Schmerz im Alter neu denken – Die S3-Leitlinie GeriPAIN
Shownotes
Gastgeber*innen & Gäste
Dr. med. Marco Wintruff
Dr. med. Jan-Peer Rogmann
Gäste
Corinna Drebenstedt
Melina Hendlmeier
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Literatur und kurze Zusammenfassungen
(1) S3-Leitlinie Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/145-005
Zusammenfassung: Die S3-Leitlinie GeriPAIN gibt evidenzbasierte Empfehlungen zum Schmerzmanagement bei älteren Menschen in allen Versorgungssettings. Sie betont, dass Schmerzen im Alter häufig untererkannt und unzureichend behandelt werden, insbesondere bei kognitiven Einschränkungen. Zentral sind eine regelmäßige, strukturierte Schmerzerfassung sowie die Nutzung geeigneter Instrumente auch für Menschen mit Demenz. Die Therapie soll multimodal erfolgen und pharmakologische sowie nicht-pharmakologische Maßnahmen kombinieren. Bei der medikamentösen Behandlung wird ein vorsichtiges Vorgehen mit individueller Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen. Nicht-medikamentöse Verfahren wie Bewegung, Physio- und Psychotherapie haben einen hohen Stellenwert. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Einbezug von Angehörigen werden ausdrücklich empfohlen. Ziel ist eine Verbesserung von Lebensqualität, Funktionalität und Teilhabe älterer Schmerzpatient:innen.
Die Zusammenfassungen wurden mit der Unterstützung von ChatGPT erstellt.
Hardware
MacBook Air, M2 (2022), Apple Inc., One Apple Park Way, Cupertino, Kalifornien, USA
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Musik und Gestaltung
GarageBand, Version 10.4.10, Soundmediathek 1178, Titelmusik: „Collins Avenue Long“
Podcast-Logo: Privatbilder mit modifiziertem Hintergrundbild nach „matrix_plot.png“ von https://www.r-bloggers.com; „Matrix-style screensaver in R“, Layout via Microsoft®️PowerPoint for Mac, Version 16.80 (23121017)
Podcast Begrüßung, Verabschiedung und Ansagen: Text-To-Speech via https://elevenlabs.io/text-to-speech (Freya)
Audioüberarbeitung
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Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch können die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
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Transkript anzeigen
Speaker2: Moin Moin zu der Schmerzcode. Der Podcast, in dem Jan-Per und Marco wichtige
Speaker2: Themen zum Mysterium Schmerz einfach und praktisch aufschlüsseln wollen.
Speaker2: Hallo Jan-Pierre, herzlich willkommen zum 19. Podcast von Der Schmerzkot.
Speaker0: Hallo Markus, schön immer wieder mit dir, in diesem Fall mal nicht face-to-face
Speaker0: zu sitzen, aber mit dir zusammen zu kommen. Großartig.
Speaker2: Ja, ich bin nur noch gerade eben frisch angekommen in Österreich. Ja, genau.
Speaker0: Und was machst du da? Urlaub?
Speaker2: Ja, das wäre schön.
Speaker0: Das ist eine rhetorische Frage.
Speaker2: Morgen beginnt das AINZ-Symposium in St. Anton in Österreich.
Speaker2: Da freue ich mich auch drauf. Morgen geht es dann los. Morgen ist eine Kongresseröffnung.
Speaker2: Das ist dann immer sehr viel, muss ich sagen.
Speaker2: Ausschlafen ist nicht immer früh aufstehen. Geht immer bis in den frühen Abend.
Speaker2: Das ist dann immer ein bisschen anstrengend.
Speaker2: Aber gut, es ist auch natürlich immer ein bisschen Eustress ist auch immer dabei.
Speaker0: Ich wollte gerade sagen, es hat ja den Nimbus, dass es nicht nur reine Veranstaltungen
Speaker0: sind, die die Zeit treffen.
Speaker2: Ja, genau. Das hörst du ja reihenweise. Ja, da fährst du nach Österreich,
Speaker2: da bist du die ganze Zeit nur am Skifahren.
Speaker2: Das ist ja eine tolle Fortbildung hier.
Speaker2: So wie du eine Fortbildung machst, mache ich Urlaub. Klar, höre ich auch immer.
Speaker0: Das wollte ich jetzt nicht so sagen. Eigentlich wollte ich so sagen, ja.
Speaker2: Aber wenn ich ganz ehrlich bin, sieht das so aus, dass du halt,
Speaker2: ich kann es ja mal kurz skizzieren, du fängst halt neun Uhr an bis bestimmt
Speaker2: zwölf, hast du da deine zwei Sessions.
Speaker2: Dann geht es in Workshops, ein bisschen Mittagspause haben die dann Workshops
Speaker2: bis 16 Uhr und ab 16 Uhr geht die Abendvorstellung los, die Spätsession und
Speaker2: die geht dann bis mindestens 18, 19 Uhr,
Speaker2: sodass du natürlich, wenn du keine Workshops hast, hast du halt natürlich Freiraum von 1 bis 16 Uhr.
Speaker2: Da kannst du natürlich eine Freizeitgestaltung machen, wie auch immer du das dann machen willst.
Speaker2: Aber ich würde sagen, so viel ist das dann auch nicht.
Speaker2: Und dadurch, dass du die
Speaker2: Spätsession noch hast.
Speaker0: Man hört schon norddeutsche Anwälte.
Speaker2: Dann finde ich, ist das so, nach einer Woche, da weißt du mal, was man getan hat.
Speaker0: Ja, das ist wohl wahr. Ja, ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß.
Speaker0: Ich weiß ja, dass du ein regelmäßiger Teilnehmer dieser Fortbildung bist.
Speaker0: Und ich bin mal gespannt, was du da an Input auch mitbringst.
Speaker2: Soll ich schon mal teasern für nächsten Monat?
Speaker0: Mach das doch mal.
Speaker2: Ja, letztes Jahr habe ich ja schon mal ein, finde ich, sehr interessantes und
Speaker2: außergewöhnliches Interview mit Winfried Meisner gemacht.
Speaker2: Und mit dem habe ich mich auch schon verabredet. Ich werde mich jetzt,
Speaker2: ich weiß noch nicht genau, an welchem Tag wir uns treffen, aber ich werde diesen
Speaker2: Kongress auch nutzen, um nochmal ein Interview mit Winfried Meisner zu machen
Speaker2: und nochmal ein paar interessante Aspekte aufzugreifen.
Speaker2: Da bin ich auch gespannt, was er so mitzuteilen hat.
Speaker2: Du, vielleicht gibt es ja auch neue Erkenntnisse aus dem Quips-Register.
Speaker2: Mal gucken. Jetzt habe ich da so einen professionellen Interviewpartner.
Speaker2: Da will ich natürlich versuchen, alles rauszukitzeln, was es an Informationen gibt.
Speaker0: Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was du dieses Jahr mitbringst.
Speaker2: Ja, sehr schön.
Speaker0: Was machen wir denn heute?
Speaker2: Ja, ich habe dir heute was ganz Tolles mitgebracht und zwar wollen wir beide
Speaker2: uns heute über die noch relativ neue Gary Payne S3 Leitlinie unterhalten.
Speaker2: Die ist gerade mal jetzt ein knappes halbes Jahr, ein bisschen länger jetzt, die ist im...
Speaker2: Oh, jetzt müssen wir gucken, ob ich da sattelfest bin. Ich meine,
Speaker2: im Juni 2025 ist sie rausgekommen.
Speaker0: Ich bin auch nicht ganz sattelfest. Ich weiß, dass sie bis Februar 2030 ist sie gültig.
Speaker2: Okay, na gut. Also sie ist nicht sehr viel älter.
Speaker2: Das ist also eine relativ neue Leitlinie.
Speaker0: Ja, das stimmt. Vielleicht kann ich den Staffelstab ja auch mal aufgreifen.
Speaker0: Wir haben jetzt ja auch schon in der letzten Folge über die Post-Sosta-Neurologie
Speaker0: auch eine Leitlinie vorgestellt.
Speaker0: Vielleicht lohnt es mal einmal auch einen Blick auf die Leitlinienstruktur,
Speaker0: in der wir uns bewegen, einmal vielleicht zu nehmen.
Speaker2: Ja, sehr schön. Wir haben ja auch für uns beide festgelegt, dass wir uns da
Speaker2: ja auch gerne noch ein bisschen intensiver engagieren wollen,
Speaker2: wenn es um Leitlinien und besonders auch um aktuelle Leitlinien geht.
Speaker2: Dann, ja, ich begrüße das. Ja, leg mal los, Jan-Pier.
