Podcast Folge 20 - Neue Studie, neue Chancen? Winfried Meissner klärt auf

Shownotes

Gastgeber

Dr. med. Marco Wintruff

Dr. med. Jan-Peer Rogmann

Gast

Prof. Winfried Meissner

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Fortbildungspunkte

Die Ärztekammer Hamburg hat die Veranstaltung (Podcast) mit 1 Punkt anerkannt. Der/Die CME-Punkt/e können unter der Angabe der notwendigen Schlüsselwörter bis zu 14 Tage nach der Veröffentlichung, unter folgendem Link, beantrag werden: https://forms.gle/7k95zeiEu6KScJLw5

Literatur und kurze Zusammenfassungen

(1) Karst, M., Meissner, W., Sator, S. et al. Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial. Nat Med 31, 4189–4196 (2025). https://doi.org/10.1038/s41591-025-03977-0.

Zusammenfassung: In dieser multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Studie wurden 820 Erwachsene mit chronischem unspezifischem Rückenschmerz eingeschlossen (VER-01 n = 394; Placebo n = 426). In der 12-wöchigen doppelblinden Phase reduzierte der Cannabis-Vollspektrumextrakt VER-01 die Schmerzintensität signifikant stärker als Placebo (−1,9 NRS; Differenz −0,6; p < 0,001). Bei Patientinnen und Patienten mit neuropathischer Schmerzkomponente zeigte sich ebenfalls eine signifikante Verbesserung. In der anschließenden offenen Langzeitphase nahm die Schmerzreduktion weiter zu und blieb stabil, während im randomisierten Entzugsteil der primäre Endpunkt nicht erreicht wurde, jedoch ein stärkerer Schmerzanstieg nach Absetzen beobachtet wurde. Nebenwirkungen traten häufiger unter VER-01 auf, waren überwiegend mild bis moderat, und es zeigten sich keine Hinweise auf Abhängigkeit oder relevante Entzugssymptome.

(2) Hsu M, Shah A, Jordan A, Gold MS, Hill KP. Therapeutic Use of Cannabis and Cannabinoids: A Review. JAMA.2026;335(4):345–359. doi:10.1001/jama.2025.19433.

Zusammenfassung: Die Autoren fassen die aktuelle klinische Evidenz zur therapeutischen Nutzung von Cannabis und Cannabinoiden zusammen. Etwa 27 % der Erwachsenen in den USA und Kanada geben an, Cannabis schon einmal zu medizinischen Zwecken verwendet zu haben, und rund 10,5 % nutzen CBD speziell therapeutisch. Zulassungen bestehen für bestimmte Indikationen wie HIV/AIDS-bedingte Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie sowie bestimmte epileptische Erkrankungen im Kindesalter, basierend auf zugelassenen Cannabinoid-Medikamenten (z. B. Dronabinol, Nabilone). Meta-Analysen zeigen dabei kleine bis moderate Effekte auf Übelkeit/Emesis und Gewichtszunahme bei HIV/AIDS im Vergleich zu Placebo. Für die meisten anderen Indikationen – z. B. akute Schmerzen oder Schlafstörungen – reicht die Evidenz nicht aus, um eine generelle Wirksamkeit zu belegen. Leitlinien empfehlen nicht den Gebrauch von inhalierter oder hochpotenter Cannabisform (≥ 10 % THC) zu medizinischen Zwecken, da damit ein höheres Risiko für psychotische Symptome und Angststörungen verbunden ist. Zudem zeigen Beobachtungsdaten, dass etwa 29 % der medizinischen Cannabis-Nutzer Kriterien einer Cannabis-Gebrauchsstörung erfüllen, und täglicher inhalierter Konsum ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse assoziiert. Die Autoren betonen, dass klinische Evidenz insgesamt begrenzt ist und vor einer Empfehlung zur medizinischen Anwendung eine Nutzen-Risiko-Abwägung im individuellen Fall sowie Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen notwendig ist.

Die Zusammenfassungen wurden mit der Unterstützung von ChatGPT erstellt.

Hardware

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Musik und Gestaltung

GarageBand, Version 10.4.10, Soundmediathek 1178, Titelmusik: „Collins Avenue Long“

Podcast-Logo: Privatbilder mit modifiziertem Hintergrundbild nach „matrix_plot.png“ von https://www.r-bloggers.com; „Matrix-style screensaver in R“, Layout via Microsoft®️PowerPoint for Mac, Version 16.80 (23121017)

Podcast Begrüßung, Verabschiedung und Ansagen: Text-To-Speech via https://elevenlabs.io/text-to-speech (Freya)

Audioüberarbeitung

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Disclaimer

Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch können die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.

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Transkript anzeigen

Speaker1: Moin Moin zu der Schmerzcode. Der Podcast, in dem Jan-Per und Marco wichtige

Speaker1: Themen zum Mysterium Schmerz einfach und praktisch aufschlüsseln wollen.

Speaker0: 20. Folge von der Schmerzkode, der Podcast, der das Mysterium Schmerz einfach

Speaker0: und praktisch entschlüsselt.

Speaker0: Und ich finde, Jan-Pier, wir machen da einen guten Job, oder?

Speaker1: Also du hast erstmal ein fantastisches Intro gesprochen.

Speaker0: Hätte nicht besser sein können.

Speaker1: Ja, ich finde auch, wir machen ganz gut. Wir haben auch vor allen Dingen lange

Speaker1: durchgehalten. 20 Podcast-Folgen hätte ich mir am Anfang jetzt nicht so ausgemalt.

Speaker0: Wir hatten damals ja gesagt, Mensch, lass uns mal nach der 10.

