehen.
Marco: Nämlich eins hatten wir schon zwischen den Zahlen gesagt, sowas wie Vaskulitiden oder Schlaganfall.
Marco: Die Patienten haben halt nach durchgemachten Herpes Zoster ein erhöhtes Risiko,
Marco: vier Wochen bis zu vier Wochen nach dem abgeheilten Herpes Zoster solche Komplikationen zu bekommen.
Jan-Peer: Das wusste ich nicht, also dass du erhöhtes Schlaganfallrisiko hast, das ist ja schon ganz...
Marco: Ja, mit Vaskulopathien auch noch, was natürlich dann auch die Ursache für einen
Marco: Schlaganfall sein kann, aber jetzt im Allgemeinen gesprochen.
Marco: Meningoencephalitis ist auch noch ein Risiko, was auftreten kann nach dem Herpes Zoster.
Jan-Peer: Selten, aber desaströs.
Marco: Total selten. Die Angaben sind so bei 0,25 Prozent von den Patienten, die einen Zoster haben.
Marco: Das ist äußerst selten, aber es ist einfach auch eine schwere Komplikation. Das ist nicht viel.
Marco: Muss man sagen. Das ist äußerst wenig.
Jan-Peer: Ich überlege gerade, was 0,25 Prozent
Jan-Peer: von zwei Millionen sind.
Marco: Achso.
Marco: Ja, willst du schnell ausrechnen? 2500 Patienten?
Jan-Peer: Das glaube ich jetzt einfach nicht.
Marco: Okay.
Jan-Peer: 5000.
Marco: Achso, Entschuldigung.
Jan-Peer: Gut, dass ich Arzt geworden bin.
Marco: Weißt du, wie ein Rechner funktioniert? Das ist schon mal vorteilhaft.
Marco: Ich habe ihn auch mal gefunden.
Marco: Vielleicht ist das mein bürokratischer Eid. Ich möchte halt,
Marco: dass doch alles gesund ist. Darum fehlte mir halt Ebene Null.
Marco: Es ist immer wichtig, dass du Ausreden hast. Also eine Sache wollte ich auch
Marco: nochmal erzählen, weil das immer wieder durch die Fachliteratur schwirrt, diese Diskussion,
Marco: Mensch, wenn ich einen Herpes habe, muss ich unbedingt auf Tumorsuche gehen,
Marco: weil das kann auch eine Ursache für einen Herpes sein.
Jan-Peer: Ja.
Marco: Bitte nicht. Erstens ist die Studienlage diesbezüglich absolut widersprüchlich.
Marco: Und ich glaube, wir können unserem Gesundheitssystem mit dieser Studienlage
Marco: das auch nicht zubuten, dass jeder, der einen Herpes hat, dass wir den einmal
Marco: komplett auf links drehen und gucken, ob er nicht vielleicht einen Tumor hat.
Marco: Macht keinen Sinn. Wollte ich nur mal kurz am Rande einmal erwähnen.
Jan-Peer: Das ist eine gute Idee. vielleicht anamnestisch und nicht diagnostisch-apparativ.
Marco: Ja, zum Beispiel, genau.
Jan-Peer: Eine gute Anamnese. Ja, das stimmt.
Marco: Ja, ich glaube, achso, weswegen diese schnelle Therapie gar nicht so unwichtig
Marco: ist, ist auch der zeitliche Verlauf.
Marco: Wenn ich innerhalb der ersten 72 Stunden die antivirale Therapie beginne,
Marco: kann ich den Verlauf der Krankheit zwei bis drei Tage reduzieren.
Marco: Also Dauer und Ausschlag, die
Marco: Dauer des Ausschlages kann hier um zwei bis drei Tage reduziert werden.
Jan-Peer: Jetzt haben wir ja auch gesagt, man kann ja auch langfristig Schmerzen durch
Jan-Peer: sowas haben, kann dann auch eine schnelle Therapie da was tun?
Marco: Ja, du kannst und das ist ja auch ein Risiko, was so ein Herpes Zoster mit sich
Marco: bringen kann, du kannst darauf im Verlauf ja auch eine chronische Erkrankung
Marco: entwickeln, eine sogenannte Postzoster Neurologie.
Marco: Die Wahrscheinlichkeit das zu bekommen kann eine schnelle Therapie auch bis
Marco: zu 30 Prozent reduzieren.
Marco: Wie groß ist denn grundsätzlich das Risiko für Postzoster Neurologie?
Marco: Ja, die ist gar nicht so wenig. Das sind so 10 bis 20 Prozent der Patienten
Marco: entwickeln durchaus eine Post-Hosterneurologie.
Marco: Einmal über den Kamm geschert. Das wird noch auffälliger, wenn die Leute älter werden.
Marco: Also bei über 60 ist es schon bei 30 Prozent und bei Patienten über 80 sind
Marco: wir schnell bei über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit, eine Post-Hosterneurologie zu entwickeln.
Marco: Also Post-Zosterneuologie bedeutet, dass Patienten nach Beendigung der Erkrankung
Marco: weiterhin Schmerzen haben, die länger als drei Monate persistieren. Richtig?
Marco: Korrekt. Also die Postzosterneuologie ist seit drei Monaten abgeheilt,
Marco: aber es bestehen weiterhin seit über drei Monaten dann zu dem Zeitpunkt diese
Marco: Schmerzen in dem Dermatombereich, wo der Zoster war.
Marco: Ja.
Marco: Äußerst frustrierend.
Musik: Das zweite Schlüsselwort. Zoster.
Jan-Peer: Vielleicht können wir es nur einmal auseinanderfummeln.
Jan-Peer: Wir haben ja dann Patienten, die, und vielleicht kommen wir damit auch so ein
Jan-Peer: bisschen in diese Therapie ab von der antiviralen Therapie, von der wir ja gelernt
Jan-Peer: haben, dass wir sie möglichst schnell jetzt initiieren sollen.
Jan-Peer: Die Patienten kommen ja auch mit Schmerzen in der initialen Präsentation, in der Regel.
Jan-Peer: Wie würde man denn diese Schmerzen, diese akuten Schmerzen, wie würde man denn die therapieren?
Marco: Die würde man dem Bedarf strukturiert nach dem WHO-Stufenschema für Schmerztherapie würde man therapieren.
Marco: Das heißt, man fängt mit einem Nicht-Opiat an und kombiniert dieses dann mit
Marco: einem leichten Opiat respektive, wenn das nicht ausreicht, mit einem starken Opiat.
Marco: Sollte dieses Stufenschema eine unzureichende Schmerzlinderung beim Patienten bringen,
Marco: würde man das Ganze noch kombinieren mit einer Therapie mit Gabapentinoiden
Marco: respektive mit trizyklischen Antidepressivern.
Marco: Also würde man jetzt hier das kombinieren mit Pregabalin oder Gabapentin.
Jan-Peer: Das wäre quasi die erste...
Jan-Peer: Erste, zweite Angriffswelle sozusagen.
Marco: Ja, richtig, genau. Das hast du schön gesagt. Sollte das nicht ausreichend sein,
Marco: würde man dieses noch kombinieren mit besagten trizyklischen Antidepressivum.
Marco: Zusätzlich kann man das Ganze dann noch mit einer lokalen Anwendung kombinieren,
Marco: mit einem sogenannten Capsaicin-8-prozentigen Pflaster oder einem 5-prozentigen Lidokain-Pflaster.
Jan-Peer: Das er mich an unsere allererste Folge, die wir gemacht haben.
Marco: War das nicht sogar die dritte? Aber vielleicht ist das jetzt der richtige Moment,
Marco: nochmal auf unsere Basisfolgen,
Marco: nämlich Folge 1 bis Folge 4 aufmerksam zu machen, wo wir genau diese Rezeptoren
Marco: besprochen haben, die für das Capsaicinpflaster verantwortlich sind.
Jan-Peer: Aber da verweisen wir nur drauf.
Marco: Ja, aber wir können ja nochmal ein bisschen teasern und sagen,
Marco: dass dieser Rezeptor sogar schon Teil des Nobelpreises für Medizin war.
Jan-Peer: Richtig.
Marco: Wir müssen eine Aufregung machen.
Jan-Peer: Wir müssen eine Einblendung hier unten machen.
Marco: Ich weiß nicht, ob ich das technisch hinkriege.
Jan-Peer: Okay, also jetzt haben wir die akute Therapie antiviral plus WHO-Stufenschimmer
Jan-Peer: für die Schmerzen plus gegebenenfalls Gabapentinoid plus gegebenenfalls trizyklisches
Jan-Peer: Antidepressivum oder Antidepressivum.
Jan-Peer: Für die Akuttherapie und wie würde, wenn jetzt Patient persistierende Schmerzen
Jan-Peer: hat, also eine Postzosterneuralgie entwickelt, wie wäre da ein geeignetes Therapieschema?
Marco: Letztendlich mussten wir davon ausgehen, und das spielen wir jetzt einfach mal
Marco: so durch, dass diese Basistherapeutischen Maßnahmen medikamentöser Schmerztherapie
Marco: schon stattgefunden haben.
Marco: Sollte das nicht der Fall sein, würde ich auch unter diesem Gesichtspunkt damit erstmal beginnen.