Speaker0: Ja, also natürlich unsere große Plattform, auf der wir das alles einsehen können,
Speaker0: das ist natürlich AWMF Online,
Speaker0: wo alle Fachgesellschaften in Deutschland jeweils ihre spezifischen Leitlinien
Speaker0: für ihre persönlichen Lieblingserkrankungen und Probleme dann publik stellen.
Speaker0: Und wenn du da mal suchst, hinsichtlich in was Schmerz ist ja ein Symptom,
Speaker0: das in ganz, ganz vielen Leitlinien vorkommt, aber was gibt es denn da für speziellere
Speaker0: Leitlinien hinsichtlich Erkrankungen, die besonders schmerzhaft sind oder Schmerzen
Speaker0: als Begleitsymptom haben?
Speaker0: Also es gibt unheimlich viele Leitlinien und wenn man das ein bisschen systematisch
Speaker0: dann aufdröseln möchte, dann gibt es einerseits Leitlinien, die verschiedene
Speaker0: Schmerzarten beleuchten und dort Empfehlungen geben.
Speaker0: Also das sind dann S3-Leitlinien zum Beispiel Behandlung akuter postoperativer
Speaker0: und posttraumatischer Schmerz.
Speaker0: Dann gibt es Therapie von neuropathischen Schmerzen.
Speaker0: Dann gibt es die Therapie von chronischen Schmerzen, die nicht tumorbedingt sind. ähm.
Speaker0: Also diese Schmerzarten, da gibt es dann für Empfehlungen.
Speaker0: Dann gibt es als zweite Dimension, wie man es sortieren kann,
Speaker0: das, was wir auch dieses Mal besprechen, das heißt entlang des Alters.
Speaker0: Die normalen, also die klassischen großen Leitlinien, die ich auch eben erwähnte,
Speaker0: die sind natürlich für in der Regel Erwachsene, Patientinnen und Patienten gedacht.
Speaker0: Aber es gibt genauso auch Leitlinien für Kinder, also von 0 bis 19 Jahren zum Beispiel.
Speaker0: Das ist dann Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter, Muskulose-Ketalerschmerz,
Speaker0: Thoraxschmerzen im Kinder- und Jugendalter.
Speaker0: Das gibt es und genauso gibt es auch eine Leitlinie dann jetzt,
Speaker0: worüber wir sprechen werden, für Schmerztherapie im Alter, um auf die besondere
Speaker0: Patientengruppe der älteren Mitmenschen dort Rücksicht zu nehmen.
Speaker0: Und als weitere Dimension, wenn man es noch eingrenzen will,
Speaker0: dann gibt es natürlich ganz, ganz viele Leitlinien für spezifische Erkrankungen.
Speaker0: Post-Zoster-Neurologie hatten wir ja schon mal besprochen, aber es gibt da einen
Speaker0: ganz, ganz bunten Strauß aus jeder einzelnen Fachgesellschaft.
Speaker0: Sei es Fibromyalgie-Syndrom, sei es die Trigerminus-Neurologie,
Speaker0: sei es der Kopfschmerz vom Spannungstyp,
Speaker0: sei es die nicht spezifischen Nackenschmerzen, Sei es die Kopfschmerzen beim
Speaker0: Übergebrauch von Schmerzmitteln.
Speaker0: Zoster hatte ich schon gesagt, der unspezifische Rückenschmerz.
Speaker0: Also jede einzelne Erkrankung, die mit Schmerzen verbunden sind,
Speaker0: hat auch in der Regel eine eigene Leitlinie.
Speaker0: Und man als vielleicht vierte und letzte Dimension, es gibt auch spezielle Leitdieningsempfehlungen
Speaker0: für bestimmte Therapien.
Speaker0: Also Opiate, hatten wir ja schon mal gesagt, also Langzeitanwendung von Opiaten.
Speaker0: Wie soll man das machen? Aber auch spezifischere Sachen, zum Beispiel,
Speaker0: wie soll man eine epidurale Rückenmarkstimulation bei chronischen Schmerzen machen?
Speaker0: Oder wie soll man eine Radiofrequenzablation zur Deinervation von Facettengelenken bei des ISGs machen?
Speaker0: Also es gibt auch noch diese Dimension für einzelne Therapiearten.
Speaker0: Es ist eine große Landschaft, in der wir uns bewegen und das ist ja nur allein
Speaker0: auf der deutschen Ebene.
Speaker0: Darüber müssen wir immer nochmal gucken, gibt es auch europäische Fachgesellschaften,
Speaker0: also für Akutmedizin oder für Schmerztherapie auf europäischer Ebene,
Speaker0: die auch nochmal supranationale Leitlinien davor geben.
Speaker0: Die sind nicht mehr ganz so umfangreich, aber da gibt es auch wieder Empfehlungen
Speaker0: für Therapie mit Opiaten, für spezifische Schmerzsyndrome etc.
Speaker0: Und ganz darüber wissen wir ja alle, gibt es ja auch noch die Empfehlung der
Speaker0: Weltgesundheitsorganisation mit den klassischen Empfehlungen,
Speaker0: wie baust du eine Schmerztherapie auf, die wir ja nun alle kennen im dreistufigen
Speaker0: Modell, was wir in der täglichen Arbeit dann auch haben.
Speaker0: Also es ist eine große, es ist wirklich eine sehr, sehr große Bandbreite und
Speaker0: ich war selber überrascht, als ich es mal nachgeguckt habe mit dem Stichwort
Speaker0: Schmerz, wo man dort in welcher Leitlinie man da findig wird und welche speziell
Speaker0: auf Schmerztherapie dann abstellen.
Speaker0: Daher finde ich es aber auch richtig, also ich finde es richtig,
Speaker0: wir hatten bisher keine richtige Leitlinie für ältere Patienten,
Speaker0: für junge und noch nicht ältere Patienten gab es das ja schon ein bisschen länger
Speaker0: und ich bin jetzt ganz gespannt über die,
Speaker0: wenn du vielleicht ein paar Worte verlieren magst, über die spezifische Leitlinie
Speaker0: für diese spezielle Patientengruppe. Warum brauchen wir die eigentlich?
Speaker2: Das erste Schlüsselwort. Geriatrie. Ja, ich glaube, das ist einer der Kernfragen.
Speaker2: Warum eigentlich eine Leitlinie zur Schmerztherapie bei älteren Leuten ist?
Speaker2: Ich weiß nicht, ob es bei dir auch so ist, aber ich kenne noch den alten Spruch,
Speaker2: start low, go slow, keep simple.
Speaker2: Also bei älteren Leuten sollte man mit einer niedrigen Dosierung des Medikaments
Speaker2: anfangen, die Steigerung sollte man langsam vollziehen und man sollte es am
Speaker2: besten einfach handhaben,
Speaker2: sodass der Patient es gerne einnimmt, weil es halt einfach ist und nicht so kompliziert.
Speaker2: Ich finde, das ist ein guter Einstieg in diese Leitlinie.
Speaker2: Genau das ist nämlich auch einer dieser Kernelemente, weil jüngere Patienten
Speaker2: halt dann doch anders sind als ältere Patienten.
Speaker2: Hier geht es nämlich auch darum, dass sich die Pharmakokinetik und die Pharmakodynamik
Speaker2: bei älteren Menschen verändert.
Speaker2: Die Resorption, sie haben Resorptionsstörungen, die sie entwickeln,
Speaker2: sie verschieben das Kompartiment oder ihre Kompartimente mehr hin Richtung Fettgewebe.
Speaker2: Sie haben eine verminderte Phase 1 und 2-Metabolismus. Sie haben eingeschränkte Nierenfunktionen.
Speaker2: Letztendlich muss man bei älteren Patienten, um es ganz kurz zusammenzufassen,
Speaker2: um eine zwei- bis dreifache Vulnerabilität für unerwünschte Arzneimittelereignisse rechnen.
Speaker2: Sodass es klar ist, dass man langsam starten sollte mit den Medikamenten und
Speaker2: sie auch langsam erhöhen sollte.
Speaker2: Aber Fachexperten gehen sogar noch einen Schritt weiter.
Speaker2: Sie sagen sogar, ja, start low, go slow, but go.
Speaker2: Also fang an, nur weil sie alt sind, darfst du jetzt sozusagen keine Angst davor
Speaker2: haben, Medikamente zu geben.
Speaker2: Aber, and be always alert, aber sei immer sehr, sehr aufmerksam und rechne mit
Speaker2: Nebenwirkungen durch die Medikamente. Vielen Dank.
Speaker2: Und wenn man diese kleinen Gedankenhilfen, die man so bei der Therapie von älteren
Speaker2: Menschen im Hinterkopf hat, dann hat man auch schon mal eine grobe Idee,
Speaker2: warum wir eigentlich eine Leitlinie für ältere Menschen brauchen.