Speaker0: Folge uns zusammensetzen. ehrlich in die Augen gucken und uns einfach mal fragen

Speaker0: und auch ganz kritisch hinterfragen, machen wir es weiter oder nicht.

Speaker0: Ich fühle mich sehr wohl, dass wir es weitergemacht haben.

Speaker1: Ja, ich mich auch und ich freue mich auch immer, dass wir uns ehrlich in die Augen gucken.

Speaker1: Marco, wie war es in St. Antoine? Wie war der Rest?

Speaker0: Ah ja, stimmt, ja, das war super. Ich finde, das ist ja... Ja,

Speaker0: ganz leid. Ja, das darf es auch sein.

Speaker0: Das ist ja immer ein Kongress, als wenn du alle vier Säulen abgreifst und da

Speaker0: das Up-to-Date einmal geballt, gebündelt, präsentiert bekommst.

Speaker0: Das ist schon großartig.

Speaker1: Also Ski, Up-to-Sea und Hütte und...

Speaker0: Woher wusste ich, dass genau das von dir kommt?

Speaker1: Es spricht nur der Neid aus mir. Es tut mir leid.

Speaker0: Wahrscheinlich ist es so. Nee, ich hatte mich ja, wie ich dir schon angekündigt

Speaker0: hatte, mit Winfried Meisner verabredet, Weil mir auch unter anderem aufgefallen ist,

Speaker0: dass die Podcast-Folge mit dem Interview mit Winfried Meissner vom letzten Jahr,

Speaker0: dass das die meistgehörteste Podcast-Folge unserer kompletten Serie ist.

Speaker0: Das hatte mich sehr beeindruckt.

Speaker1: Das erste Schlüsselwort.

Speaker0: Interview.

Speaker1: Das wusste ich auch nicht. Es war auch eine der lustigsten Folgen, fand ich.

Speaker0: Ja, weiß ich auch nicht. Also die Folge hat mir sehr viel Spaß gemacht,

Speaker0: muss man ganz ehrlich sagen. Ja, mir auch.

Speaker1: Und es war vor allen Dingen auch unfassbar informativ.

Speaker0: Ja, besonders der Bereich.

Speaker1: Zumal wir da alle drei Ebenen durchgeguckt haben. Das war schon sehr interessant.

Speaker0: Ja, finde ich auch.

Speaker1: Das zweite Schlüsselwort.

Speaker0: Winfried. Naja, und dementsprechend konnte ich es mir einfach auch nicht nehmen

Speaker0: lassen, Winfried Meister nochmal anzuschreiben und mich mit ihm zu verabreden.

Speaker0: Und ja, dieses Interview war großartig.

Speaker1: Worüber habt ihr denn gesprochen?

Speaker0: Also mein Vorschlag wäre, dass wir einfach da direkt mal reinhören. Was hältst du davon?

Speaker0: Ja, das machen wir. Genau, ich hatte ihn gefragt, natürlich wieder mal als erste

Speaker0: Frage, dass er sich bitte einmal nochmal vorstellen soll.

Speaker1: Ja, mein Name ist Winfried Meissner. Ich bin Anästhesist von meiner Ausbildung

Speaker1: her und habe mich schon seit vielen Jahren eigentlich auf die Schmerzmedizin

Speaker1: und seit einiger Zeit auch auf die Palliativmedizin spezialisiert.

Speaker1: Ich arbeite in Jena an der Uniklinik, leite dort, wir nennen das bei uns Sektion

Speaker1: Schmerzmedizin mit Ambulanz, mit Akutschmerzdienst, Konsildienst und einer relativ

Speaker1: großen multimodalen Schmerztherapie, die wir als Tagesklinik durchführen.

Speaker1: Und ich arbeite zur anderen Hälfte auf der Palliativstation.

Speaker1: Wissenschaftlich liegt mein Schwerpunkt weitgehend im Bereich postoperative,

Speaker1: operative Schmerztherapie.

Speaker1: Wir haben ja seit vielen Jahren ein großes Schmerzregister aufgebaut,

Speaker1: das Quipsregister oder international heißt es Pain-Out-Register,

Speaker1: aber haben so links und rechts auch ein paar andere Forschungsprojekte,

Speaker1: die mit weiteren Themen der Schmerzmedizin zu tun haben.

Speaker1: Und seit kurzem auch, ja, sind wir auch so ein klein wenig aktiv auf dem Bereich

Speaker1: medizinisches Cannabis.

Speaker0: Okay, damit hast du mir ja meine Vorwegfrage schon fast beantwortet.

Speaker0: Ich habe mich nämlich gefragt, als ich ja den Kontakt erneut nach gut zwölf

Speaker0: Monaten wieder bei dir aufgenommen habe.

Speaker0: Übrigens, vielen Dank nochmal für das erste Interview, für den ersten Podcast,

Speaker0: einer der beliebtesten Podcast-Folgen übrigens bei uns von der Schmerzkode.

Speaker0: Darum war es ja ein mentales Muss, dass wir uns zum Interview 2.0 nochmal treffen.

Speaker0: Da hatte ich dich eingangs gefragt, was für ein Thema für dich ganz interessant

Speaker0: wäre. Da hattest du mir sofort das Thema Cannabinoide vorgeschlagen.

Speaker0: Vielleicht kannst du das nochmal erläutern. Liegt das genau daran,

Speaker0: was du eben gerade sagt hast?

Speaker1: Ja, also wie gesagt, es ist jetzt nicht mein absolutes... Das zweite Schlüsselwort.

Speaker1: Es gibt sicherlich in Deutschland ein paar Leute, die noch wesentlich erfahrener sind.