Marco: und es aber auch parallel mit dem Pregabalin erweitern, sollte das nicht der Fall sein.
Marco: Genau, auch das bedarf eines einschleichenden Effektes.
Marco: Sprich, ich werde das nicht relativ zügigen Erfolg haben, das dauert seine Zeit.
Marco: Aber Pregabalin ist da sicherlich ein bisschen dankbarer als das Garapentin,
Marco: weil man es schneller aufsättigen kann.
Marco: aber sie neigen halt häufig dann doch über Schwindel und das ist halt ein bisschen
Marco: unangenehm, aber das erübrigt sich dann im Laufe der Therapie.
Jan-Peer: Ich habe ja mal gehört, dass Patienten die gerade am Anfang der Therapie diese
Jan-Peer: Begleitsymptome haben dass die eigentlich mehr profitieren von diesen Medikamenten
Jan-Peer: Ist das so dir auch aufgefallen?
Marco: Ich finde auch also vielleicht ist es ja auch nur eine gefühlte Wahrheit Ich
Marco: habe da jetzt keine Studien für, aber wenn die am Anfang so eine Tendenz des
Marco: Schwindels haben, besonders wenn man es aufsättigt,
Marco: habe ich so das Gefühl, das geht ja dann relativ zügig, geht es auch wieder
Marco: weg, aber dass die auch gut von dem Medikament dann profitieren.
Marco: Ob das wissenschaftlich nachweislich, weiß ich nicht.
Marco: Aber ich würde es nicht absetzen, weil sie Schwindel haben, besonders am Anfang.
Marco: Im Gegenteil, ich würde die ermutigen, lass uns das doch jetzt mal durchziehen,
Marco: weil es einfach auch eine gute Möglichkeit ist, das zu unterbrechen.
Marco: Und wir wollen es ja auch relativ zügig unterbrechen.
Marco: Man darf auch nicht vergessen, dass die, die halt so eine Post-Zoster-Neurologie
Marco: entwickeln, es doch einen großen Teil der Patienten gibt, die das nur für einen Monat haben.
Marco: Es sind dann unterm Strich gar nicht so viele, nur ungefähr 10 Prozent,
Marco: die das auch über ein Jahr haben, diese Schmerzen.
Marco: Und diese brennenden, einstechenden, einschießenden Schmerzen,
Marco: die will halt irgendwie keiner haben.
Jan-Peer: Es ist ja in der Leitlinie interessant auch, dass dort unterschieden wird und
Jan-Peer: du hast ja jetzt gerade gesagt, Patienten haben ja innerhalb der Postzosterneurologie
Jan-Peer: verschiedene Schmerzarten,
Jan-Peer: die sie beschreiben, oftmals überlappend, aber es gibt ja Patienten,
Jan-Peer: die ja sagen, es ist eher so dieses elektrische, einschießende Schmerz, es gibt auch der dumpfe,
Jan-Peer: dauerhaft brennende Schmerz, es ist das Kribbeln, es sind die Missempfindungen,
Jan-Peer: es ist die Allodynie, die sie Patienten haben.
Jan-Peer: machst du in deiner Therapieauswahl, was du so nimmst an Medikamenten,
Jan-Peer: legst du da noch besonderen Wert auf?
Jan-Peer: Je nachdem, was für eine Schmerzpräsentation.
Marco: Dass man da vielleicht einen therapeutischen Unterschied macht,
Marco: ob ich jetzt einen rein brennenden oder einen rein einschießenden Komponente
Marco: in diesem Schmerzen habe.
Marco: Ja, es wird den Medikamenten teilweise so zugeschrieben, dass man das vielleicht unterscheiden könnte.
Marco: Ich mache da jetzt bei der Post-Zoster-Neurologie keinen Unterschied,
Marco: ich fange da mit dem Präger Berlin an.
Jan-Peer: Okay. Genau. Also unabhängig von der Schmerzpräsentation. Also wenn man klassische,
Jan-Peer: gut zuordnenbare Schmerzsymptomatik zu einem stattgehaltenen Zoster hat,
Jan-Peer: dann fangen wir erstmal an.
Marco: Genau, und die Kriterien für neuropathischen Schmerz erfüllt sind,
Marco: dann würde man damit anfangen. Korrekt, richtig. Ja.
Marco: Ich glaube, so würde man da jetzt reingehen, wenn die Post-Toster-Nauragie bestehen würde.
Marco: Es gibt noch additive Therapieverfahren.
Marco: Man kann ja auch zum Beispiel ein bisschen mit Kälte arbeiten.
Marco: Das wird auch häufig als angenehm empfunden.
Marco: und wir hatten das ja am Anfang schon besprochen, das Capsalzin ist halt auch
Marco: ein Medikament, was man als Pflaster lokal auf das Dermatom sehr gut anwenden kann.
Jan-Peer: Das ist, glaube ich, Extrakt der Chilischote, richtig?
Marco: Richtig, genau. Auf den Hot-Rezeptor, glaube ich.
Jan-Peer: Stimmt, so war das.
Marco: Genau, das hatten wir ja schon eben angesprochen, ein bisschen geteasert.
Marco: Und der Rezeptor war auch Teil des Nobelpreises für Medizin.
Marco: War schon mal ein berühmter Kandidat dabei.
Marco: Wichtig beim Capsaicin wäre ja auch noch, dass eine lokale Anwendung,
Marco: dass man da so ein bisschen besonders drauf sein nimmt.
Marco: Das wird halt nur für eine Stunde aufgeklebt und dann macht man auch einen Monat Pause.
Marco: Aber da hat man halt auch gesehen, Dass man schon nach der ersten Behandlung
Marco: hier bei 30 bis 40 Prozent der
Marco: Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erzeugen kann. Also es lohnt.
Jan-Peer: Wie würdest du denn so insgesamt die Wirksamkeit von den Medikamenten,
Jan-Peer: die wir jetzt zur Verfügung haben, einschätzen?
Marco: Ja, relativ gut beim Post-Hoster-Neurologie.
Marco: Aber du hast auch da Ausreißer der Patienten, die nicht so gut darauf ansprechen.
Jan-Peer: Gibt es irgendwie so eine Idee von den Prozentzahlen?
Jan-Peer: Wie viele Patienten profitieren so ungefähr?
Jan-Peer: Also in der ersten Linien-Therapie.
Marco: Ja. Bei den Gabapentenoiden oder bei dem Kapsalzinpflaster oder worauf willst du das beziehen?
Jan-Peer: Ja, also wenn man jetzt sagt, man sagt ja, du hast ja gesagt,
Jan-Peer: du fängst jetzt mit Gabapentenoiden an. Wie viele Patienten sprechen denn darauf
Jan-Peer: erstmal an, so ungefähr?
Marco: So die Hälfte, 40 bis 60 Prozent, sowas in der Richtung.
Jan-Peer: Okay, und dann würdest du ja sagen, du würdest dann um trizyklische Antidepressiva
Jan-Peer: erweitern oder switchen die Therapie?
Marco: Ja, weiß ich gar nicht, ob ich da Zahlen habe. Ein paar Prozent noch obendrauf
Marco: würde ich jetzt mal so schätzen.
Jan-Peer: Ja gut, also hat man ja schon mal auf jeden Fall ein paar therapeutische Optionen,
Jan-Peer: die man dann hat. Ja, genau. Capsaicin sagst du ja auch nochmal 30, 40 Prozent.
Marco: Richtig, aber auch eine längere Anwendung, muss man sagen.
Marco: Da gibt es ja auch noch andere Ideen, dass man vielleicht auch mit Parallelzium-Capsaicin-Applikationen,
Marco: dass man da vielleicht auch nochmal zusätzlichen Liukain-Perfusor laufen lässt,
Marco: um da systemisch die Schmerzen zu reduzieren, die du hast,
Marco: durch die Applikation des Capsaicin-Pflasters.
Marco: habe ich überhaupt keine Erfahrung von. Da gibt es auch überhaupt keine Studien.
Marco: Das sind sozusagen nur Anwenderäußerungen, die ich hier habe.
Jan-Peer: Das wäre auf jeden Fall eine Therapie, die man im stationären Setting dann machen müsste.
Marco: Ja, die musst du EKG kontrolliert haben. Ich will gar nicht sagen,
Marco: dass du das stationär, von meiner Meinung nach kannst du das auch ambulant machen.
Marco: Also das musst du nicht stationär machen. Du musst ja nur den Patienten adäquat
Marco: überwachen, wegen des Lidokains.
Marco: Nein, das würde ich jetzt nicht stationieren, aber dadurch, dass die komplett
Marco: unterschiedliche Wirkmechanismen haben, ist mir auch pharmakologisch nicht so
Marco: richtig klar, wie das funktioniert.
Marco: wie das funktioniert, aber es scheint wohl irgendwie zu funktionieren.
Marco: Letztendlich tut so ein Kapselzinpflaster dem Patienten ja auch weh,
Marco: weil das schüttet ja sozusagen auch, reizt ja auch die Nozizeptoren vor Ort
Marco: durch die Stimulation der Hitzerezeptoren.
Marco: Und das soll man angeblich damit ein bisschen blockieren können.
Marco: Tja, weiß ich nicht. Vielleicht gibt es da ja mal Ideen in der Zukunft. Mal sehen.