Speaker2: Wir brauchen nämlich eine Aufmerksamkeit für ältere Leute, die trotzdem ein
Speaker2: Recht auf Medikamente haben.
Speaker2: Weil es ist nämlich dann nicht so, dass das von Gott gewollt ist, dass man Schmerzen hat.
Speaker2: Also nur wenn man alt ist, heißt das ja nicht, dass man Schmerzen ertragen muss.
Speaker2: Und ich habe immer wieder auch, ich glaube Jan-Pär, du hast da ja auch bestimmt schon...
Speaker2: Öfter mal solche Patienten gehabt, dass die Patienten dann einfach sagen,
Speaker2: ja gut, dann ist das so, muss ich jetzt einfach auch die Schmerzen ertragen.
Speaker2: Ich habe auch schon andere Sachen in meinem Leben ertragen, dann kann es jetzt
Speaker2: mit diesen Schmerzen nicht so schlimm sein.
Speaker0: Ja, die ältere Generation ist glaube ich auch noch ein Tickchen härter im Nehmen
Speaker0: als jetzt vielleicht wir oder noch Jüngere, weil die auch noch mehr erlebt haben
Speaker0: und Lebenserfahrung ist ja auch immer eine Erfahrung.
Speaker0: Ich kann nur in das gleiche Horn stoßen, Marco. Ich wundere mich eigentlich,
Speaker0: dass es bisher noch keine Leitlinie gegeben hat, weil doch Schmerzen im Alter so häufig sind.
Speaker0: Und da nicht extra darauf abzustellen, eigentlich ist ja die Frage eher, warum denn erst jetzt?
Speaker0: Das ist ein zentraler Punkt für ältere Menschen.
Speaker0: Bei vielen älteren Menschen sind
Speaker0: Schmerzen im Alter und schmerzbedingte Lebensqualitätseinschränkungen.
Speaker0: Und dass man da extra darauf abstellt, ist ja fast ein natürlicher Reflex, ehrlich gesagt.
Speaker2: Ja, das stimmt.
Speaker0: Und ich will ja bei dir, vielleicht sollten wir einmal für die Hörer mal sagen,
Speaker0: für wen jetzt diese Leitlinie eigentlich gilt.
Speaker0: Also wir haben ja geriatrisch, also ältere Patienten ist ja im Sinne der Leitlinie,
Speaker0: alle Patienten, die über 80 sind, für die gilt es schon mal oder Patienten,
Speaker0: die jünger sind, 70 und entsprechende Komorbiditäten, also zwei chronische Erkrankungen schon mal mitbringen,
Speaker0: gelten quasi angesprochen im Sinne dieser Leitlinie oder sogar noch jüngere
Speaker0: Patienten mit noch ausgeprägteren Vorerkrankungen.
Speaker0: Die fallen alle sozusagen als Ansprech, oder sie werden angesprochen durch diese,
Speaker0: sollen angesprochen werden durch diese Leitlinie.
Speaker2: Da wird ja auch festgelegt, mit 80 bist du einfach geriatrisch, Punkt.
Speaker0: Ja, und das ist ja auch vernünftig. Das ist ja auch vernünftig.
Speaker0: Du sagtest ja schon, die Physiologie ändert sich im Alter mit den allen Facetten,
Speaker0: die du schon geschildert hast.
Speaker0: Und da gilt es auf jeden Fall ja drauf, dann Rücksicht zu nehmen.
Speaker2: Ja, mir wäre halt nur wichtig, dass die Leute sich dann nicht,
Speaker2: wie es ja in unserer aktuellen Gesellschaft so ist, sie sollen sich da halt
Speaker2: nicht stigmatisiert fühlen, sondern
Speaker2: Ich finde, du bist 80, deswegen bist du geriatrischer Patient,
Speaker2: ist jetzt per se nicht schlecht.
Speaker2: Im Gegenteil, ich finde, du hast eine Leitlinie, du kannst hier adäquat reagieren
Speaker2: und man weiß sofort, alles klar, hier muss ich ein bisschen aufpassen mit den
Speaker2: Medikamenten, aber ich muss auch mich um die Medikamente kümmern.
Speaker2: Ich darf es nicht ignorieren. Nur weil du alt bist, heißt das nicht,
Speaker2: dass ich die Situation ignoriere.
Speaker2: Ich muss mich um die Schmerztherapie kümmern.
Speaker0: Ja, absolut. Oder kümmern lassen zumindest.
Speaker2: Ja, richtig, genau. Aber, Jan-Pier, was ich bisher noch ein bisschen,
Speaker2: naja, verschwiegen habe, ist, ich bin ja kein Geriater.
Speaker2: Ich bin ja Anästhesist und Schmerztherapeut und vielleicht auch mit Palliativmedizin
Speaker2: hat man ja dann doch öfter mal Kontakte auch zu älteren Menschen,
Speaker2: was nicht per se immer sein muss. Aber ich bin halt kein Fachexperte.
Speaker2: Dementsprechend habe ich mir
Speaker2: für diese Leitlinie, habe ich mir zwei sehr interessante Interviewpartner.
Speaker2: Und habe die im Vorfeld schon mal interviewt.
Speaker0: Das ist wunderbar. Da brauchen wir auch gar nicht weiter Vorgeplänkel machen
Speaker0: und können einfach vielleicht auch die Experten und dich, also du bist natürlich
Speaker0: auch ein Experte, zu Wort kommen lassen.
Speaker2: Ja, würde ich sagen. Ich habe da ein sehr interessantes Interview geführt mit
Speaker2: zwei sehr netten Frauen, die sich auch gleich einmal vorstellen würden.
Speaker3: Ja, hallo. Ich bin Melina Händelmeier. Ich bin einen Masterabschluss als Advanced
Speaker3: Practice Nurse mit dem Schwerpunkt Community Health Nursing und durfte die S3-Leitlinie
Speaker3: Gary Penn als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den letzten drei Jahren begleiten.
Speaker2: Ja, großartig. Erstmal vielen Dank dafür. Dann habe ich aber nochmal eine sehr
Speaker2: besondere Person, aber da möchte ich gar nicht so viel sagen.
Speaker2: Das kann die Person nämlich selber sein.
Speaker2: Das wäre die Kollegin Corinna Drebenstedt.
Speaker2: Vielleicht kannst du dich einmal kurz vorstellen.
Speaker1: Ja, hallo, sehr gerne. Ich bin Allgemeinärztin und Internistin mit den Schwerpunkten
Speaker1: Geriatrie, Schmerztherapie und Palliativmedizin.
Speaker1: Seit vielen Jahren im Arbeitskreis Schmerz und Alter und war in der Leitlinie
Speaker1: als koordinierende Medizinerin von der Geriatrie beteiligt.
Speaker2: Dann lass uns mal gleich in das Thema reinspringen, weil es nämlich sehr umfangreich ist.
Speaker2: Vorweg würde mich einmal interessieren, wie seid ihr beide eigentlich zum Thema
Speaker2: Schmerzen im höheren Alter gekommen?
Speaker1: Ich fange einfach mal an. Als Allgemeinärztin habe ich einfach festgestellt,
Speaker1: dass zum einen alte Patienten sehr viel in der Praxis sind und viele davon Schmerzen haben.
Speaker1: Und bin dann in diesem Zusammenhang von meinem damaligen Chef in den Arbeitskreis
Speaker1: Schmerz und Alter geschickt worden, weil es immer schon mein Schwerpunkt war
Speaker1: oder sich der Schwerpunkt so entwickelt hatte.
Speaker1: Und da bin ich seit 2008 schon in dem Arbeitskreis tätig.
Speaker3: Ja, und als Pflegefachperson hat man ja irgendwie immer Kontakt eigentlich mit
Speaker3: älteren Menschen und damit auch zwangsweise Kontakt mit älteren Menschen, die Schmerzen haben.
Speaker3: Und über die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin bin ich dann schlussendlich
Speaker3: in die Leitlinie gekommen und jetzt aber auch ganz aktiv im Arbeitskreis Alter
Speaker3: und Schmerz und habe so ein bisschen das Thema für mich entdeckt und will mich
Speaker3: da auch zukünftig weiter mit beschäftigen.
Speaker2: Apropos Stelle, das ist auch noch was, wo ich gerne mal nachhaken will.
Speaker2: So eine Leitlinienkommission, das besteht ja nicht nur aus euch beiden Personen,
Speaker2: sondern es sind ja viele Leute involviert.
Speaker2: Meines Wissens ist es auch eine ehrenamtliche Tätigkeit.
Speaker2: Gefühlt tausend Sitzungen, ewig viele Personen, extremst zeit- und arbeitsaufbändig.