Speaker1: Aber einerseits haben wir uns klinisch schon sehr lange damit beschäftigt,

Speaker1: haben auch vor über 15 Jahren auch an einer größeren Studie zur Wirksamkeit

Speaker1: von Dronabenol bei Appetitlosigkeit in der Palliativmedizin teilgenommen,

Speaker1: haben zwischendurch auch mehrere klinische Studien daran teilgenommen.

Speaker1: Und auf der anderen Seite aus politischer Sicht in meiner Zeit im Präsidium

Speaker1: der Deutschen Schmerzgesellschaft haben wir die Entwicklung der Vermarktung

Speaker1: und medizinischen Cannabis und auch des Cannabis-Gesetzes,

Speaker1: Und einmalig ist, weil es ein Medikament ohne Zulassung erstattungsfähig macht,

Speaker1: haben wir diese Entwicklung eigentlich sehr kritisch begleitet,

Speaker1: weil eigentlich aus meiner Sicht nicht so ganz klar ist,

Speaker1: warum bei einem bestimmten Medikament nicht die gleichen Regeln gelten sollten

Speaker1: wie bei allen anderen Medikamenten, die eben strenge Zulassungskriterien durchlaufen müssen.

Speaker1: Und haben immer schon eigentlich gesagt, wir brauchen eh nicht gute Daten für

Speaker1: medizinische Cannabinoide und dann würden wir auch durchaus uns mit Empfehlungen

Speaker1: und Leitlinien und so weiter leichter tun.

Speaker1: Und ja, und jetzt bin ich sozusagen ein klein wenig mitbeteiligt an einer solchen

Speaker1: Studie und die Tatsache führt dazu,

Speaker1: dass ich vorgeschlagen habe, dass wir uns noch ein bisschen darüber unterhalten,

Speaker1: denn das ist eine Studie, die aus meiner Sicht zumindest ein bisschen so diese Forderung erfüllt,

Speaker1: die von vielen Schmerztherapeuten, Schmerztherapeutinnen immer aufgestellt wurde,

Speaker1: nämlich methodisch sauber verblindet.

Speaker1: So ein Produkt sich mal ein bisschen näher anzusehen.

Speaker0: Jetzt ist natürlich die Gretchen-Frage, wie hältst du es mit soliden Daten?

Speaker0: Also bietet die Studie denn jetzt Daten, wo du sagst, okay, jetzt haben wir was,

Speaker0: wo ich auch, obwohl es da mit den gesetzlichen Eckpunkten noch so ein bisschen

Speaker0: hapert, aber womit man jetzt rangehen kann und sagen, okay, das ist was für unsere Patienten?

Speaker1: Vielleicht nochmal kurz zum Rückblick. Die jetzige Situation ist ja dadurch

Speaker1: gekennzeichnet, dass medizinisches Cannabis von mehr oder weniger jedem und

Speaker1: jeder klinisch tätigen Ärztin oder Arzt rezeptiert werden kann.

Speaker1: Es gibt keine Zulassung, damit gibt es auch keine Indikation und im engeren

Speaker1: Sinne eigentlich auch keine Kontraindikation. Das heißt, im Grunde für jedes,

Speaker1: ich sag mal, Wehwehchen kann man Cannabinoide verschreiben.

Speaker1: Es droht natürlich das Risiko des Regresses. Das ist auch eine große Belastung

Speaker1: für die Kolleginnen und Kollegen.

Speaker1: Aber im Prinzip ist es ein, ich sag mal, ungeregelter Markt,

Speaker1: wo auch so ein bisschen die Meinungen aufeinanderprallen. die pro Fraktion sagt,

Speaker1: ja, Cannabis ist super, hilft gegen alles und schadet überhaupt nicht.

Speaker1: Die Kontrafraktion sieht das sehr kritisch.

Speaker1: Und diese Studie, über die wir jetzt heute ja auch ein bisschen sprechen,

Speaker1: die hat genügt schon hohen methodischen Ansprüchen, ist ja auch eine Studie,

Speaker1: die im Rahmen der geplanten Zulassung dieses Produktes entstanden ist.

Speaker1: Das heißt, sie befolgt die Anforderungen, die von den Zulassungsbehörden an

Speaker1: solche Studien gestellt werden. Und

Speaker1: Das kann dazu führen, damit rechnet die Firma, dass eben dieses Produkt,

Speaker1: was in der Studie untersucht wurde, für die Indikation, die Gegenstand der Studie

Speaker1: war, möglicherweise demnächst eine offizielle Zulassung erhält.

Speaker1: Und dann gelten sozusagen die gleichen Spielregeln wie für alle anderen zugelassenen Medikamente,

Speaker1: dass das Medikament eben dann verschrieben werden kann, wenn die Indikation

Speaker1: stimmt, also die Patientinnen und Patienten, die Symptome haben,

Speaker1: für die es eben zugelassen ist. Und das finde ich eigentlich eine gute Entwicklung.

Speaker1: Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass es nicht so ganz nachvollziehbar ist,

Speaker1: warum eben nur für medizinisches Cannabis gar keine im engeren Sinne Wirkungsnachweise

Speaker1: bisher erforderlich waren.

Speaker1: Und das könnte sich jetzt ändern.

Speaker0: Wo siehst du denn das Einsatzgebiet für diese Cannabinoide? Du hast es ja eben

Speaker0: schon die Rückenschmerzen genannt.

Speaker0: Gibt es so ein Spektrum, so bestimmte Schmerzsyndrome, die in diese Schublade hineinpassen?