Jan-Peer: Es geht ja immer weiter.
Marco: Aber du hattest auch einen interessanten Ansatz, was man vielleicht mal machen kann.
Jan-Peer: Ja, es gibt ja auch, das ist ja auch in der Leitlinie, ich weiß gar nicht,
Jan-Peer: in der deutschen oder auch in den internationalen Leitlinien gibt es ja auch
Jan-Peer: die Idee für lokale Nerveninfiltrationen.
Jan-Peer: Das heißt, dass du die komplette Weiterleitung aus den Nerven eines Dermatoms
Jan-Peer: zum Beispiel dann unterbinden kannst mit einem sehr, sehr guten Erfolg.
Jan-Peer: Also das wäre tatsächlich wahrscheinlich was für die Klinik.
Jan-Peer: Also klassischerweise wäre es ja zum Beispiel eine PDK-Anlage.
Jan-Peer: dann in der Höhe des betroffenen Dermatoms, sodass du dann den Patienten mal
Jan-Peer: über Stunden oder über Tage mit dem Katheter dann komplett von den Postzoster-Schmerzen
Jan-Peer: dann befreien könntest.
Jan-Peer: Das wäre sicherlich die Maximalvariante, an die man dann denken kann,
Jan-Peer: die aber guten Erfolg zeigt.
Jan-Peer: Und es gibt ja viele, viele jetzt im Rahmen der Anästhesie auch neuere Verfahren,
Jan-Peer: wo man dann nicht mehr da in den Periduralraum muss, sondern man kann das ja
Jan-Peer: mit deutlich einfachem, technischeren Aufwand dann die
Jan-Peer: Nerven dort sozusagen auf der Strecke dann betäuben.
Marco: Kennst du da ein Verfahren, was man da anwenden könnte, was in die Richtung geht?
Jan-Peer: Ja, also das ist immer wieder, also das kommt jetzt klassischerweise so,
Jan-Peer: wenn man so Thorakotomin macht, da kann man sozusagen paravertebral die Nerven dann betäuben.
Jan-Peer: Das heißt, mit dem Ultraschall kannst du da die Querfortsätze des Nerven dir
Jan-Peer: angucken und aufsuchen und dann einfach wirklich ganz
Jan-Peer: kleinem Aufwand da einfach dann lokal an Lokale eben hinspritzen.
Jan-Peer: Und das macht schon mal sehr, sehr gerade, es ist jetzt, wir brauchen ja keine
Jan-Peer: große Ausdehnung, das ist ja das, was wir haben.
Jan-Peer: Und das wäre genau das richtige Verfahren, um dieses einzelne Dermatom,
Jan-Peer: was dann ja so längst zieht, um das dann auch gut zu betäuben.
Jan-Peer: Und das ist vom technischen Aufwand deutlich geringer als eine Pelikaner.
Marco: Gibt es da für dich ein Limit? Also würdest du das über eine ganze Thorax-Seite
Marco: machen oder nur über maximal drei Segmente oder gibt es da irgendwas?
Jan-Peer: Also ich weiß, dass das, man kommt da sozusagen, da gibt es auch keine Studien
Jan-Peer: zu, ob das jetzt wirklich erfolgreich ist, gerade dieser spezielle Block,
Jan-Peer: man kennt das ja so aus der,
Jan-Peer: also das wird ja hauptsächlich angewandt für Operationen, um da eine Schmerzfreiheit herzustellen.
Jan-Peer: es ist auf jeden Fall ein super Verfahren, um das halt lokal in diesen einzelnen
Jan-Peer: Dermantomen da das, sozusagen die Schmerzweiterleitung auszuschalten.
Jan-Peer: Operativ kannst du das über viele Segmente dann machen.
Marco: Okay.
Jan-Peer: Ist ja aber in dem Fall ja gar nicht notwendig.
Marco: Aber eigentlich wollen wir da ja gar nicht hin.
Jan-Peer: Nein, eigentlich wollen wir gar nicht hin.
Marco: Eigentlich wollen wir das ja eigentlich verhindern, wenn ich ehrlich bin.
Jan-Peer: Und Prävention ist ja immer besser als heilen.
Marco: Ja, irgendwie war das was. Was haben wir denn für, was haben wir,
Marco: was hast du da im Köcher für Prävention?
Jan-Peer: Naja, also wir haben ja schon die Impfung im Kindesalter gegen Windpocken und
Jan-Peer: warum sollte sowas auch nicht mal später funktionieren?
Jan-Peer: Also und ja, es gibt eine Impfung gegen Zoster.
Marco: Ja.
Jan-Peer: So.
Jan-Peer: Die kann man machen.
Marco: Ist ein Totimpfstoff.
Jan-Peer: Und der verhindert zu über 90 Prozent ein Herpes Zoster, wenn du dich impfen
Jan-Peer: lässt. Auch im hohen Alter.
Marco: Über 90.
Jan-Peer: Über 90 Prozent. Er reduziert das Risiko von einer Post Zoster Neurologie auch um 90 Prozent.
Marco: Wahnsinn. Das ist richtig. Mensch, bist du beliebt. Mich ruft nie jemand an.
Jan-Peer: Sorry.
Marco: Ja, und das hält halt auch lange an. Das darf man auch in der Situation nicht vergessen.
Marco: Du hast halt dann mal eben kurz nach Impfung mal entspannt zehn Jahre Zeit. einen schönen Schutz.
Marco: Und das finde ich ist ja auch interessant für,
Marco: Patienten mit über 60, wo wir ja auch schon sagen, okay, ab ein bisschen Alter
Marco: steigt einfach auch die Prävalenz und dann wäre das halt super.
Jan-Peer: Ja, und entsprechend ist es ja auch empfohlen. Also Patienten über 60 Jahre
Jan-Peer: oder mit besonderen Risikofaktoren.
Marco: Ja, Empfehlung und Machen.
Jan-Peer: Ja, aber es ist empfohlen und sicherlich absolut gerechtfertigt,
Jan-Peer: also bei der allein der schieren Masse der Erkrankungen, die dort verhindert
Jan-Peer: werden können, ist es absolut sinnvoll.
Marco: Ja, das stimmt.
Jan-Peer: Und bezahlt wird es auch.
Jan-Peer: So, aber grau ist alle Theorie und ich weiß ja, du hast einen Kollegen von dir
Jan-Peer: interviewt, der genau mit diesem Krankheitsbild aufgeschlagen ist.
Marco: Ja, Andreas, genau, ein ehemaliger Kollege, mit dem ich mal zusammengearbeitet habe im OP,
Marco: ein netter Kerl, der hatte einen Herpes Zoster und bölerweise gehörte er dann
Marco: zu den 10%, wo der Herpes Zoster und die Herpes Zoster Neuralgie nach einem
Marco: Monat nicht abgeheilt ist und er eine persistierende,
Marco: chronische Post Zoster Neuralgie entwickelt hat.
Marco: und da hatte ich die Ehre, dass ich ihn einmal interviewen durfte und ich hoffe,
Marco: da sind interessante Sachen bei gekommen.
Marco: Aber vorab mal zu Andreas, der ist 62 Jahre alt mittlerweile,
Marco: hat halt besagte Post-Hoster-Analogie, er ist mittlerweile leider verwitwet,
Marco: er lebt alleine, aber ist seit 1985 als OP-Pfleger in dem Krankenhaus tätig,
Marco: wo ich ihn auch damals kennengelernt habe.
Marco: Und ich habe ihn letztendlich zum Beginn des Interviews gefragt,
Marco: wann und wie es alles mit dem Herpes Zoster anfing.
Andreas: Das kann ich ganz genau sagen. Das war nämlich der 5.8.2023,
Andreas: eine Nacht, dann noch vom Donnerstag auf den Freitag, einen Tag vor meinem Urlaubbeginn.
Andreas: Und da fing es gleich mit leichten Piken an auf der Kopfhaut und wurde übers
Andreas: Wochenende daraufhin extrem schlimm mit den Reizungen und auch dann mit Schmerzen.
Andreas: Das kann ich bestätigen, sodass ich dann am Montag sofort zum Arzt gegangen bin.
Marco: Das ist ja beeindruckend, dass du dich genau an diesen Tag noch erinnern kannst.
Andreas: Ja, weil es genau einen Tag vor meinem Urlaub war und daran kann ich mich so
Andreas: drinnen, weil es drei Wochen lang gewesen wäre, wo ich dann also den Leider
Andreas: Gottes nicht antreten konnte.
Marco: Gab es von deiner Seite aus einen Punkt, wo du die Vermutung hattest,
Marco: dass das vielleicht doch irgendein chronischer Schmerz ist?
Marco: Du hast ja die Phase durchlebt, wo deine ganzen Hauterfloreszenzen abgeheilt
Marco: ist, du hattest keine Probleme mehr, es war theoretisch alles wieder gut,
Marco: aber es blieben irgendwie die Schmerzen.
Marco: Gab es da für dich irgendeinen Punkt, wo du gesagt hast, eigentlich sollte jetzt
Marco: alles weg sein, aber die Schmerzen sind ja trotzdem noch da.
Andreas: Ja, das war so ein bisschen für mich schwierig zu begreifen,
Andreas: weil ursprünglich hieß es, acht Wochen dauert so etwas, damit muss ich rechnen,
Andreas: darüber habe ich mich auch eingestellt.