Speaker2: Aber vielleicht könnt ihr ja den Hörern Hörern mal kurz skizzieren,
Speaker2: was heißt das eigentlich Leitlinienarbeit?
Speaker1: Ich kann ja mal anfangen. Die
Speaker1: Leitlinie-Idee wurde entwickelt ja aus dem Arbeitskreis Schmerz und Alter und
Speaker1: die Steuergruppe der Leitlinie bestand in dem Fall aus vier Mitgliedern des Arbeitskreises.
Speaker1: Und wir hatten das große Glück, eine Finanzierung für die Leitlinie zu bekommen
Speaker1: und konnten darüber dann eine wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Speaker1: in dem Fall eben Melina Händelmeier, anstellen.
Speaker1: Die anderen haben das alle ehrenamtlich gemacht.
Speaker1: Dazu kommen ja dann eine große Gruppe an Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen,
Speaker1: aus der Anästhesie, aus der Radiologie, Gynäkologie, alle, die dann mitarbeiten,
Speaker1: die das natürlich auch alles ehrenamtlich machen und je nach Thema dazukommen
Speaker1: und für die Konsensuskonferenz dazukommen oder auch mitgearbeitet haben in den Arbeitsgruppen.
Speaker3: Genau, und vielleicht nochmal so, um hervorzuheben, wie wichtig das ist,
Speaker3: dass wir so viele Freiwillige oder wie wichtig das Ehrenamt auch ist.
Speaker3: Also wir haben natürlich die Möglichkeit oder ich hatte die Möglichkeit,
Speaker3: eben dann die Evidenz aufzubereiten, die Suche durchzuführen und die Texte vorzuformulieren.
Speaker3: Aber wir haben über 6.000 Literaturstellen identifiziert, die erstmal gescreent
Speaker3: werden müssen und das muss man in der Regel zu zweit machen.
Speaker3: Also da ist wirklich Engagement eben notwendig und gerade auch,
Speaker3: wenn es darum geht, Patienten, Patientinnen gut mit in die Leitlinie mitzunehmen.
Speaker3: Und auch da haben wir wirklich ein hohes Engagement von den Patientenvertretenden
Speaker3: gehabt, die sich auch wirklich nochmal tief mit der Patientenleitlinie beschäftigt
Speaker3: haben und das passiert natürlich dann alles ehrenamtlich.
Speaker2: Und man muss ja auch als engagierter Arzt einiges an Zeit mitbringen, bis man sie gelesen hat.
Speaker3: Genau, dafür haben wir noch die Kurzfassung. Für alle, die es ein bisschen kompakter haben,
Speaker3: gibt es eine Kurzfassung von der langen Version, wo einfach nur nochmal die
Speaker3: wichtigsten Infos drinsteht und die Empfehlungen knapp formuliert sind, unserer Meinung nach.
Speaker3: Aber es sind natürlich trotz allem noch über 42 Empfehlungen.
Speaker2: Nee, nee, ich finde schon, ihr habt verdient, dass man die ganze Leitlinie diest,
Speaker2: wenn man da so viel Engagement mit reinsetzt.
Speaker2: Wie kam es dazu, warum eigentlich S3-Leitlinie, Gary Payne?
Speaker2: Was gibt es da von deiner Seite aus, Melina, für Besonderheiten bei älteren Schmerzpatienten?
Speaker3: Wir hatten ja die Vorgängerleitlinie, war die S3-Leitlinie Schmerzassessment
Speaker3: bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe.
Speaker3: Da ist die Gültigkeit ausgelaufen, weil Leitlinien in der Regel nur fünf Jahre gültig sind.
Speaker3: Und da war eben der Anlass zu sagen, naja, Schmerzassessment nur im Pflegeheim,
Speaker3: das reicht nicht. Wir müssen eigentlich das Schmerzassessment auch sektorenübergreifend denken.
Speaker3: Das ist auch wichtig im akutstationären Bereich, im ambulanten Bereich.
Speaker3: Und gleichzeitig hat die Schmerztherapie natürlich auch einen hohen Stellenwert.
Speaker3: Und gerade bei älteren Menschen haben wir eben immer noch den Mythos weit verbreitet,
Speaker3: dass Schmerzen ganz normal sind und Schmerzen zum Alter auch eben dazugehören.
Speaker3: Das ist auf jeden Fall was, was wir mit der Leitlinie hoffentlich geschafft
Speaker3: haben, ein bisschen aufzubrechen, dieses Denken.
Speaker3: Und ältere Menschen sind in dem Zusammenhang eben auch komplexer in ihrer Versorgung,
Speaker3: weil wir auf der einen Seite oft kognitive Beeinträchtigungen haben,
Speaker3: dieses Schmerzassessment generell schon mal erschweren.
Speaker3: Und gleichzeitig haben wir natürlich auch eine häufig vorliegende Multimorbidität,
Speaker3: eine Polypharmazie, die die Schmerztherapie dann schlussendlich auch nochmal beeinflusst.
Speaker2: Und sag mal, Corinna, wie sieht das aus im ärztlichen Alltag?
Speaker2: Gibt es da markante Unterschiede, die du siehst zwischen den älteren und den
Speaker2: jüngeren Schmerzpatienten?
Speaker1: Also zwei wichtige Punkte. Es hatte Melina gerade schon erwähnt,
Speaker1: dass ältere Schmerzpatienten im Vergleich zu jüngeren natürlich viel mehr zusätzliche
Speaker1: Erkrankungen haben, also multimorbide sind und schon viele Tabletten dazu einnehmen
Speaker1: und man genau hinschauen muss, was sich überhaupt verträgt,
Speaker1: wenn ich jetzt überlege, eine Schmerztherapie medikamentös zu machen.
Speaker1: Zum anderen geht es bei denen ganz oft wirklich um lebensentscheidende Momente,
Speaker1: weil sie vielleicht am Kipppunkt stehen, in die Unselbstständigkeit zu rutschen,
Speaker1: vielleicht zu Hause nicht mehr zurechtzukommen und umziehen zu müssen ins Altersheim.
Speaker1: Also es geht, salopp gesagt, um die Wurst. Ja, also sie müssen
Speaker1: Da muss man gucken, ob man da nicht was bewegen kann, was bei Jüngeren natürlich
Speaker1: auch extrem wichtig ist, aber irgendwie in einem anderen Setting.
Speaker1: Also, dass man wirklich merkt, für die ändert sich das komplette Leben,
Speaker1: wenn wir das nicht in den Griff kriegen.
Speaker2: Wie sieht es denn überhaupt mit der Diagnostik für Schmerz aus?
Speaker2: Melina, du hast es ja eben schon gesagt, ja, alte Menschen und so,
Speaker2: die haben ja keinen Schmerz und so, die halten das schon aus,
Speaker2: sie haben schon so viel ausgehalten, da halten die auch ein bisschen Schmerz vor.
Speaker2: Ich habe manchmal auch das Gefühl, dass auch das genau die alten Patienten auch
Speaker2: selber denken, dass sie, die müssen jetzt, das ist von Gott gegeben,
Speaker2: der Schmerz, den muss ich jetzt so aushalten.
Speaker2: Ich habe schon ganz andere Sachen erlebt.
Speaker2: Was gibt mir die Leitlinie für Tools, damit ich das vielleicht doch noch rauskitzle,
Speaker2: ob dieser Mensch Schmerzen hat? Was habe ich da für Möglichkeiten?
Speaker3: Wir empfehlen es in der Leitlinie so, dass trotz allem immer mit der Selbstauskunft,
Speaker3: dass das der Goldstandard ist und dass es versucht wird umzusetzen,
Speaker3: indem man eben einfache Fragen stellt,
Speaker3: indem man Fragen nach aktuellem Schmerzen stellt und eben die Worte der Betroffenen selber auch verwendet.
Speaker3: Und wenn es eben nicht möglich ist, dass man eine verbale Auskunft erhält,
Speaker3: dann kann man eben auf Fremdeinschätzungsinstrumente zurückgreifen oder kann
Speaker3: die auch ergänzend zusätzlich zur Selbsteinschätzung eben nochmal hinzuziehen.
Speaker3: Wir haben international super viele Fremdeinschätzungsinstrumente.
Speaker3: Im deutschen Kontext haben wir aber eigentlich vor allem vier.
Speaker3: Also das ist einmal die Beurteilung von Schmerzen bei Demenz.
Speaker3: Die BESD ist, glaube ich, auch relativ bekannt.
Speaker3: Genau, wird auch viel verwendet. Wir haben zusätzlich noch die BSAT,
Speaker3: das ist das Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei alten Menschen mit Demenz.
Speaker3: Die kann vor allem in Pflegeeinrichtungen durchgeführt werden oder auch in der
Speaker3: ambulanten Pflege durchgeführt werden.