Speaker1: Also ich würde mich ein bisschen auf diese Studie beziehen, weil wie gesagt,

Speaker1: bisher war die Situation so, dass die meisten Daten von Patientinnen und Patienten

Speaker1: mit Multiple Sklerose stammten, zum Teil auch bei anderen neuropathischen Schmerzen

Speaker1: unterschiedlichste Cannabis-Präparate eingesetzt worden waren.

Speaker1: Die Evidenz war, wie ich schon andeutete, mehr als überschaubar und führte auch

Speaker1: dazu, dass die bisherigen Leitlinienempfehlungen zum Beispiel zur Therapie neuropathischer

Speaker1: Schmerzen oder jetzt vor ganz wenigen Wochen erschienen,

Speaker1: die neue Cochrane-Übersichtsarbeit zu Cannabinoiden bei neuropathischen Schmerzen,

Speaker1: keine Empfehlung aussprechen.

Speaker1: Ja, die neuropathische Schmerzleitlinie ist sogar eine Kontraempfehlung.

Speaker1: Also die haben gesagt, gebt kein Cannabis.

Speaker1: Die Cochrane-Analyse hält sich da ein bisschen bedeckter, sagt,

Speaker1: wir haben nicht genug Evidenz.

Speaker1: Wir brauchen eben weitere Studien. Aber das waren Daten, bevor diese Studie,

Speaker1: über die wir heute sprechen, eben erschienen ist.

Speaker1: Und in dieser Studie wurden Patientinnen und Patienten eingeschlossen,

Speaker1: die chronische Rückenschmerzen hatten, mindestens drei Monate bestehend,

Speaker1: auch eine gewisse Schmerzintensität musste vorhanden sein und es musste ein...

Speaker1: Konventioneller Therapieversuch zum Beispiel mit klassischen Nicht-Opioiden, Ibuprofen etc.

Speaker1: Erfolglos verlaufen sein. Also das waren jetzt nicht die Leute,

Speaker1: die zum ersten Mal mit Rücken zum Arzt kommen, sondern die schon mindestens

Speaker1: drei Monate, in der Regel meist sehr viel länger daran gelitten haben.

Speaker1: Also das war eben das Studienkollektiv und was bei den Daten unter anderem herauskam,

Speaker1: dass gegenüber Placebo eine Schmerzreduktion zu beobachten war.

Speaker1: Die war absolut gesehen nicht sehr groß, aber interessant war,

Speaker1: dass es Untergruppen gab, die wesentlich stärker profitiert haben.

Speaker1: Und das war die Untergruppe der Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen,

Speaker1: die neuropathische Symptome hatten, also Hinweise auf eine neuropathische Genese

Speaker1: oder zumindest eine Komponente.

Speaker1: Und insofern deutet dies an, dass insbesondere Schmerzzustände,

Speaker1: die mit einer neuropathischen Symptomatik einhergehen, möglicherweise besonders

Speaker1: gut geeignet sind, hier eine Cannabinoid-Therapie in Erwägung zu ziehen.

Speaker0: Und viele Privatanwender sagen ja, ach Mensch, abends rauche ich immer nochmal

Speaker0: schön eine kleine Bon, dann kann ich gut schlafen.

Speaker0: Gibt es da auch schon Zahlen in dieser Studie, die sagen, dass die Leute vielleicht

Speaker0: darunter auch besser schlafen können?

Speaker1: Ja, vielen Dank. Also das ist natürlich eine sehr spannende Frage.

Speaker1: Du deutest ja einerseits an, dass es natürlich eine ganze Reihe von Menschen

Speaker1: gibt, die Cannabinoide jetzt nicht aus medizinischer Indikation nehmen.

Speaker1: Schlafen ist schon ein spannendes Thema. Das kann ja durchaus ein medizinisches

Speaker1: Problem sein. Und in dieser Studie wurden auch Funktionen oder Funktionsverbesserungen

Speaker1: untersucht, beispielsweise Mobilität und auch Schlaf.

Speaker1: Und es zeigte sich, dass bei beiden Funktionen die Patientinnen und Patienten

Speaker1: in der Verum-Gruppe, also in der Cannabis-Gruppe, einen deutlich besseren Schlaf

Speaker1: beschrieben haben und eine deutlich bessere Alltagsmobilität als in der Kontrollgruppe.

Speaker1: Also insofern würde ich das als Vorteil der Studie ansehen, dass wichtige Funktionen

Speaker1: dort auch mit abgefragt worden sind und die Tatsache, dass sie verbessert worden

Speaker1: sind, finde ich einerseits notwendig.

Speaker1: Fast schon wichtiger als eine Schmerzreduktion. Auf der anderen Seite würde

Speaker1: ich nicht so weit gehen, dass jetzt allein, das war meine Aussage,

Speaker1: ich fühle mich besser, ich bin relaxter, dass das alleine eine Indikation sein

Speaker1: sollte für medizinisches Cannabis.

Speaker1: Wenn Schlafstörungen im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen einen Ausmaß

Speaker1: erreichen, dass es Menschen wirklich negativ beeinflusst, dann sehe ich eine

Speaker1: medizinische Indikation.

Speaker1: Wenn es, ich sag mal, mehr um Lifestyle geht, dann ist das ganz klar natürlich

Speaker1: keine Indikation, Cannabinoide einzusetzen.

Speaker0: Kannst du vielleicht noch einmal, das hatte ich wahrscheinlich einfach überhört,

Speaker0: aber kannst du mir nochmal was über das Cannabinoid sagen, was appliziert wurde?

Speaker0: Ist das so wie das damalige Dronabinol ein rein THC-Produkt oder ist es ein

Speaker0: Mischprodukt? Womit habt ihr da gearbeitet?