Andreas: Nur, dass es dann nicht besser wurde, er in dem Zustand blieb,
Andreas: hat mich schon so ein bisschen beunruhigt, Und so, dass ich mir überlegen musste
Andreas: auch, was mache ich jetzt eigentlich weiterhin?
Andreas: Welche Therapieformen gibt es für mich? Welche Möglichkeiten habe ich?
Andreas: Und habe dann natürlich weiterhin mit Ärzten…
Marco: Jetzt sind so und so viele Wochen nach diesen acht Wochen und es ist immer noch
Marco: nicht weg, jetzt ist hier irgendwas nicht in Ordnung.
Marco: Gab es da so einen Punkt, so ein exakter Punkt oder war das so schleichend,
Marco: du hast gesagt, oh jetzt ist schon wieder ein Montag und die Schmerzen sind immer noch da?
Andreas: Nein, das war ein ziemlich exakter Punkt. Das war nämlich kurz vor Weihnachten
Andreas: darauf hin, weil ich da zur Impfung war und habe mit einem Neurologen gesprochen,
Andreas: der mir mit einer Medikamentenumstellung geholfen hat.
Andreas: Und das fand ich eben sehr, sehr gut. Ich habe ihn nachher so,
Andreas: zu den Medikamenten können wir ja später nochmal kommen,
Andreas: habe ich mit meinem Bruder, der selber Arzt ist, gesprochen und der hat gesagt,
Andreas: vielleicht probierst du mal das andere Medikament aus, bespreche das mal mit
Andreas: dem Arzt und da dachte ich mir, da muss irgendwas passieren,
Andreas: dass das sich irgendeiner Form ändert.
Marco: Ja, warte mal, Andreas, du hast ja gesagt, theoretisch acht Wochen,
Marco: aber wenn ich das jetzt mal so ausrechne von dem fünften, achten,
Marco: was du gesagt hast, also Anfang August bis Weihnachten, das sind ja dann mal schnell 18 Wochen,
Marco: da hast du also ganz tapfer noch zehn Wochen ausgehalten, bis du intensiv nochmal
Marco: nachgehakt hast, was geht hier eigentlich?
Andreas: Ja, so ungefähr.
Andreas: Ich habe ausgehalten und dachte mir, es dauert ein bisschen,
Andreas: aber dass es eben nicht besser wurde, das hat mich sehr dann auch bohrenruhigt.
Marco: Damit ich es mir nur besser vorstellen kann und auch die Zuhörer sich das besser
Marco: vorstellen können, was für Schmerzen hattest du genau und wo waren diese Schmerzen?
Andreas: Also die Schmerzen begannen quasi oberhalb der Augenbraue, da kommt ja der Gesicht,
Andreas: also direkt am Kopf, das nennt man Kopfrose, wie eine Dreiecksform muss man
Andreas: sich das vorstellen, von der Augenbraue zieht er es über den Nasenrücken, quasi über die...
Andreas: Eine Gesichtshälfte, Stirnhälfte, bis auf den linken, in meinem Fall linken Hinterkopf.
Andreas: Da gab es einen kleinen Punkt, wo dann schlagartig auch der Schmerz aufhörte.
Andreas: Das war also wie so eine Grenze, als würde der Nerv oder die Schmerzen in den Boden versinken.
Andreas: Aber es war anfangs sowieso ja sichtbar.
Andreas: Nachdem das alles abgeklungen, wie wir schon vorhin sagten, abgeklungen ist,
Andreas: hat man von außen nichts gesehen, aber man hat es gespürt.
Andreas: Und das ist natürlich im Augenbereich sehr, sehr extrem empfindlich,
Andreas: weil das Auge war anfangs auch mit betroffen von dem Herpes,
Andreas: allerdings hat sich das nach einer Woche geklärt und gelegt.
Marco: Also wenn ich das richtig verstanden habe, ist das also so ein Dreieck von der
Marco: linken Schläfe bis zum Nasenrücken, also so eine fast gerade Linie,
Marco: so ein kleiner Bogen unter dem Auge durch.
Andreas: Unter dem Auge durch,
Marco: Ja. Genau, und dann vom Nasenrücken auf diesen besagten Hinterkopfpunkt und
Marco: von dem Hinterkopfpunkt dann wieder zurück zur Schläfe, so ein richtiges Dreieck.
Andreas: Ja, wie so ein Dreieck, so kann man es, dieser Bereich ist zwar immer.
Marco: Und beschreib mir das mal, wie das da war. Du hast gesagt, was war das, brennend?
Andreas: Brechen, stechender Schmerz war das, brennend, juckend, wahnsinnig unangenehm,
Andreas: berührungsempfindlich.
Marco: Was heißt empfindlich? Hast du dann auch richtig Schmerzen gehabt, wenn man es berührt hat?
Andreas: Ja, man hat das ganz feinfühlig, man brauchte nur gegen zu kommen.
Andreas: Ich konnte, das ist vielleicht ganz interessant zu wissen, ich konnte draußen
Andreas: nicht Fahrrad fahren, weil der Wind, allein der Winddruck so stark auf dieses
Andreas: Areal kam, dass es irritierend war.
Andreas: Auch der Zug an den Haaren durch den Wind war extrem schwierig,
Andreas: damit zurechtzukommen.
Andreas: Auch Feuchtigkeit und Sonnenflug.
Andreas: Sonnenstrahlen kannte man nicht ab. Wärme, Sonnenstrahlen und Wasser.
Marco: Und diese stechenden Attacken, kannst du die nochmal beschreiben?
Marco: Wie kann ich mir das vorstellen? Einmal die Woche?
Andreas: Nö, das kam mehrfach am Tag. Allerdings kann ich jetzt auf die Minute oder Viertelstunde,
Andreas: halbe Stunde nicht genau sagen, aber das kam beim Autofahren,
Andreas: beim Fahrradfahren, alle Stunde kam das schon am Tag vor.
Marco: Und das war immer nur so eine Attacke oder wie kann ich mir das vorstellen?
Andreas: Nee, das läuft dann so über fünf Minuten circa mit den Attacken,
Andreas: dass es wahnsinnig juckt und brennt und dann klingt es so langsam wieder ab.
Marco: Und war nur das Brennen juckend eins
Marco: der Führenden oder war da auch dieses einschießende Komponenten oder was?
Andreas: Nee, der Schmerz, der Schmerz und zwar ist das auch ein richtiger Ruheschmerz.
Andreas: Das heißt, der kam auch ohne Bewegung.
Andreas: Es gab also keinen wirklichen Auslöser letztendlich für die Attacken.
Andreas: Das konnte man sich gar nicht sonst, bei manchen Sachen ist es ja so,
Andreas: dass man das hervorrufen kann durch irgendwas.
Andreas: Da war es aber so, es kam von 0 auf 100, einfach so, ohne dass man wusste,
Andreas: wodurch jetzt eigentlich das gesteuert wurde. Was hast du falsch gemacht oder sonst was.
Andreas: Das wusste ich allerdings, wenn ich jetzt mir die Haare gewaschen habe oder
Andreas: wie gesagt, wenn ich in die Sonne gegangen bin,
Andreas: ich kann seitdem auch keine Haube tragen, keine Mütze, weil
Andreas: es unerträglich ist darunter, weil die Haut bewegt sich und die Reizung über
Andreas: die Bewegung der Haare und Haarwurzeln machen das Ganze unerträglich.
Marco: Und so eine Fremdmanipulation, also rasieren, Zähneputzen, das ist ja nicht
Marco: direkt in deinem Einzugsgebiet, aber haben diese Bewegungen da auch schon was ausgelöst?
Andreas: Die Hautbewegung alleine, diese Erschütterung, die haben auch schon ausgelöst.
Andreas: Wenn ich jetzt mit dem Unterkiefer wackele, einfach gesagt, dann ist es auch
Andreas: so, dass die Stirn mit davon beeinflusst.
Andreas: Auch wenn man die Stirn runzelt, solche Sachen, das tut weh.
Marco: Ja, das glaube ich.
Andreas: Das tut einfach nur wahnsinnig weh, als hätte man da oben eine riesen Schnittwunde, die nicht zuheilt.
Marco: Das ist ja sehr beeinträchtigend. Wie hat sich denn diese Schmerzkomponenten,
Marco: das sind ja verschiedene Aspekte,
Marco: die damit eingreifen, wie haben die denn dein Leben beeinträchtigt?
Marco: Wie war es denn mit Schlafen, Arbeit, wie konntest du arbeiten,
Marco: wie war dein soziales Leben?
Andreas: Also ich war seit dem Jahr dann krankgeschrieben, arbeitsunfähig.
Andreas: Ich konnte abends nicht einschlafen. Ich konnte nicht auf der linken Seite liegen mit dem Kopf,
Andreas: weil der Druck alleine auf der Seite zu liegen, hat schon die Stirn so was von
Andreas: manipuliert, dass es unerträglich war. Ich konnte nur auf dem Rücken liegen, auf der rechten Seite.
Andreas: Einschlafstörungen hat man natürlich wahnsinnig und ist dann morgens wie gerädert,
Andreas: wenn man geschlafen hat.