Speaker3: Da muss aber eben der Patient oder die Patientin schon bekannt sein,
Speaker3: weil man das mit dem normalen Verhalten abgleichen muss.
Speaker3: Relativ neu ist jetzt die Pain Assessment in Impaired Cognition, die Pike-Skala.
Speaker3: Die wurde im Rahmen von einem europäischen Projekt erstellt.
Speaker3: Und dann haben wir noch das Zürich Observation Pain Assessment,
Speaker3: das SOPA-Instrument. Das ist vor allem für den Intensivbereich noch verwendbar.
Speaker3: Wir können aber kein Instrument jetzt pauschal empfehlen, weil das immer so
Speaker3: ein bisschen kontextfaktorenabhängig ist, welches Instrument am besten geeignet
Speaker3: ist jetzt für den Moment.
Speaker2: Ja, häufig hat eine Klinik ja auch schon ihre eigenen Instrumente,
Speaker2: da kann man, da sollte man ja nicht auf Biegen und Brechen wechseln,
Speaker2: sondern wenn ich eins davon habe, dann kann man das ja auch gleich nehmen.
Speaker2: Das waren ja so Fremdbeobachtungstools, habt ihr noch welche für jetzt, sage ich mal,
Speaker2: Ein kognitiv fitte Patienten? Würde man das auch so, wie wir das bei den Schmerzpatienten
Speaker2: auch schon kennen, mit NRS, VHS und BPI irgendwie machen, sowas in der Richtung?
Speaker3: Genau, also wir haben tatsächlich auch noch, das war so ein bisschen in Anlehnung
Speaker3: an den deutschen Schmerzfragebogen, haben wir noch das geriatrische Schmerzinterview,
Speaker3: das wir jetzt aktuell auch vom Arbeitskreis Alter und Schmerz nochmal überarbeiten.
Speaker3: Gibt es auch noch dazu.
Speaker1: Man sollte immer erst mal das probieren, was bei den Jüngeren auch funktioniert,
Speaker1: weil das sehr gut etabliert ist und auch, ich glaube, gerade als Schmerztherapeut
Speaker1: kann man mit diesen ganzen Tools gut umgehen.
Speaker1: Aber wenn es eben nicht geht, dann kommen die Empfehlungen auch zum Tragen,
Speaker1: sei es das Schmerzinterview, was hoffentlich nächstes Jahr überarbeitet wieder
Speaker1: rauskommt oder eben auch die Beobachtungsskalen, dass man da dann schaut,
Speaker1: wie kann ich da weiterkommen und da noch zu Informationen kommen.
Speaker2: Und wenn ich sprachliche Probleme habe, bleibt das dann auch bei den Beobachtungsskalen.
Speaker1: Genau.
Speaker2: Die Leitlinie hat ja, das ist ja eine der Kernaussagen der Leitlinie,
Speaker2: betont hier auch, dass die funktionellen Ziele fast wichtiger sind als die Schmerzfreiheit.
Speaker2: Wie kann ich mir das vorstellen? Was steckt dahinter?
Speaker1: Letztendlich ist es ja auch bei jungen chronischen Schmerzpatienten so,
Speaker1: dass man aufgrund der Chronifizierung die Schmerzfreiheit häufig nicht mehr erreichen kann.
Speaker1: Das ist natürlich beim alten Patienten auch nicht anders.
Speaker1: Die Funktionalität, da sind wir wieder bei dem Punkt von vorher,
Speaker1: ist in einer anderen Relevanz wichtig im Vergleich, weil eben die Funktionalität
Speaker1: auch schon im Laufen sein kann.
Speaker1: Also wenn ich nicht mehr alleine zur Toilette gehen kann, dann kann ich nicht
Speaker1: alleine in meiner Wohnung leben.
Speaker1: Wenn ich nachts nicht alleine sein kann, kann ich nicht mehr alleine in meiner Wohnung leben.
Speaker1: Und das sind so Punkte, die natürlich in der Funktionalität extrem wichtig sind
Speaker1: und bei einem geriatrischen Patienten noch einen anderen Stellenwert haben.
Speaker1: Ansonsten, wenn man schaut in
Speaker1: der Diagnostik, was für Unterschiede es noch sind, ist, dass man natürlich
Speaker1: die radiologisch immer Veränderungen findet und das genau wie beim jungen Patienten
Speaker1: Befunde zusammenpassen müssen.
Speaker1: Also Schmerz und Befund müssen irgendwie konkurrent gehen,
Speaker1: weil wenn ich, ich sage mal, ich mache ein MRT beim alten Menschen,
Speaker1: dann finde ich natürlich so viele Veränderungen, die theoretisch Schmerz auslösen
Speaker1: können, aber es praktisch ja häufig nicht tun.
Speaker2: Aber es ist ja das grundlegende Problem, was wir ja bei Rückenschmerzen sehen,
Speaker2: dass die größtenteils haben die einen Befund oder keinen Befund und haben trotzdem
Speaker2: Schmerzen oder die, die einen schweren Befund haben,
Speaker2: haben gar nicht den dazugehörigen Schmerz.
Speaker2: Also da ist das schwierig, genau.
Speaker2: Das macht es im Alter natürlich noch schwieriger, weil da erwarte ich ja per
Speaker2: se schon Veränderungen alleine aufgrund des Alters.
Speaker1: Und da gibt es ja Rücken, die aussehen, wo man hinguckt und denkt,
Speaker1: ups, Und die sagen, nee, mir tut es nicht weh.
Speaker1: Und das ist eben wie bei den Jungen, die nichts haben und es tut furchtbar weh.
Speaker2: Das zweite Schlüsselwort.
Speaker0: Alter.
Speaker2: Corinna, welche pharmakologischen Erkenntnisse sind in die Leitlinie gewandert?
Speaker2: Gibt es da Besonderheiten?
Speaker1: Genau, das war ja immer das Ziel, das herauszuarbeiten, was besonders ist.
Speaker1: Und ich weiß nicht, ob es uns wirklich überrascht hat, aber es gibt einfach
Speaker1: ganz wenig Daten und bis gar keine Daten zum Thema Schmerztherapie,
Speaker1: medikamentös beim alten Patienten.
Speaker1: Das macht es schwierig oder auch einfach. Man kann einfach sagen,
Speaker1: dass man sich an die pharmakologischen Eigenschaften und die normalen Nebenwirkungen,
Speaker1: die sie sich anschauen muss.
Speaker1: Und dadurch gibt es eigentlich für keins der Medikamente eine optimale Empfehlung.
Speaker1: Man kann nichts sagen, was wirklich gut ist, weil es die Daten nicht hergeben.
Speaker1: Natürlich wissen wir alle auch, dass wir trotzdem Schmerzmittel brauchen.
Speaker1: Und jetzt, wenn man die nicht Opioide nimmt,
Speaker1: ist keins davon gut und die NSIR sind besonders schlecht, sagen wir es so,
Speaker1: von den Nebenwirkungen, obwohl sie natürlich auch gut wirken.
Speaker1: Aber für eine Dauertherapie tatsächlich gar nicht geeignet und so kurz wie möglich
Speaker1: sollte man sie nehmen, weil man
Speaker1: weiß, dass die älteren Patienten die Nebenwirkungen erst mal nicht spüren.
Speaker1: Und natürlich eine Herzinsuffizienz, die sich verschlechtert,
Speaker1: spüren sie dann schon, aber sie würden das gar nicht darauf zurückführen,
Speaker1: dass das an den Schmerzmitteln liegt.
Speaker1: Das Nierenversagen spüren sie erst, wenn es schon kurz vor zu spät ist.
Speaker1: Und eine Blutung im Magen-Darm-Trakt ist natürlich auch etwas,
Speaker1: was beim alten Menschen nicht zwingend mit Schmerzen vorhergeht,
Speaker1: sondern sie fangen dann an zu bluten.
Speaker1: Und das kann, je nachdem wie heftig das ist, auch wirklich letale Folgen haben.
Speaker1: Das darf man nicht unterschätzen.
Speaker1: Wenn man jetzt die Gruppe der Opioide anschaut,
Speaker1: ist es so, dass die Daten nicht hergeben, dass irgendein Opioid besser ist.
Speaker1: Man weiß aus der Pharmakologie her, welche Interaktionen es gibt.
Speaker1: Und das sind im Prinzip die Basis, vielleicht nachzuschauen,
Speaker1: welches besser sein könnte.
Speaker2: Braucht man dann so Kreuzlisten oder wie guckt man sowas nach?
Speaker1: Zum einen gibt es diese expertenbasierten Listen, die speziell Medikamente für
Speaker1: ältere Patienten überprüft haben und auch besprochen haben.
Speaker1: Das sind die Priskus-Liste oder die Vorderliste in Deutschland.