Speaker1: Genau. Also die Studie wurde ja von der Firma durchgeführt, die dafür die Zulassung

Speaker1: anstrebt und die haben sich sehr lange mit den unterschiedlichen zur Verfügung

Speaker1: stehenden Zuchtlinien beschäftigt.

Speaker1: Das in dieser Studie verwendete Präparat, das im Moment noch den Kürzel VER01

Speaker1: trägt, wird demnächst sicherlich einen anderen Namen bekommen,

Speaker1: das ist sehr stark THC-dominant.

Speaker1: CBD ist dort nur in sehr, sehr geringen Anteilen vorhanden.

Speaker1: Dafür sind eine ganze Reihe von

Speaker1: Terpenen in deutlich oder auch in genau quantifizierbarer Menge vorhanden.

Speaker1: So dass wir im Moment nur sagen können, in dieser Studie hat diese Kombination

Speaker1: eben einen gewissen Effekt gezeigt.

Speaker1: Ich persönlich glaube aber auch auf der Basis von einigen anderen Studien,

Speaker1: dass in der Schmerztherapie der analgetische Effekt weitgehend auf dem THC liegt

Speaker1: und eine THC-freie oder eine

Speaker1: eine Substanz mit einem sehr geringen THC-Anteil mag möglicherweise irgendwelche anderen

Speaker1: Wir Effekte haben, aber solange wir über Schmerzen reden, scheint THC doch der

Speaker1: entscheidende oder einer der entscheidenden Faktoren und Elemente in einem Cannabinoid zu sein.

Speaker1: So, dass ich auch solange dieses Medikament noch nicht zugelassen ist,

Speaker1: bei der Verschreibung anderer Paparate immer darauf achten würde,

Speaker1: dass zumindest ein gewisser THC-Anteil dort vorhanden ist.

Speaker0: Ich glaube, du sprichst auf diesen Encourage-Effekt ein, dass die Wirkung der

Speaker0: Terpene, die Wirkung von THC und CBD verändern.

Speaker1: Positiv heißt. Vor allem auch anti-inflammatorische Effekte werden ja dort diskutiert.

Speaker1: Das ist im Einzelnen natürlich jetzt nicht für jedes Therapie nachzuweisen und

Speaker1: es kann sich auch niemand hinstellen und sagen jetzt eine andere Zuchtlinie,

Speaker1: die vielleicht ein bisschen andere Zusammensetzung hätte, ist ein bisschen besser

Speaker1: oder ein bisschen schlechter.

Speaker1: Das wissen wir schlichtweg nicht. Wir können jetzt ja eigentlich nur mit den

Speaker1: Daten arbeiten, die im Moment da sind und die sind nun mal für dieses Produkt

Speaker1: da und ich würde es natürlich sehr begrüßen, wenn die Hersteller der anderen

Speaker1: Produkte ebenfalls ähnliche Studien auflegen würden,

Speaker1: sodass wir vielleicht sehen würden,

Speaker1: Produkt A ist jetzt für die Situation besser und Produkt B für die.

Speaker1: Aber im Moment haben wir eben diese Daten, über die wir heute sprechen,

Speaker1: nur eben für dieses Produkt VEA01.

Speaker0: Ja, das ist ja das, was wir uns immer wünschen, dass irgendwann die auch in

Speaker0: Konkurrenz sozusagen treten und dass man sie mal untereinander auch analysiert

Speaker0: und kontrolliert, kontrollierte Studien, am besten prospektiv, doppelblind, plant.

Speaker0: Ich habe noch gelernt, jedes Medikament, was ich gebe, hat auch so seine Nebenwirkung.

Speaker0: Was habe ich denn hier so zu erwarten und was hat die Studie dazu gezeigt?

Speaker1: Ja, also auch das hat einen großen Raum eingenommen. Ich will trotzdem mal einen Schritt zurückgehen.

Speaker1: Ich hatte ja vorhin gesagt, das primäre Outcome war die Schmerzlinderung in

Speaker1: den ersten 15 Wochen. Die Studie hatte mehrere Phasen.

Speaker1: Die betrug jetzt auf der NRS-Skala 0,6. Das will ich auch mal ganz deutlich

Speaker1: sagen, das ist nicht sehr viel.

Speaker1: Und es gibt durchaus auch kritische Stimmen, die sagen, das ist klinisch irrelevant.

Speaker1: Dem will ich jetzt im Prinzip auch gar nicht widersprechen. Ich glaube,

Speaker1: dass es erstmal andeutet, dass es per se jetzt kein, ich sag mal,

Speaker1: extrem starkes Schmerzmittel ist, mit dem sich jetzt alle Probleme lösen lassen,

Speaker1: sondern dass wir uns Subgruppen näher angucken sollten, für die entweder 0,6

Speaker1: schon relevant ist oder bei denen eben die Schmerzlinderung auch größer war.

Speaker1: Eine Subgruppe hatte ich ja schon erwähnt, das waren die Patienten und Patientinnen

Speaker1: mit neuropathischer Schmerzkomponente.

Speaker1: Was man auch dazu sagen muss, die Studie ging ja noch weiter,

Speaker1: die hat die Patienten dann auch noch lange nachbeobachtet.

Speaker1: Nach sechs Monaten war der Unterschied zur Ausgangssituation dann schon nicht

Speaker1: mehr 0,6, sondern schon 3,0, also erheblich länger.