Andreas: Ich hatte dann auch ein bisschen Medikamente zum Schlafen, damit das ein bisschen
Andreas: vereinfacht wird, bekommen, leichte Medikamente.
Andreas: Aber es war schon so, dass der ganze Tagesablauf sehr dadurch beeinträchtigt
Andreas: wurde, dass man nicht machen konnte, auch nicht wollte, wozu man eigentlich
Andreas: Lust hat, weil man sich das ganz genau überlegen musste.
Andreas: Will ich, tue ich mir das jetzt an oder tue ich mir das nicht an?
Andreas: Gehe ich nach draußen, gehe ich nicht nach draußen?
Andreas: Und man möchte am liebsten erstmal liegen bleiben.
Andreas: Und dann, wenn man dann tagsüber so, ich sage mal, geredet ist,
Andreas: Motiviert das auch gar nicht mehr so, dass man irgendwas Neues machen will oder
Andreas: überhaupt was machen will.
Andreas: Man möchte einfach nur, dass die Schmerzen weggehen. Und das ist das Schlimmste gewesen.
Andreas: Und das beeinträchtigt einen ganzen Tagesablauf total.
Andreas: Sodass man tagsüber total müde ist, unregelmäßig schläft und kürzlich,
Andreas: Und Appetitlosigkeit teilweise. Und das ist schon sehr schlimm gewesen.
Marco: Bist du nachts vom Schmerz mal wach geworden, weil du aus Versehen gegen die
Marco: linke Seite gekommen bist?
Andreas: Naja, ich bin erstmal, konnte ich nicht einschlafen und war froh,
Andreas: wenn ich mal geschlafen habe.
Andreas: Aber ich bin mehrfach nachts aufgewacht, ob es nun die Schmerzen waren.
Andreas: Ich habe dann aber den Schmerz gespürt, ob das der Auslöser war letztendlich.
Andreas: Also als ich dann aber wach war, dann hat das schon geschmerzt und dann hat
Andreas: es wieder gedauert, bis ich wieder mal zur Ruhe kam oder eingeschlafen bin.
Andreas: Und das sind natürlich dann so Momente, wo man alle zwei Stunden.
Marco: Was hat das denn mit deiner Stimmung und deiner Psyche gemacht, diese Situation?
Andreas: Ich sagte schon, motivationslos. Man hatte keine Lust, Kontakte zuzubilden oder
Andreas: wollte auch keinen in irgendeiner Anfangszeit, natürlich wollte man gar keinen,
Andreas: vielleicht in Gefahr bringen oder anstecken, das weiß man.
Andreas: Aber nachdem die Ansteckungsphase ja vorbei war, war es trotzdem sehr schwierig,
Andreas: sich Kontakte zu besorgen, weil man auch gar nicht die Kraft hatte,
Andreas: jetzt tagsüber mit denen was zu unternehmen, mit Freunden sich verabreden und
Andreas: mit denen was zu unternehmen, weil man auch gar nicht.
Marco: Wie war denn das mit deinem sozialen Umfeld?
Marco: Obwohl das ja nun schon etwas länger her war, du warst ja schon im chronischen
Marco: Schmerz, das ist ja dann August fing es an, Weihnachten hattest du immer noch Probleme damit.
Marco: Wie hattest denn deine nähere Umgebung, dein soziales Umfeld,
Marco: wie haben die das denn aufgenommen? Haben die da weiterhin Verständnis für gehabt? oder?
Marco: Man konnte ja auch im Gesicht nichts mehr sehen, du hattest ja nichts mehr.
Andreas: Richtig, man konnte nichts sehen und es ist dann immer noch nicht weg und da
Andreas: habe ich gesagt, nein, es ist noch nicht weg, da wurde ich dann gefragt und
Andreas: ich hatte sehr gute Unterstützung durch meine Brüder, muss ich ganz ehrlich
Andreas: sagen, mit denen ich öfters telefoniert habe.
Andreas: Die haben sich natürlich auch so ein bisschen darum, ja, sich Sorgen gemacht,
Andreas: Gedanken gemacht, aber ich habe nicht viele, viele Kontakte geschlossen und
Andreas: das muss ich ganz ehrlich sagen,
Andreas: weil man sich so ein bisschen auch abgeschottet hat dadurch,
Andreas: weil man gar nicht, wie gesagt, die Kraft hatte,
Andreas: das auch den ganzen Tag durchzuhalten und man möchte sich nicht, ja.
Marco: Okay, aber du sagst gerade was Schönes mit deinem, das habe ich jetzt noch im
Marco: Ohr, mit deinem Bruder, der auch empfohlen hat nochmal eine andere Therapie zu machen.
Marco: Was für Medikamente und Therapien wurden denn bei dir ausprobiert,
Marco: um deine Postzosterneurologie zu therapieren?
Andreas: Ich habe angefangen mit Gabapentin, dann wurde es umgestellt auf Prägabalin. Warum?
Andreas: Weil die Gabapentin kein Erfolg hatte.
Andreas: Und alle Ärzte, mit denen ich besprochen habe, haben gesagt,
Andreas: man muss es ausprobieren.
Andreas: Wir können nicht pauschal sagen, das hilft, das hilft nicht.
Andreas: Das sind ja alles Antidepressiva auf der Basis.
Andreas: Und um diese Nerven zu finden und als wir dann aufs Armitryptilin umgestiegen
Andreas: sind, entwickelte ich dann kurz Zeit später nach drei Monaten eine kräftige Allergie.
Marco: Warte mal, ich muss mal kurz sortieren. Du bist ja, glaube ich,
Marco: umgestellt worden von dem Garapentin auf das Pregabalin und hast dann irgendwann
Marco: das Amitriptylin noch dazu bekommen.
Andreas: Ja, aber das Pregabalin wurde dann abgesetzt.
Marco: Ach, das wurde dann auch noch abgesetzt. Das war nicht parallel.
Andreas: Sondern das reine Amitriptylin.
Marco: Ah, okay.
Andreas: Aber diese Allergie, die ich dann entwickelte mit einem extremen Ausschlag,
Andreas: hat dazu geführt, dass wir das Medikament auch wieder umstellen mussten.
Marco: Das ist aber auch ärgerlich.
Andreas: Ja, und das macht einen so ein bisschen und macht da auch die Ärzte so ein bisschen
Andreas: ratlos, weil was können wir noch ausprobieren, wurde immer gefragt oder gesagt.
Andreas: Und ich habe natürlich alles angenommen, was man mir vorschlagen hat.
Andreas: Und von daher… diesem Pflaster, den Wirkstoff der Chilischote,
Andreas: mit Schärfe gegen die Nervenaktivität
Andreas: heranzugehen, um sie zu deaktivieren.
Andreas: Nicht zu töten, sondern deaktivieren.
Andreas: Das haben wir viermal ausprobiert. Es hat viermal nichts gebracht.
Andreas: Im ersten Moment hat man das Gefühl, es wird besser, weil da oben was gemacht worden ist.
Andreas: Das ist für die Psyche immer so eine Sache, wenn das da oben ordentlich wehgetan
Andreas: hat, weil man da was draufgeklebt hat, habe ich mir gesagt, jetzt passiert da
Andreas: oben was, da wird richtig jetzt gearbeitet und da kämpfen jetzt die Nerven gegen das Kapselziehen.
Andreas: War aber dann so nach zwei, drei Stunden war der alte Zustand da,
Andreas: dass es nichts gebracht hat.
Andreas: Und das musste man Abstand von jeweils jedes Pflaster acht Wochen machen,
Andreas: solange muss man pausieren. Vielen Dank.
Andreas: Und das hat leider nicht zu dem Erfolg, den man sich gewünscht hat.
Marco: Du hast keinen langfristigen Effekt darunter gezeigt. Überhaupt nicht,
Marco: nein. Schade, okay. Wurde noch was probiert?
Andreas: Wir haben ja dann nach dem Amitriptidin das wieder langsam runtergefahren und abgesetzt.
Andreas: Und sind dann auf das Lamotrigin gekommen.
Andreas: Und das habe ich bis zum Ende jetzt genommen.
Andreas: Hat teilweise was bewirkt, aber nicht gegen die Schmerzen letztendlich.
Andreas: Es hat einen so ein bisschen ruhiger gemacht, bedächtiger.
Andreas: Aber was extrem gegen die Schmerzen geholfen hat, das war das Patentanol.
Marco: Das Tarpentadol.
Andreas: Tarpentadol, genau. Also das hat richtig Wirkung erzielt.
Andreas: Das ist ja auch schon ein Medikament, was ein bisschen kräftiger wirkt.
Andreas: auch auf die Psyche, auf sein Gangverhalten, sein Gleichgewichtsgefühl und man
Andreas: läuft schon so ein bisschen unsicher
Andreas: beim Treppenherablaufen ist es ein bisschen schwierig, weil man kein Gefühl hat für Entfernung,
Andreas: man weiß nicht wo die Stufe endet oder wo die anfängt und wann ich auftrete das war sehr,
Andreas: aber man gewöhnt sich eben an dieses Mittel auch irgendwann und dann geht es
Andreas: Und da nur durch dieses Medikament letztendlich haben wir die Schmerzen quasi
Andreas: herunterfahren können.