Speaker1: Das muss man aber wissen, sich in Teilen auch widersprechen oder die Wertung
Speaker1: nicht gleich vornehmen.
Speaker1: Aber sie geben einen guten Hinweis darauf, welche Medikamente schlechter sind,
Speaker1: vor allem für die alten Menschen.
Speaker1: Zum anderen, jetzt gerade in Punkten Interaktion und Multimedikation wäre es toll,
Speaker1: man würde so ein elektronisches Tool benutzen oder man hätte,
Speaker1: da sind wir beim Vier-Augen-Prinzip, jemand anderes, der noch mit draufschaut,
Speaker1: der sich damit auskennt.
Speaker1: Wir im Krankenhaus haben eine Apotheker-Visite und wir schauen uns gemeinsam die Medikamente an.
Speaker2: Das sehe ich auch als ein Problem. Ich habe immer das Gefühl,
Speaker2: mit jeder Dekade, die ein Patient älter wird, steigt auch lineal die Anzahl
Speaker2: der Medikamente, die sie einnehmen.
Speaker1: Es gibt Dinge,
Speaker1: Eine ältere Veröffentlichung zu diesem Thema, je mehr Krankheiten.
Speaker1: Und man ist relativ rasch bei 15 bis 20 Medikamenten, wenn man leitliniengerecht
Speaker1: jegliche Erkrankung von Diabetes, Herzinsuffizienz schon mal,
Speaker1: wenn man nur Herzinsuffizienz nimmt, hat man ja mit einem Schlag vier Medikamente.
Speaker1: Wenn dann noch irgendwas dazukommt, dann ist man locker über den empfohlenen
Speaker1: Fünf, die die Geriater gerne sehen würden.
Speaker1: Aber das wissen wir alle auch, wir sind nicht unrealistisch,
Speaker1: dass das häufig nicht machbar ist.
Speaker1: Umso wichtiger ist wirklich, dass man gemeinsam draufschaut oder eben mit so einem KI-Tool.
Speaker1: Da sehe ich auch genau wie du eine große Option für die KI, die das viel besser rechnen kann als wir.
Speaker2: Ja, die hat zumindest die Datenpower im Hintergrund, um da Statistik letztendlich
Speaker2: Wahrscheinlichkeiten besser darstellen zu können, wo es Probleme gibt.
Speaker2: Ja, also ich glaube auch, Pharmakologie gibt es noch rauen nach oben,
Speaker2: zumindest in der täglichen Routine, die man ja mit euren Tipps,
Speaker2: glaube ich, ganz gut anwenden kann.
Speaker2: Und die sind ja auch extremst gut dann auch in der Leitlinie dargestellt.
Speaker2: Und das ist ja auch das Kernelement der großen Säule der Pharmakologie bei älteren Patienten.
Speaker2: Wie schaut es denn bei den nicht-pharmakologischen Verfahren und der multimodalen
Speaker2: Versorgung, was ja auch ein Schlüsselelement der Leitlinie ist,
Speaker2: wie sieht es denn da aus, Melina?
Speaker2: Was sind da für nicht-medikamentöse Maßnahmen in der Leitlinie dargestellt und
Speaker2: was sind die wichtigen Aspekte da diesbezüglich?
Speaker3: Ja, also da steht vor allem die Bewegung und die Bewegungsübungen eben im Vordergrund
Speaker3: als ganz zentrale Intervention aus dem nicht medikamentösen Bereich.
Speaker3: Also gerade im Bereich der muskuloskeletalen Schmerzen ist es wirklich empfohlen.
Speaker3: Und vielleicht auch nochmal für diejenigen, die Angst davor haben,
Speaker3: dass bei Bewegung das Sturzrisiko oder sonst irgendwas passiert.
Speaker3: Sich ansteigert, dem ist nicht so. Also das konnten wir in den Studien nicht sehen.
Speaker3: Das ist wirklich eine effektive Intervention, die eine gute Besserung verbringt.
Speaker3: Was wir nicht sehen konnten in der Literatur oder wo die Interventionen auch
Speaker3: einfach zu heterogen sind, ist zu sagen, welche Bewegungsmaßnahme ist jetzt die beste.
Speaker3: Da kommt es eben wieder so ein bisschen individuell darauf an.
Speaker3: Wir können auch nicht genau sagen, welche Dauer oder welche Intensität ist am besten geeignet.
Speaker3: Es lässt sich nicht anhand von der Literatur beschreiben, aber dass eben überhaupt
Speaker3: Übungen gemacht werden, dass eben überhaupt nochmal die Bewegung gefördert wird,
Speaker3: ist ein wichtiger Baustein.
Speaker3: Genau, daneben gehören natürlich auch nochmal der Bereich der Achtsamkeit als
Speaker3: mögliche nicht medikamentöse Interventionen und wir haben tatsächlich auch so
Speaker3: einen kleinen Nutzen für das Hören von Musik oder selbst Musik machen in Form von Singen gefunden,
Speaker3: das eben vor allem auch nochmal sich auf das Wohlbefinden dann positiv ausweist.
Speaker2: Ja genau, was wir aus der Schmerztherapie ja auch schon kennen,
Speaker2: dass Musiktherapie nicht nur in der Palliativmedizin hilfreich ist,
Speaker2: sondern auch in der Schmerztherapie bei nicht palliativen Patienten.
Speaker2: Das ist ja dann der Rückschluss zu den geriatrischen Patienten ja gar nicht so weit hergeholt.
Speaker2: Sollte man noch Physiotherapie, Ergotherapie oder gibt es bestimmte Strukturen,
Speaker2: die man solchen Patienten vorgeben muss, damit sie es leichter haben,
Speaker2: durch die tägliche Routine zu kommen?
Speaker3: Also im interprofessionellen Kontext ist es natürlich von Vorteil,
Speaker3: wenn man auch Physiotherapeuten, Physiotherapeutinnen mit einbezieht,
Speaker3: die dann eben gezielte Anleitungen nochmal machen können.
Speaker3: Auch Ergotherapie kann natürlich hilfreich sein, gerade wenn es zum Beispiel
Speaker3: darum geht, wie mobilisiere ich mich denn so, dass es nicht schmerzhaft ist
Speaker3: für mich als älterer Mensch.
Speaker2: Wie sieht das mit einer Tagesstruktur aus? Habt ihr da Empfehlungen abgegeben,
Speaker2: dass es besonders für ältere Menschen wichtig ist, dass eine gewisse Tagesstruktur
Speaker2: getrainiert werden muss?
Speaker1: Nein, das ist sicherlich im Rahmen des Schmerzkontextes nicht.
Speaker1: Das ist eher aus dem geriatrischen Setting, wenn ich auch Richtung Demenz oder irgendwas schaue.
Speaker1: Für depressive Patienten ist es sicherlich sinnvoll, wenn man eine Tagesstruktur dazu gibt.
Speaker1: Aber jetzt in dem Schmerzkontext ist das nicht aufgetaucht.
Speaker2: Und wie sieht das aus für die Pflegefachkräfte und deren Angehörigen?
Speaker2: Ist da eine spezielle Schulung empfohlen?
Speaker1: Unbedingt gibt es da Empfehlungen, weil man festgestellt hat,
Speaker1: dass wenn die Angehörigen nicht wissen, welches Ziel eigentlich in der Schmerztherapie besteht,
Speaker1: sie auch, sagen wir mal, als negativ beeinflussend sein können auf die Patienten.
Speaker1: Es ist ganz wichtig, dass sowohl Patienten, Therapeuten und Angehörige wissen,
Speaker1: dass Schmerzfreiheit nicht zwingend das Ziel ist und dass Bewegung eben gut ist.
Speaker1: Und nur wenn die Angehörigen gut aufgeklärt und mit ins Boot geholt worden sind,
Speaker1: dann ist die Chance größer, da einen Erfolg zu haben in der Behandlung.
Speaker1: Insofern ist es wichtig, dass sie auch mit dabei sind und verstanden haben, worum es geht.
Speaker2: Das ist aber wahrscheinlich nicht immer ganz einfach. Kommen da nicht auch die
Speaker2: Angehörigen mit einer hohen Erwartung an die ärztlichen Kollegen?
Speaker1: Unbedingt. Ja, natürlich, die haben genau wie die Patienten erstmal die Vorstellung,
Speaker1: ich muss jetzt nur was machen und dann ist der Schmerz weg und dann ist alles wieder gut. Ja.
Speaker1: Ist ja bei einem chronifizierten Schmerz eben nicht der Fall.
Speaker1: Und vielleicht müssen sie auch ihr eigenes Verhalten ändern.
Speaker1: Das wissen wir ja immer, ist nicht so einfach.