Speaker1: Und was diese lange Nachbeobachtungszeit auch gezeigt hat, auch das finde ich

Speaker1: jetzt bei aller Vorsicht, weil das jetzt eben, wie gesagt, noch relativ frische

Speaker1: Daten sind, aber eher positiv,

Speaker1: es scheint keinen Gewöhnungseffekt und keinen Rebound-Effekt zu geben und die

Speaker1: Dosis wurde nicht etwa erhöht, sondern sogar noch leicht, fiel sogar noch leicht ab im Laufe der Zeit.

Speaker1: Also zumindest in der Zeit, in der die Patientinnen und Patienten nachbeobachtet

Speaker1: wurden in dieser Studie und das

Speaker1: war jetzt insgesamt sogar in einem kleinen Kollektiv zwölf Monate lang,

Speaker1: Gab es bis dahin, in diesen zwölf Monaten, kein Signal einer Toleranzentwicklung,

Speaker1: wie wir es ja von Opioiden kennen und kein Signal, dass jetzt die Schmerzen

Speaker1: wieder stärker zunehmen, sondern die Schmerzenlinderung blieb auf diesem Niveau.

Speaker1: Also das zur Effektivität.

Speaker1: Nebenwirkungen. Es gab Nebenwirkungen. Man muss ganz klar sagen,

Speaker1: die Dropout-Rate war in der Vérum-Gruppe viermal größer als in der Placebo-Gruppe.

Speaker1: Das klingt jetzt erstmal relativ viel.

Speaker1: Die lag, wenn ich mich richtig erinnere, ungefähr bei 17 Prozent und bei 4 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Speaker1: Also A, das ist genauso viel oder ein bisschen weniger als bei Opioidstudien

Speaker1: zu beobachten ist und B, diese Nebenwirkungen waren mild bis moderat,

Speaker1: also es ist nichts Gefährliches passiert,

Speaker1: aber die Patienten hatten einfach gesagt, ich habe mir schwindelig,

Speaker1: waren eben die üblichen Nebenwirkungen,

Speaker1: einige hatten Übelkeit, andere hatten eben andere Befindlichkeitsstörungen,

Speaker1: die stören mich, die möchte eben nicht mehr teilnehmen an der Studie.

Speaker1: Diese Nebenwirkungen traten ausschließlich in der Titrationsphase der ersten drei Wochen auf.

Speaker1: Wenn die Titrationsphase beendet wurde und der Patient bis dahin sozusagen das

Speaker1: Medikament eingenommen hatte, gab es so gut wie keine Dropouts mehr.

Speaker1: Und auch das ist eine gute Botschaft. Bei Opiaten ist es ja genau andersrum.

Speaker1: Die haben initial zwar auch einen Dropout wegen Übelkeit, aber dann sind sie

Speaker1: erst mal relativ begeistert, bis die Verstopfung kommt.

Speaker1: Und dort haben wir ja, das kennen alle, die mit Opiaten arbeiten,

Speaker1: Ja, dann eher im weiteren Verlauf dann viele Patienten, die gesagt haben,

Speaker1: am Anfang hat es mir super geholfen, jetzt will ich aber keinen Opiat mehr einnehmen.

Speaker1: Also da haben wir jetzt im Moment den Hinweis, dass diese milden bis moderaten

Speaker1: Nebenwirkungen zwar häufiger waren, aber nur in den ersten drei Wochen.

Speaker0: Das wollte ich dich gleich nochmal fragen, da kann man mal antworten.

Speaker0: Und zwar wollte ich gerne wissen, ob es Ideen schon darüber gibt,

Speaker0: ob es einen Langzeiteffekt, einen positiven, schmerzreduzierenden Langzeiteffekt

Speaker0: nach Absätzen dieser Therapie gibt.

Speaker1: Die Studie hatte, wie gesagt, die war recht komplex aufgebaut,

Speaker1: deswegen haben wir überhaupt auch nur teilgenommen, weil wir normalerweise an

Speaker1: solchen industriegesponserten Studien meist ungern teilnehmen,

Speaker1: weil der Aufwand irre groß ist.

Speaker1: Aber hier haben wir gesagt, die machen jetzt mal was, was wir eigentlich immer gefordert haben.

Speaker1: Und die hatte unter anderem also nicht nur die lange Nachbeobachtungszeit,

Speaker1: sondern hatte noch eine Phase, in der einem Teil der Patienten angeboten wurde.

Speaker1: Also die hatten zwischendurch dann alle das Verum bekommen, also alle hatten

Speaker1: dann offen das Cannabinoid bekommen.

Speaker1: Das war diese Phase, von der ich eben erwähnte, dass die Schmerzlinderung dann

Speaker1: bis auf drei Punkte unter den Ausgangswert gefallen war.

Speaker1: Und dann hatte man nochmal einem Teil der Patientinnen und Patienten angeboten,

Speaker1: Sie nochmal zu verblinden und dann verblindet entweder das Cannabinoid weiterzubekommen

Speaker1: oder ein Placebo, also sozusagen das Umgekehrte zu machen wie in der initialen

Speaker1: Phase, sie jetzt randomisiert zu entziehen.

Speaker1: Die eine Gruppe hatte dann Placebo, da wurde erwartet, dass die Schmerzen relativ

Speaker1: stark wieder ansteigen.

Speaker1: Die andere Gruppe hat weiter das Wehrum bekommen und da wäre zu erwarten,

Speaker1: dass die Schmerzen eben weiter gut gelindert bleiben.

Speaker1: Und gleichzeitig wollte man schauen, ob Entzugserscheinungen auftreten.

Speaker1: Es traten überhaupt keine Entzugserscheinungen auf. Es wurde ein sehr aufwendiges

Speaker1: und auch für uns arbeitsaufwendiges Instrument eingesetzt.