Marco: Toll. Ist vorher was anderes ausprobiert worden an starken Schmerzmedikamenten? Oder war das das erste?
Andreas: Das war das erste richtig kräftige. Gut, ich habe natürlich in der Phase,
Andreas: wo es ganz aktiv war, in der ersten Woche habe ich Dramadol bekommen.
Andreas: Ja, aber das war nur jetzt für eine Woche lang.
Andreas: Länger darf man das glaube ich gar nicht geben. Aber das hat auch keine Wirkung erzielt.
Jan-Peer: Okay, alles klar.
Marco: Wie war das mit einer multimodalen Schmerztherapie? Warst du auch mal in der Schmerzklinik?
Andreas: Jaja, ich bin dann, als ich mit entsprechenden Ärzten gesprochen habe,
Andreas: habe ich einen Platz bekommen in der Schmerzzentrum in Quickborn.
Andreas: Da bin ich sehr gut untergekommen und die haben mich weiter behandelt mit diesen
Andreas: ganzen Medikamenten und das war sehr erfolgreich letztendlich.
Andreas: Und haben auch natürlich nicht gewusst, was nun am besten hilft,
Andreas: aber haben mir alles mögliche.
Marco: Haben dir so ein bisschen therapeutische Struktur gegeben?
Andreas: Ja, therapeutische Struktur. Ich war bei einer Psychologin in der Behandlung,
Andreas: weil man ursprünglich vielleicht auch mal daran gedacht hat,
Andreas: dass es eine psychische Komponente bei mir hat.
Andreas: Hat sich aber herausgestellt, dass dem nicht so ist,
Andreas: dass es ein rein medizinisches Problem bei mir war oder ist letztendlich und
Andreas: ja, ich war in der Physiotherapie, da hat man natürlich so ein bisschen Kältetherapie gemacht,
Andreas: das ist mit so Eiswürfelchen und so, das ist auch das Wirkungsvollste letztendlich,
Andreas: wenn es so richtig hart wird.
Andreas: Ich habe zu Hause auch geschlafen mit Eiswürfeln beziehungsweise mit Kühlpacks auf der Stirn.
Andreas: Es ist bloß ein bisschen schwierig mit solchen Kühlpacks durch die Gegend zu laufen.
Andreas: Ja, weil man da kann sich das zwar die ganze Zeit vor den Kopf halten,
Andreas: aber das ist auch ein bisschen, aber zum Schlafen das half ganz gut,
Andreas: wenn ich da ein bisschen...
Marco: Und gab es so Entspannungstechniken, die du gelernt hast oder ist da mal in
Marco: diesem Bereich was gemacht worden?
Andreas: Ja, also das in der Reha nachher ist was Entspannungsmäßiges gelaufen. Hat das dir geholfen?
Andreas: Es hat mich ein bisschen ruhiger gemacht, aber ansonsten nö.
Marco: Nicht so. Nicht so. Alles klar,
Marco: aber wichtig ist ja, dass man diese Sachen auch probiert und anbietet.
Andreas: Es ist alles ausprobiert worden. Ich bin auch selber aus eigener Initiative
Andreas: zu einer Heilpraktikerin gegangen.
Andreas: die haben dann auch diverse Übungen gemacht beziehungsweise Gespräche geführt
Andreas: oder auch Akupunktur hat auch nichts geholfen aber ich habe alles gemacht was
Andreas: man nur machen kann wobei
Marco: Wir dann hier und da mal sehen dass das auch was bringen kann also finde ich
Marco: ja mit Akupunktur gar nicht so weit hergeholt.
Andreas: Nee deswegen ich habe ja alles nie was abgelehnt sondern wir probieren es einfach
Andreas: und dann hofft man ich glaube
Marco: Man hat in der Situation mit diesen Schmerzattacken, ist man da auch,
Marco: wenn ich das jetzt mal so offen sagen kann, relativ willenlos, oder?
Andreas: Ja, man ist enttäuscht in irgendeiner Form, wenn es nicht besser wird.
Andreas: Und das macht einen Mürbe. Das macht einen total Mürbe, dass man da jetzt nicht
Andreas: sagt, das will ich nicht, das will ich nicht. Ich habe alles angenommen.
Marco: Hast du Angst vor den Schmerzattacken gehabt oder sogar nachts ins Bett zu gehen,
Marco: weil vielleicht dann die Schmerzen kommen? Gab es sowas?
Andreas: Nee, ich hatte keine Angst, weil ich wusste, die kommen.
Marco: Oh, okay. Du warst schon einen Schritt weiter.
Andreas: Naja, ich wusste, dass es ja nicht morgens früh vorbei ist und von daher habe
Andreas: ich jetzt keine Angst gehabt und gesagt, ich gehe jetzt nicht ins Bett,
Andreas: sondern ich habe das auf mich zukommen lassen.
Marco: Wie sah das mit Nebenwirkungen aus? Du hast es eben schon mal erwähnt,
Marco: du hast auf das Amitriptylin allergisch reagiert, dann musste es abgesetzt werden,
Marco: das habe ich noch im Hinterkopf.
Marco: Aber gab es sonst so Nebenwirkungen, Gangunsicherheit hattest du gesagt im Zusammenhang mit dem Tappenadol?
Andreas: Ja, das kann man wohl sagen. Mein Bruder hat mir eine Salbe verschrieben gegen Juckreiz.
Andreas: Auf die habe ich aber dann auch allergisch reagiert.
Andreas: Und es gibt da auch so ein Anesthesulf-Medikament. Das kann man sich in einer
Andreas: Apotheke für teures Geld kaufen, was auch gegen Juckreiz sein soll.
Andreas: Hat alles nichts gewirkt. Also auch der Juckreiz ist ja heute noch da extremst
Andreas: und es gibt nichts, was man da einsetzen kann, was bei mir zumindest funktioniert.
Marco: Bist du natürlich mit Nebenwirkungen durch die Therapie, das habe ich schon
Marco: gehört, das gab es, aber hauptsächlich hast du eigentlich damit gekämpft,
Marco: dass häufig die therapeutischen Anwendungen eher nicht geholfen haben.
Andreas: Richtig, ganz genau.
Andreas: Und das ist ja auch so, dass diese ganzen Medikamente ja nicht ganz ohne sind.
Andreas: Die machen ja schon eine Veränderung in deinem eigenen Körper,
Andreas: was natürlich auch die Laborwerte angeht.
Andreas: Ist aber zum Glück jetzt alles soweit wieder in Ordnung, zumindest auf dem Weg
Andreas: der Besserung. Von daher bin ich.
Marco: Das hört sich ja gut an. Was mich nochmal interessieren würde,
Marco: du hast ja mit verschiedenen Ärzten und verschiedenen Fachrichtungen zusammengearbeitet,
Marco: einfach weil es auch eine komplexe Erkrankung ist.
Marco: Wie war denn da die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ärzten?
Marco: Hat der eine das gesagt, der andere das? Wie war da so die Kommunikation, die Zusammenarbeit?
Andreas: Nein, das fand ich immer sehr, sehr interessant, weil alle wollten wissen,
Andreas: wie es mir geht, wie ich reagiere, wie mir das Medikament bekommen ist,
Andreas: weil sie selber Erfahrung haben wollten durch Patienteninformationen, weil sie davon lernen.
Andreas: Und deswegen war auch jeder immer begeistert, wenn ich von dem einen dem anderen
Andreas: was erzählt habe, weil er damit auch weiterarbeiten konnte, sagt gute Information,
Andreas: das ist eine reine Information gewesen, was bei mir eben funktioniert oder nicht funktioniert hat.
Andreas: Aber da sind sie sehr dankbar und haben nicht einfach gesagt,
Andreas: damit kenne ich mich nicht aus, damit will ich nichts zu tun haben,
Andreas: sondern die waren sehr aufgeschlossen alle und haben mir auch immer sehr zugehört,
Andreas: weil sie sich damit beschäftigt haben.
Andreas: Es ist so irgendwie so eine Grauzone, man weiß nicht, wie kann man das am besten
Andreas: behandeln, es gibt viele Wege, aber…
Andreas: Es gibt nicht das Nonplusultra.
Marco: Ja, und es gibt nicht die eine Tablette, die alles regelt. Richtig.
Marco: Wie geht es dir denn heute? Das ist doch die viel wichtigere Frage.
Marco: Jetzt hast du, aber das kannst du ja seit August 23, hast du ja die Probleme.
Marco: Und wie geht es dir heute?
Andreas: Mir geht es heute, außer dass ich diese Neuralgie immer noch habe und ich wahrscheinlich
Andreas: die nächsten Jahre, weiß ich nicht, das auch weiterhin mit mir rumtragen muss,
Andreas: vielleicht ein bisschen Linderung bekomme durch
Andreas: Übungen und Anwendungen.
Andreas: Mir geht es natürlich nicht sehr gut, aber mir geht es sehr viel besser,
Andreas: weil ich schmerzfrei bin.
Marco: Ah, okay, das ist eine wichtige Information. Du hast keine Schmerzen, aber du hast noch.
Andreas: Seit Anfang des Jahres, Februar meine ich, bin ich schmerzfrei.