Speaker1: Das kann auch sein, sich mehr zu kümmern, weil die Einsamkeit eben ein großes
Speaker1: Thema ist beim geriatrischen Patienten.
Speaker1: Und es ist ja nicht immer so, dass Familie, nur weil es Familie ist, gut ist.
Speaker1: Und es da eben Dinge gibt,
Speaker1: die interpersonell zwischen Kindern und Eltern laufen, die sich verändern müssten,
Speaker1: um die Schmerzen zu verbessern.
Speaker1: Und das ist natürlich wirklich ein Thema, was gar nicht so einfach zu behandeln ist.
Speaker2: Kann Einsamkeit Schmerzen machen?
Speaker1: Ja.
Speaker1: Ich würde sagen, verkürzt ja.
Speaker2: Ich wollte nur auf den Stellenwert nochmal hinweisen, dass das natürlich auch
Speaker2: eine Stellschraube ist, an der man arbeiten kann.
Speaker1: Absolut, das ist sicher eine gesellschaftliche Aufgabe für die Zukunft.
Speaker2: Mir ist beim Lesen aufgefallen, bei der Leitlinie, dass auf die multimodale
Speaker2: Behandlung und auch die interprofessionelle Zusammenarbeit viel Wert gelegt wurde.
Speaker2: Wie stellt sich die Leitnie die interprofessionelle Zusammenarbeit vor?
Speaker2: Jetzt nicht nur in der Klinik, sondern auch in den Übergang in die Häuslichkeit.
Speaker3: Also genau, die Zusammenarbeit, die muss auf jeden Fall irgendwie strukturiert erfolgen.
Speaker3: Die genau, das lässt sich leider in der Literatur auch nicht belegen.
Speaker3: Es ist aber so, dass natürlich klar sein muss, wer hat welche Rolle im Schmerzmanagement,
Speaker3: Schmerzmanagement, wer hat welche Verantwortung auch und dass es auch zu einem
Speaker3: regelhaften Austausch kommen muss.
Speaker3: Die elektronische Patientenakte bietet uns da, glaube ich, eine ganz gute Möglichkeit,
Speaker3: um gerade diese Kommunikationswege zu verbessern.
Speaker3: Ganz klar muss man da eben aber auch sagen, dass die Informationen zum Schmerzmanagement
Speaker3: eben auch für alle zugänglich sein müssen, die an der Schmerzversorgung beteiligt sind.
Speaker3: Also es bringt mir nichts, wenn die hausärztlichen Kollegen und Kolleginnen
Speaker3: ein Medikament ansetzen gegen Schmerzen und der ambulante Pflegedienst dann
Speaker3: aber nicht nachvollziehen kann,
Speaker3: welches Schmerzmittel da jetzt angesetzt worden ist und keine Prozesse.
Speaker3: Keinen Überblick darüber hat. Gleichzeitig muss auch ein Pflegedienst darauf
Speaker3: vertrauen können, dass wenn er eben im Pflegebericht Schmerzen berichtet oder
Speaker3: wenn er eben ein Schmerz ist, das man durchführt und sich Schmerzen zeigen,
Speaker3: dass diese Informationen dann
Speaker3: auch zurückgespiegelt werden können an den Hausarzt oder die Hausärztin.
Speaker2: Zum Ende unseres Interviews habe ich da nochmal eine zukunftsweisende Frage an euch.
Speaker2: Das ist ja jetzt, wenn ich das so sehe, ist das halt die erste Leitlinie,
Speaker2: Die erste Gary Payne, die es jetzt auf dem Zettel geschafft hat.
Speaker2: In zehn Jahren kommt ja die zweite Überarbeitung. Wo seht ihr denn da die Schmerztherapie
Speaker2: der älter werdenden Gesellschaft? Wo stehen wir denn da mit Gary Payne?
Speaker2: 1.2.0 wäre das dann ja.
Speaker3: Also ich hoffe auf jeden Fall, dass sich die Evidenzgrundlage verbessert,
Speaker3: weil wir eben doch noch relativ viele Empfehlungen auf Expertenkonsens formulieren
Speaker3: mussten, was einfach nicht ausreichend Daten dafür gibt.
Speaker3: Ich glaube, Corinna, du hast es ja vorhin schon gesagt mit den Medikamenten,
Speaker3: es ist super schwierig und gleichzeitig ist gerade auch im Bereich Schmerzassessment
Speaker3: noch super viel Forschungsbedarf,
Speaker3: wenn es dann eben auch an die schwer Demenzerkrankten geht,
Speaker3: Und die vielleicht, wo wir auch mit Fremdbeobachtungsinstrumenten irgendwie
Speaker3: nicht mehr weiterkommen, zumal bei den Fremdbeobachtungsinstrumenten ja auch
Speaker3: nicht die Schmerzqualität beispielsweise erfasst werden kann.
Speaker3: Ich glaube, da haben wir noch sehr viel Potenzial und ich hoffe,
Speaker3: dass wir in zehn Jahren da auf jeden Fall eine bessere Evidenzgrundlage für haben.
Speaker2: Wo siehst du die Leitlinie und die Versorgung in zehn Jahren?
Speaker1: Ich hoffe, dass wir eine Verbesserung der Schmerzversorgung bekommen,
Speaker1: bin aber leider nicht so optimistisch angesichts der Entwicklung des Gesundheitswesens.
Speaker1: Natürlich mit einer weiteren Ambulantisierung sollte vielleicht die Chance bestehen,
Speaker1: dass auch geriatrische Schmerzpatienten über ein Team wie so ein SAPV-Team versorgt werden.
Speaker1: Das wäre ja ehrlicherweise eine ganz tolle Komponente, weil da die gemeinsame
Speaker1: Besprechung einfach mit im Thema ist.
Speaker1: Weil nur die EPA als Kommunikationstool, das ist ja nicht ausreichend.
Speaker1: Ich glaube, es gibt sicher gute Beispiele auch jetzt,
Speaker1: wo es gut funktioniert, aber das ist immer dem Engagement Einzelner überlassen
Speaker1: und das sollte es eigentlich nicht sein, sondern es wäre toll,
Speaker1: es gäbe die Möglichkeit für solche Patientinnen und Patienten auch ein Team ambulant zu bilden,
Speaker1: die in der Allgemeinversorgung stehen.
Speaker2: Nicht schlecht. Ja, dann kann ich nur die Daumen drücken, dass wir da in zehn
Speaker2: Jahren auch hinkommen, oder?
Speaker3: Ich muss da ja jetzt auch nochmal so aus pfleggerischer Perspektive noch dazu
Speaker3: sagen, ich glaube, wir müssen auch einfach in der Primärversorgung das Potenzial
Speaker3: von Pflegefachpersonen mehr nutzen und
Speaker3: Vielleicht das eine oder andere ein bisschen umstrukturieren.
Speaker2: Hast du das Gefühl, dass wir das Potenzial nicht ausnutzen, weil es belastet
Speaker2: ist mit Aufgaben, die sie daran hindern, solche Sachen zu übernehmen?
Speaker3: Ja, und weil es auch teilweise einfach viele Sachen, was Pflege macht oder was
Speaker3: Pflege machen könnte, wird nicht finanziert und dann fällt das immer hinten runter.
Speaker3: Das ist natürlich auch immer so eine Schwierigkeit, gerade in der ambulanten
Speaker3: Versorgung. Also wir haben ja jetzt das Pflegekompetenzerweiterungsgesetz ist ja jetzt auf dem Weg.
Speaker3: Ich glaube, da wird sich auch nochmal was tun, gerade in der Primärversorgung.
Speaker3: Aber ich glaube, in Zukunft werden wir da einfach uns anders ein bisschen aufstellen müssen.
Speaker2: Bevor ich mich ganz emotional und auch mit einem kleinen weinenden Auge von
Speaker2: euch verabschieden möchte für dieses sehr schöne Interview, hätte ich ganz gerne noch von euch,
Speaker2: wenn ihr euch entscheiden müsstet, zwei, maximal drei Punkte,
Speaker2: die für euch das Wichtigste dieser Leitlinien sind, was würdet ihr da benennen?
Speaker2: Corinna, willst du mal anfangen?
Speaker1: Ja, ich fange gerne an. Ich nehme vielleicht als Punkt, Bewegung ist die beste
Speaker1: Medizin und das gilt eben auch für alte Menschen,
Speaker1: das gilt auch für Schmerzpatienten und für ältere Schmerzpatienten insbesondere.
Speaker1: Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt.
Speaker1: Und ein zweiter Punkt, der für mich wichtig ist, dass eine medikamentöse Dauertherapie,
Speaker1: meist nicht die Lösung ist, sondern dass wir da genauer hinschauen müssen.
Speaker1: Das sind so zwei wichtige Punkte.