Speaker1: Also ein Fragebogen, der wirklich sehr detailliert nach auch nur den moderatesten

Speaker1: Entzugserscheinungen gefragt hat. Da gab es überhaupt keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen.

Speaker1: Wie gesagt, die waren verblindet, die wussten nicht, wer was bekommt.

Speaker1: Die Schmerzen stiegen in der Verum-Gruppe ein klein wenig an.

Speaker1: Also die, die weiter das Cannabis bekommen, hatten einen leichten Schmerzanstieg.

Speaker1: Die, das Placebo bekommen, hatten einen sehr viel stärkeren Schmerzanstieg.

Speaker1: Der unterschließt sich jetzt statistisch gerade nicht signifikant voneinander,

Speaker1: aber wenn man sich die Kurven ansieht, sieht man, dass die Schmerzen eben in

Speaker1: der Placebo-Gruppe deutlich schneller wieder in Richtung Ausgangsniveau angestiegen sind.

Speaker1: Und insofern gibt es Hinweise, also a, positiv keinen Zug, aber b,

Speaker1: es hat jetzt auch keinen über die Einnahme hinaus andauernden Effekt,

Speaker1: wenn das Medikament abgesetzt wird, so wie wir es auch von Ibuprofen kennen

Speaker1: und im Grunde von Opioiden,

Speaker1: Dann nehmen, wenn das Grundproblem nicht behandelt ist, nehmen die Beschwerden eben wieder Zug.

Speaker0: Wenn ich das also für mich einmal zusammenfasse, dass das Outcome sozusagen

Speaker0: der Studie, dass die Cannabinoide nicht Mittel der ersten Wahl sind,

Speaker0: dass wenn ich sie auftretiere, dass ich das am besten sehr langsam tue,

Speaker0: weil ich sonst ein hohes Rad an Nebenwirkungen mit sich bringt,

Speaker0: dass ich leider keine Langzeit schmerzreduzierenden Effekte sehe,

Speaker0: und dass ich zum Glück auch, obwohl ich es länger appliziere,

Speaker0: mit wenig bis gar keine Entzugssymptomatik zu rechnen habe. Ist das richtig?

Speaker1: Genau, also das kann man gerne so zusammenfassen. Ich glaube,

Speaker1: es ist nochmal ganz wichtig, darauf hinzuweisen, es ist überhaupt kein Wundermittel.

Speaker1: Und ganz wichtig, es ist nie, zumindest bis heute...

Speaker1: Mittel der ersten Wahl. Auch in der Studie wurde es ja erst eingesetzt,

Speaker1: wenn eine Standardtherapie mit Ibuprofen oder vergleichbaren Medikamenten gescheitert war.

Speaker1: Und auch wenn eine Zulassung jetzt kommen wird, vermute ich,

Speaker1: dass das auch die Voraussetzung sein wird, das Medikament anzuwenden,

Speaker1: das eben vor Therapien gescheitert sind. Und bisher würde ich das auch genauso unterschreiben.

Speaker1: Und ich würde ein bisschen weitergehen.

Speaker1: Genau wie Opioide, genau wie eigentlich jede pharmakologische Schmerztherapie,

Speaker1: sollten auch medizinische Cannabinoide niemals eine Monotherapie sein,

Speaker1: sondern in ein im weitesten Sinne multimodales Therapiekonzept eingebettet werden.

Speaker1: Denn wenn jemand drei Monate oder länger Schmerzen hat, dann spielen nahezu

Speaker1: immer eben auch psychosoziale Faktoren eine Rolle.

Speaker1: Und jetzt die Verlockung zu sagen, jetzt ist dieses tolle neue Cannabis,

Speaker1: gut verträglich, kein Entzug auf dem Markt, jetzt muss ich mir nicht mehr Gedanken

Speaker1: machen über meinen Lifestyle, über Probleme am Arbeitsplatz etc.

Speaker1: Diese Gefahr sehe ich durchaus, dass sozusagen eine auch physiotherapeutische Therapie etc.

Speaker1: Dann vernachlässigt wird zugunsten eines scheinbar leichten und schnellen Griffes

Speaker1: zur Tablette oder zu den Tropfen, in denen das Produkt wahrscheinlich auf den Markt kommen wird.

Speaker1: Also genau wie Opioide, genau wie jedes andere Schmerzmittel sollte auch das

Speaker1: medizinische Cannabis, das gilt generell nicht nur für dieses Produkt,

Speaker1: in ein Gesamtkonzept eingebettet werden.

Speaker0: Nur so ein enger therapeutischer Rahmen, aus dem man sich am besten nicht rausbewegt

Speaker0: und das gleich mit dem Patienten bespricht bei Therapiebeginn.

Speaker1: Und hier sehe ich ganz klar, also wenn mich Leute fragen, doch haben wir ja

Speaker1: keine Zulassung, wie gehen wir um mit Medikamenten, mit Menschen,

Speaker1: die nach medizinischem Cannabis fragen.

Speaker1: Ich verweise gerne auf die LONS-Leitlinie, auf die Leitlinie zur Opiat-Langzeittherapie

Speaker1: bei Nicht-Tumor-Schmerzen und im Grunde, ich sage mal so ein bisschen plakativ.

Speaker1: Braucht man nur das Wort Opiat durch das Wort Cannabis zu ersetzen.

Speaker1: Denn auch da steht drin, nicht Mittel der ersten Wahl.

Speaker1: Andere, vor allem nicht medikamentöse Therapiestrategien, müssen ausgereizt sein.

Speaker1: Und dann ganz wichtig, man sollte, und das gilt für Cannabis aus meiner Sicht

Speaker1: ganz genauso, vorher ganz klar kommunizieren, was sind unsere Therapieziele.