Andreas: Mussten dann das Medikament noch so ein bisschen ausschleichen lassen und dann
Andreas: bin ich auch mit Schmerzfreiheit im Anfang Mai zur Reha gegangen.
Marco: Das ist ja großartig. Also nochmal zusammengefasst. Du hast also…,
Marco: August 23 hast du deine Herpes Zoster im Gesicht entwickelt und hast seit letztendlich 21 Monate später,
Marco: bist du schmerzfrei ohne Schmerzmedikamente,
Marco: hast aber noch so Rest Neuralgien.
Andreas: Die Neuralgien, die Missempfindungen, das heißt den Juckreiz,
Andreas: den habe ich immer noch, dann das Brennen, das Stechen, das Pieken,
Andreas: wo man sagen kann, das Stechen und Pieken, das könnte auch in einen gewissen
Andreas: Schmerz übergehen, das ist aber kein Schmerz in dem Sinne, sondern das ist mehr
Andreas: wie so ein negativer Reiz.
Marco: Aber unangenehme Sensationen.
Andreas: Genau, wie so ein Pieken, das hat man ja immer mal und wenn man die Haut bewegt
Andreas: und Wasserfeuchtigkeit ist immer noch sehr empfindlich,
Andreas: Sonne, Wärme ist immer noch nicht erträglich, aber man kommt damit so einigermaßen zurecht.
Marco: Das sind dann auch deine Strategien, um damit umzugehen.
Andreas: Das sind meine Strategien, dass ich jetzt auch wieder ins Berufsleben eingetreten bin,
Andreas: meiner Tätigkeit als OP-Pfleger weiterhin jetzt nachkomme und habe natürlich
Andreas: ein Problem mit einer OP-Haube im sterilen Bereich, muss man sowas jetzt tragen.
Andreas: Es ist ein bisschen unangenehm, aber das lenkt einen auch wieder ein bisschen ab, von
Andreas: Man gewöhnt sich dann irgendwie doch daran.
Marco: Aber das sind ja gute Nachrichten, muss man sagen. Das wäre natürlich schön,
Marco: wenn du die Sensation nicht mehr hättest, aber das ist ja schon deutlich besser
Marco: als noch letztes Jahr, muss man sagen.
Andreas: Ja, auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Da kann ich zu hundertprozentig.
Marco: Sag mal, als du den Herpes-Zoster entwickelt hast im Gesicht,
Marco: wurdest du auch darüber aufgeklärt oder war dir bewusst, dass da theoretisch
Marco: auch so eine Post-Zoster-Neurologie bleiben kann oder sich entwickeln kann?
Marco: Wusstest du das oder bist du davon überrannt worden?
Andreas: Ja, also ich wusste es von Anfang an nicht, weil man auch der Meinung war oder
Andreas: ist, dass solch eine Erkrankung eben nach sechs bis acht Wochen überwunden ist.
Andreas: Bloß als man nach acht Wochen, zehn Wochen sich das nicht geändert hat,
Andreas: da begann ich langsam an zu zweifeln oder mit mir zu grübeln,
Andreas: was passiert bei mir, inwieweit.
Andreas: Und meine Schmerztherapeutin, da habe ich mal die Schwestern gefragt,
Andreas: ob sie so einen Fall schon mal gehabt haben.
Andreas: Und da haben sie gesagt, ja, sie hatten schon mal so einen Fall an der Patientin.
Andreas: Und da habe ich gefragt, ja, und es ist bei dieser Patientin weggegangen?
Andreas: Und dann, ja, aber nie ganz. Es ist bei dieser Patientin nie ganz weggegangen.
Andreas: Und da habe ich natürlich mit mir überhadert und gesagt, das kann bei mir auch
Andreas: passieren, dass das immer noch irgendwie eine Neuralgie ist,
Andreas: aber wie gesagt erträglich, weil schmerzfrei.
Marco: Jetzt so retrospektiv, nochmal zurückgedacht im Jahr 23, da die ersten,
Marco: sage ich mal, die ersten 20 Wochen.
Marco: Würdest du dir jetzt was anders machen oder würdest du dir etwas anders wünschen
Marco: von den behandelten Ärzten jetzt so im Nachhinein?
Andreas: Nein, jetzt im Nachhinein, was ich weiß,
Andreas: ich würde mich auf jeden Fall sofort impfen lassen, weil ich hatte ja meine
Andreas: Windpocken, das ist ja dann alle bekannt, das heißt, ich habe den Virus ja in mir.
Andreas: und dadurch, dass ich das jetzt weiß, kann ich nur jedem empfehlen,
Andreas: sich gegen den Zoster impfen zu lassen und ansonsten ja,
Andreas: sofort versuchen, sobald das bekannt ist und vielleicht nicht ganz abzusehen
Andreas: ist, wie lange das dauert,
Andreas: versuchen sofort einen Platz in einer Schmerzklinik zu bekommen.
Andreas: In einem Schmerzzentrum, die sich professionell mit so etwas auskennen,
Andreas: damit man rechtzeitig mit den richtigen Medikationen anfängt und schaut.
Marco: Wann würdest du das setzen? Du hast ja schon mal gesagt,
Marco: du hast erwartet, dass nach acht Wochen das abheilt, aber es hat bei dir dann
Marco: doch noch weitere zehn Wochen gedauert, bis du dann doch aktiver geworden bist.
Marco: Würdest du das heutzutage jetzt auch anders machen?
Andreas: Ja, ich würde natürlich mit dem Wissen, was ich heute habe,
Andreas: also mit dem Wissen, was ich jetzt habe, würde ich wahrscheinlich schon nach
Andreas: zwei Wochen oder drei Wochen, noch während ich den Infekt habe,
Andreas: mich umschauen, falls es doch länger dauern sollte, dass man sich da rechtzeitig
Andreas: drauf vorbereitet. Ja, das würde ich auf jeden Fall machen.
Andreas: Aber dieses Wissen, das sind ja alles Erfahrungswerte, die man sammelt und es
Andreas: wirkt ja bei jedem anders.
Andreas: Das sagt auch jeder Arzt gesagt, was bei mir wirkt oder nicht wirkt,
Andreas: wirkt bei anderen und umgekehrt.
Andreas: Also es ist wirklich leider Gottes immer noch ein Ausprobieren der einzelnen
Andreas: Medikationen oder Behandlungsarten und der Verlauf ist bei jedem auch mit Sicherheit
Andreas: in irgendeiner Form doch immer anders.
Marco: Ja Mensch, Andreas, vielen, vielen lieben Dank.
Andreas: Gerne.
Marco: Für deine Zeit. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und das sind Informationen,
Marco: glaube ich, an die man so schnell nicht rankommt, außer bei jemandem,
Marco: der es dann leider live erlebt hat.
Andreas: Jederzeit bin ich über Auskünfte gern bereit und kann mich mit Leuten darunter halten.
Marco: Ja, super. Ich danke dir vielmals. Bitte. Danke dir. Tschüss.
Andreas: Tschüss.
Musik: Das dritte Schlüsselwort. Neuralgie.
Jan-Peer: Also das war ja ein ganz schön langer weg den er hinter sich gebracht hat wahnsinn
Marco: Wie schnell die monate dahin fließen muss man ja sagen der arme kerl ja.
Jan-Peer: Wirklich also gott sei dank erstmal von unserer seite gut dass er dann letztendlich
Jan-Peer: auf den vierten fünften sechsten therapie versuch und ansatz dann angesprochen hat
Jan-Peer: Aber letztlich ist ja die Erkrankung ja nicht vollständig losgeworden.
Jan-Peer: Ist zwar gebessert, aber nicht mehr.
Marco: Nee, leider nicht. Aber letztendlich ist er ja jetzt in einem Niveau,
Marco: wo er wieder mehr am Leben teilnehmen kann.
Jan-Peer: Ja, Gott sei Dank.
Marco: Genau. Gut, also Wiedereingliederung. Das ist also letztendlich großartig,
Marco: dass das funktioniert halt.
Jan-Peer: Aber was lernen wir draus? Was würden wir besser machen wollen,
Jan-Peer: wenn wir es jetzt könnten?
Marco: Tja, was lernen wir draus? Also ich finde, die medikamentöse Therapie hat er
Marco: ja erhalten, das hat gut funktioniert, das hat gut abgeheilt die Effloreszenzen
Marco: im Gesicht, das ist ja nicht das, was er für Probleme hatte.
Marco: Ja, okay, es sind diese bestehenden Neuralgien im Gesicht und da will sie ja
Marco: wirklich kein Mensch haben, die sind bestehen geblieben und waren auch vier
Marco: Wochen nach Abheilung noch da,
Marco: sind dann danach den Zeit immer noch geblieben und er gehörte dann leider zu diesen 10%.
Marco: die nach einem Monat und auch nach einem Jahr immer noch Neuralgien haben.
Marco: Leider gehört er dazu. Das ist nicht so gut. Und das ist, glaube ich, auch mein...
Marco: Man soll ja konstruktiv sein, das ist auch mein konstruktiver Kritikpunkt.
Marco: Ich habe das Gefühl, dass er so ein bisschen alleine gelassen wurde.
Jan-Peer: Ja, habe ich auch so rausgehört, dass er sich dem Risiko gar nicht so bewusst gewesen ist.