Speaker3: Melina? Dann kann ich den dritten Punkt ergänzen, was aus meiner Sicht auch
Speaker3: nochmal so zu sagen wird.
Speaker2: Du darfst auch zwei eigene Punkte nennen.
Speaker3: Ich finde, die Leitlinie macht nochmal deutlich, dass Schmerzmanagement wirklich
Speaker3: eine Aufgabe von allen ist, die irgendwie an der Versorgung von geriatrischen
Speaker3: Patienten und Patientinnen beteiligt sind.
Speaker3: Und dass die Schmerzerfassung eben auch ein Teil ist, den alle mitgestalten müssen.
Speaker3: Sei es pflegende Angehörige, sei es Physiotherapie, Pflege und Ärzte an Ärzten.
Speaker2: Melina, Corinna, ich danke euch vielmals für dieses tolle Interview. Es war mir eine Ehre.
Speaker3: Vielen Dank.
Speaker1: Dankeschön, gerne.
Speaker3: Danke für die Einladung vor allem,
Speaker1: Dass wir bei dir nochmal unsere
Speaker3: Leitlinie auch vorstellen dürfen, weil die Implementierung, das ist natürlich
Speaker3: auch nochmal eine große Aufgabe.
Speaker3: Und ich hoffe, mit dem Podcast konnten wir ein bisschen dem einen oder anderen
Speaker3: die Leitlinie nochmal näher bringen.
Speaker0: Von meiner Seite auch aus der Ferne herzlichen Dank an Corinna und Melina.
Speaker0: Ein ganz, ganz tolles Interview, das ihr zu dritt geführt habt,
Speaker0: wo ich wirklich auch eine Menge jetzt noch gelernt habe.
Speaker2: Das dritte Schlüsselwort. SAPV.
Speaker2: Ja, war beeindruckend. Also ich finde, man hat auch nicht nur die Expertise
Speaker2: im Sinne, wie organisiere ich mir so eine Leitlinie und was für Arbeit steckt
Speaker2: eigentlich dahinter, aber man hat auch gesehen,
Speaker2: dass Corinna natürlich, das war schon gut, dass sie dabei war mit ihrer Fachexpertise.
Speaker0: Ja, das finde ich auch. Sag mal, es war jetzt ein wunderbares Schlusswort von
Speaker0: beiden, da muss man auch, glaube ich, gar nicht viel hinzufügen.
Speaker0: Gibt es von deiner Seite noch eine Sache, wo dir besonders am Herzen liegt,
Speaker0: was du noch gerne mit auf den Weg geben möchtest?
Speaker2: Ja, ich glaube, das habe ich jetzt mit dem, dass ich mich intensiv mit der Gary
Speaker2: Payne Lightning auseinandergesetzt habe, ist das mir noch mal so aufgefallen,
Speaker2: die Versorgung unserer älteren Mitbürger.
Speaker2: Das Scheint mir eines der wichtigsten Aspekte zu sein.
Speaker2: Und die Idee, die Corinna hatte und die finde ich ja auch sehr naheliegend ist,
Speaker2: dass man bestehende Strukturen in unserem Gesundheitssystem vielleicht nutzt,
Speaker2: um auch die Versorgung von älteren Menschen besser zu organisieren und zu gewährleisten.
Speaker2: Und da bietet sich unter anderem, finde ich, auch so ein SAPV-Team an,
Speaker2: was wir ja schon haben im Gesundheitssystem.
Speaker0: Ja, vielleicht machst du einmal SAPV kurz, das ist wahrscheinlich nicht jedem geläufig einmal kurz.
Speaker2: Ah, okay, ja, das SAPV, das ist ein spezialisiertes ambulante Palliativversorgung, dafür steht SAPV,
Speaker2: spezialisierte ambulante Palliativversorgung und die kümmern sich um die Versorgung
Speaker2: von palliativen Patienten.
Speaker2: Und dazu gehören natürlich viele Aspekte, Leistungsumfang und was die Teams
Speaker2: organisieren, alles drumherum.
Speaker2: Also die Rundum-Sorglos-Versorgungspaket für palliative Patienten in der Häuslichkeit.
Speaker0: Und du meinst, das könnte man gut auch nutzen, weil die Strukturen schon gegeben
Speaker0: sind und das Ausweiten dann auf bessere Versorgung von Schmerzpatienten,
Speaker0: die nicht palliativ sind?
Speaker1: Auf alle Fälle.
Speaker2: Ich meine, ich habe ein hochprofessionelles Team, was extrem spezialisiert ausgebildet ist,
Speaker2: um auch in Krisensituationen sich letztendlich strukturiert und entspannt mit
Speaker2: Einbeziehung der Angehörigen,
Speaker2: um jetzt in diesem Fall um einen Palliativpatienten zu kümmern. In jeder Lebenslage.
Speaker2: Das ist hochprofessionell und extrem spezialisiert.
Speaker2: Und ich glaube, der Weg, um ältere Menschen zu versorgen, ist gar nicht so weit weg.
Speaker0: Ja, das glaube ich auch. Und ich finde es immer, ich finde es ja eine sehr,
Speaker0: sehr gute Idee, auch bestehende Strukturen auch aufzugreifen.
Speaker0: Vielleicht eine Sache nur von meiner Seite.
Speaker0: Mir ist jetzt auch beim Hören des Interviews eigentlich erst klar geworden,
Speaker0: was denn für geriatrische und auch für ältere Schmerzpatienten in Zweifelsfall wirklich,
Speaker0: dass da durch den Schmerz oder durch eine schlechte Therapie in Zweifelsfall
Speaker0: die gesamten Lebensumstände geändert werden müssen mit Umzug in Teilen etc.
Speaker0: Also die Stakes sind high, würde man ja mal sagen.
Speaker0: Das steht ja für die Patienten wirklich viel auf dem Spiel und das ist mir ehrlich
Speaker0: gesagt noch vorher gar nicht so in der Tiefe dann auch bewusst gewesen.
Speaker0: Daher danke ich auch nochmal für diese Erkenntnis, die ich allein aus diesem
Speaker0: Interview herausziehen kann.
Speaker2: Ja, wie Corinna es so ganz plakativ gesagt hat. Hopp oder top.
Speaker0: Und top, ja genau. Klar, wenn man das jetzt gesagt bekommt, ist es trivial,
Speaker0: aber vorher war es mir nicht so klar.
Speaker2: Stimmt, hast du recht. ist ein wesentlicher Aspekt. Vielen Dank,
Speaker2: Jan-Pier, dafür. Das ist vollkommen korrekt.
Speaker2: Ja, würde ich sagen, dann haben wir wieder mal eine schöne runde Folge über eine Leitlinie.
Speaker2: Das war ja unser großer Wunsch am Anfang des Jahres, dass wir dem mehr Raum geben.
Speaker2: Ich finde, das haben wir ganz gut geschafft.
Speaker2: Und das schon im Februar, muss man sagen. Also schneller geht es ja gar nicht mit Wünsche umsetzen.
Speaker0: Das stimmt allerdings.
Speaker2: Genau. Und hast du noch irgendwas zu sagen?
Speaker0: Ja, die interessanteste Leitlinie, die ich übrigens gefunden habe,
Speaker0: das war die Schmerztherapie bei Hämophilie.
Speaker2: Oh, ja.
Speaker0: Interessant, aber ist vielleicht ein bisschen zu speziell.
Speaker2: Ich weiß nicht. Ja, vielleicht findet sie ja doch den Weg in dem Podcast. Muss man mal schauen.
Speaker0: Wir werden sehen.
Speaker2: Sehen es, genau. Wenn da Wünsche von den Hörern kommen, dann würden wir denen
Speaker2: wahrscheinlich auch Raum geben.
Speaker2: Es müssen nur Wünsche an uns herangetreten werden.
Speaker0: Ich habe auf jeden Fall Wünsche für dich. Ich wünsche dir nämlich ganz,
Speaker0: ganz viel Spaß auf deiner Fortbildung, die du machst.
Speaker0: Und komm heil wieder nach Hause.
Speaker2: Ja, das ist ganz lieb. Ja, vielen Dank Jan-Pher und von meiner Seite aus Gesundheit
Speaker2: an alle und ja, bleibt gesund.
Speaker0: Bleibt neugierig.
Speaker2: Wir bedanken uns und freuen uns wieder auf dich, wenn das heißt, der Schmerzcode.
Speaker2: Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information
Speaker2: und allgemeinen Weiterbildung.
Speaker2: Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten
Speaker2: diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar.
Speaker2: Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit,
Speaker2: noch kann die Aktualität, Richtigkeit
Speaker2: und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.
Speaker2: Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder
Speaker2: Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn,
Speaker2: Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
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