Marco: Ja, und er glaube ich, strukturell und emotional hat er irgendwie keinen Plan B.
Marco: Ich finde, die Zeit, wo er sich dann entschieden hat, so jetzt muss ich doch
Marco: nochmal tätig werden, nochmal mehr, ich muss mir nochmal Infos holen,
Marco: ich muss vielleicht nochmal meine Ärzte ein bisschen mehr drängen,
Marco: dass jetzt nochmal ein bisschen was gemacht wird,
Marco: ich finde der Zeitpunkt, der war ganz schön lang.
Jan-Peer: Das stimmt, also bis zur weiteren Therapie fände ich auch lang,
Jan-Peer: dann war er natürlich aber auf der anderen Seite auch ein vorbildlicher Patient,
Jan-Peer: der sich auf alles eingelassen hat und das hast du ja auch nicht immer.
Marco: Ja stimmt, er war allem gegenüber offen, hat er ja ganz klar formuliert,
Marco: aber ich glaube auch, wenn du so lange Zeit solche Schmerzen hast,
Marco: auch mit diesen einschießenden Komponenten,
Marco: ich glaube, du wirst bin los. Mach irgendwas. Versprech mir den Mond,
Marco: ich hole die Leiter. Ich mache alles, was du sagst.
Jan-Peer: Du sagtest es ja auch, als wir uns vorher besprochen haben, interessant,
Jan-Peer: was dann letztendlich geholfen hat.
Marco: Ja, ich fand das erstaunt, dass er mit Tapindadol so einen guten therapeutischen
Marco: Ersatz Therapieerfolg hatte.
Marco: Was meines Wissens in der aktuellen Leitlinie gar nicht benannt ist.
Marco: Aber ich finde ja, den Wirkmechanismus finde ich ja auch interessant,
Marco: besonders bei so einem neuropathischen Ansatz, durch die Doppelwirkung auch
Marco: mit den NA-Rezeptoren und MY-Rezeptoren, finde ich das ist gut.
Marco: Und es hat ja geholfen, also wer heilt, hat recht.
Jan-Peer: Wir hatten ja vorhin schon gesagt, die Leitlinie ist ja jetzt schon ein bisschen
Jan-Peer: in die Jahre gekommen und sie soll ja auch überarbeitet werden.
Jan-Peer: Vielen Dank schon mal an die Kollegen, die sich diesem Thema dann annehmen.
Jan-Peer: Was würdest du dir denn wünschen, wenn wir jetzt an der Leitlinie mitschreiben würden?
Jan-Peer: Wo sollte man vielleicht, was könnte denn Neues kommen? Oder was wäre denn vielleicht
Jan-Peer: noch mal so eine, wo sollte man vielleicht noch ein bisschen verstärkt drauf?
Marco: Erstens würde ich mir wünschen, dass mich keiner anruft, ob ich mithelfen kann.
Marco: Das würde mein Zeitmanagement versprengen. Ich habe die Zeit gar nicht dafür.
Marco: Aber was würde ich mir, ich glaube, ist die ...
Marco: Und Indikationsgruppen, dass man die vielleicht ein bisschen enger fasst,
Marco: dass man vielleicht guckt,
Marco: sind denn wirklich nur die Patienten über 60, über 50 oder jetzt auf internationaler
Marco: Ebene über 65, wo ist da der Cut-off?
Marco: Dass man den knallhart und klar definiert, diese Patienten, vielleicht auch
Marco: noch mit einer Bedingung, aber dass es nicht zu kompliziert wird,
Marco: sondern einfach und dass wir die Leute nicht übersehen.
Jan-Peer: Du meinst vor allen Dingen für die Therapiesteuerung oder für die Impfung?
Marco: Beides. Für beides. Beides. Also führend sicherlich auch die Impfung,
Marco: das wäre bei mir an erster Stelle, damit wir gar nicht erst in die Bedrohung kommen,
Marco: dass man da ein höheres Augenmerk, vielleicht auch mal auf Bundesebene eine Werbekampagne dafür.
Marco: Wir haben ja einen riesen finanziellen Topf für Prävention im Bund,
Marco: dass man da mal ein bisschen Gelder klar macht.
Jan-Peer: Wir haben für alles mögliche große Töpfe, aber das machen wir nicht.
Marco: Ja, okay, ja, ist klar. Aber das wäre vielleicht was, was ich mir vorstellen könnte.
Marco: Ja, das wäre, glaube ich, ein großer Bereich und vielleicht auch Risikofaktoren,
Marco: dass man die klar definiert.
Marco: Also, wie kann ich so eine, einfach so ein Schema für so eine Risikostratifizierung.
Marco: Das wäre vielleicht was.
Jan-Peer: Ja, klarer Algorithmus noch mehr, ne?
Marco: Ja, sowas zum Beispiel, genau.
Jan-Peer: Amerikanische Algorithmus. Ich finde Algorithmen, ich finde das ja immer sehr
Jan-Peer: gut und da würde ich mir wünschen, dass man da noch mehr Wert auf diese frühe
Jan-Peer: Therapiestart legt und auch diesen frühen Therapiebeginn für alles im Prinzip.
Marco: Achso, hast du das Gefühl, dass diese 72 Stunden vielleicht noch ein bisschen
Marco: zu weit sind, dass man mehr so…,
Marco: Basierend auf Golden Hour, dass man sagt, ich hätte gerne so einen Golden Day oder so?
Jan-Peer: Ja, das könnte ich mir gut vorstellen, weil wie schnell wird aus einem Tag denn auch drei?
Jan-Peer: Also das ein bisschen enger zu ziehen, vielleicht kommt dann sozusagen der realen
Jan-Peer: Welt und dem realen Therapiebeginn innerhalb von 72 Stunden.
Marco: Das ist vielleicht kein so schlechter Ansatz, dass man sagt,
Marco: ich mache einfach mehr Druck, um dann sie wenigstens spätestens am zweiten Tag
Marco: zu sehen, weil eben klar ist, eigentlich sollte es am ersten Tag sein.
Marco: Ja, vielleicht ist es, ja.
Jan-Peer: Also es wird natürlich immer schwierig, weil die Patienten auch tatsächlich
Jan-Peer: erstmal die Hilfe dann suchen müssen.
Jan-Peer: Aber wenn ich die dann sehe, dann auch go for it.
Marco: Ja, ich glaube, mir ist nochmal wichtig, dass vielleicht nochmal gehighlighted wird.
Marco: Was ist IV, was ist Oral? bitte oral fünfmal am Tag IV dreimal am Tag dass es
Marco: nochmal irgendwie gehighlighted wird, dass es irgendwie scheint es da noch Verwechslungspotenzial zu geben,
Marco: das wäre vielleicht nochmal was, aber ja, das ist dann was Stilistisches das
Marco: steht ja so schon in der Leitlinie, aber dass man da vielleicht da nochmal ein bisschen,
Marco: das highlightet ja.
Jan-Peer: Das kann ich mir gut vorstellen
Marco: Ja, was noch?
Marco: Ja, vielleicht den Stellenwert, vielleicht ein strukturiertes Stufenschema,
Marco: dass man das für die Schmerztherapie nochmal macht.
Marco: Also wir haben da ja schon was, aber vielleicht gibt es da neue Erkenntnisse,
Marco: dass man die vielleicht dann auch nochmal mit einarbeitet.
Marco: Aber ja gut, da muss man natürlich sehen, die Leitlinienkommission wird ja die
Marco: aktuelle Literatur sichten und vielleicht gibt es da ja was Neues.
Jan-Peer: Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.
Marco: Auf alle Fälle. Ja, sehr schön, Herr Per. Hat mir gut gefallen.
Marco: Haben wir irgendwas vergessen?
Jan-Peer: Nee, ich finde, weißt du, was ich ganz schön finde? Es ist zwar eine häufige
Jan-Peer: Erkrankung, aber es ist eine Erkrankung,
Jan-Peer: wo man zumindest eine ganze Menge therapeutische Möglichkeiten hat.
Marco: Ja, auf alle Fälle.
Jan-Peer: Das ist irgendwie sehr dankbar und da bin ich auch mal froh drum.
Marco: Ja, es ist nichts Unheilbares sozusagen. Es gibt immer wieder Ausreißer,
Marco: Andreas gehört sicherlich dazu, der hat ein bisschen Pech gehabt,
Marco: aber er hat ja jetzt auch so ein bisschen den Weg nach vorne,
Marco: er hat wieder eine Prognose, er hat wieder ein Ziel vor Augen und das ist natürlich auch super.
Jan-Peer: Ja, das stimmt. Und in dem Sinne wünschen wir alles, alles Gute und an unsere
Jan-Peer: werte Hörerschaft, wenn ihr Anregungen, Kritik, Wünsche habt,
Jan-Peer: dann schreibt uns, nehmt gern Kontakt mit uns auf.
Jan-Peer: Wir freuen uns über alle Meldungen, die wir von euch erhalten.
Marco: Ja, dann bleibt es uns eigentlich nur schöne Festtage zu wünschen.
Jan-Peer: Und einen guten Jahreswechsel.
Marco: Einen guten Jahreswechsel. Wir freuen uns auf 2026 auf euch und
Jan-Peer: bis dahin,
Marco: bleibt gesund.
Musik: Bleibt neugierig.
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