Speaker1: Es ist nicht eine Schmerzlinderung um 0,6. Es ist auch nicht eine Schmerzlinderung

Speaker1: um einen Punkt, sondern es ist bessere Funktion.

Speaker1: Und das kann beim einen Patienten sein, ich kann wieder arbeiten gehen.

Speaker1: Beim anderen, ich kann meinen Haushalt wieder machen. Beim dritten,

Speaker1: ich kann wieder Sport machen, an sozialen Aktivitäten teilnehmen.

Speaker1: Oder auch beim vierten, vielleicht ich schlafe wieder besser.

Speaker1: Aber das sollte man vorher besprechen.

Speaker1: Und das wird dann nach zwei bis drei Monaten re-evaluiert. Und wenn dann dieser

Speaker1: Effekt nicht eingetreten ist, sondern der Patient vielleicht sagt nur,

Speaker1: ja, ich bin abends entspannter,

Speaker1: bin irgendwie besser drauf, dann ist das nicht die richtige,

Speaker1: zumindest nicht die medizinisch richtige Behandlung für, ich sag mal,

Speaker1: Befindlichkeitsstörung.

Speaker1: Und diese sozusagen Kopplung an funktionelle Verbesserung und regelmäßige Re-Evaluierung

Speaker1: ist aus meiner Sicht das A und

Speaker1: O beim Umgang jetzt mit dem neuen oder mit medizinischen Cannabinoiden,

Speaker1: mit diesem Produkt, aber auch mit allen anderen Produkten, die auf dem Markt sind.

Speaker0: Die Studie hat sich ja an den Rückenschmerzen orientiert und daraus resultierende Therapie.

Speaker0: Wo siehst du noch Studien oder wo siehst du noch den Einsatzgebiet von Cannabinoiden?

Speaker0: Welche Erkrankung?

Speaker1: Also die Firma strebt ja die Zulassung an und hat ein wirklich,

Speaker1: muss man sagen, ehrgeiziges Studienprogramm aufgelegt.

Speaker1: Meines Wissens insgesamt acht Studien.

Speaker1: Zwei sind publiziert, über eine haben wir schon gerade ein bisschen gesprochen.

Speaker1: Die weiteren Studien, deren Ergebnisse sicherlich demnächst zu erwarten sind,

Speaker1: haben zum Beispiel die Diabetische Polyneuropathie.

Speaker1: Als Indikation ins Visier genommen und ja, und dort werden wir dann sehen.

Speaker1: Ich sagte ja bereits schon, auch aus den früheren Daten mit anderen Präparaten

Speaker1: gibt es zumindest vage Hinweise,

Speaker1: dass vor allen Dingen Menschen mit einer neuropathischen Schmerzkomponente oder

Speaker1: auch mit einer spastischen Schmerzkomponente möglicherweise ein bisschen mehr

Speaker1: von Cannabinoiden profitieren als Menschen meinetwegen mit akuten postoperativen

Speaker1: Schmerzen oder Tumordurchbruchschmerzen,

Speaker1: wo wir keinen Effekt beobachtet haben.

Speaker1: Sodass sich dieses im weitesten Sinne, sagen wir mal dieses Kollektiv von Menschen,

Speaker1: die chronische Schmerzen haben,

Speaker1: die eine neuropathische Komponente oder eine spastische Komponente haben,

Speaker1: hier würde ich einen Einsatz von Cannabinoiden erwägen.

Speaker1: Und vielleicht noch als Ergänzung, wir hatten eben über Ziele der Therapie gesprochen.

Speaker1: Ich möchte noch ein Ziel hinzufügen.

Speaker1: Neben Funktionsverbesserung kann es auch sein, und hier haben wir auch durchaus

Speaker1: wirklich auch in der Vergangenheit schon interessante,

Speaker1: Fälle bei uns selber behandelt, eine Therapie mit einem bisherigen Schmerzmedikament

Speaker1: zu reduzieren, wenn dieses Schmerzmedikament eben zur Nebenwirkung führt.

Speaker1: Das kann ein NSAR sein bei Patientinnen und Patienten mit einem hohen gastrointestinalen

Speaker1: Risiko oder das können eben auch Opioide sein bei Patienten,

Speaker1: die starke Verstopfung haben oder die vielleicht dann auch kognitiv beeinträchtigt

Speaker1: sind. Und auch das ist für mich ein legitimes Ziel.

Speaker1: Schmerzen sind zwar nicht besser, aber jemand muss keine Opiate mehr einnehmen.

Speaker0: Machst du das an einer Prozentzahl fertig? Sagst du, ich möchte ganz gerne mindestens

Speaker0: 20 Prozent Opiate reduzieren und das dann Therapieziel oder Therapieerfolg?

Speaker1: Also vielleicht ganz wichtig, für mich ist es nicht per se Therapieziel,

Speaker1: Opiate zu reduzieren. Ich bin jetzt kein Gegner von Opiaten.

Speaker1: Aber dann, wenn sie nicht mehr gut wirken oder eben die Patientinnen und Patienten

Speaker1: Nebenwirkungen oder Probleme haben. Und da sind ja leider doch schon eine ganze

Speaker1: Menge, die entweder sagen starke Verstopfung oder es hilft eigentlich nicht

Speaker1: mehr so richtig, aber ich kann es auch nicht absetzen, dann wird es noch schlimmer.

Speaker1: Wir kennen alle diese Fälle.

Speaker1: Das ist ja aus meiner Sicht das große Problem mit den Opioiden,

Speaker1: die kurzfristig sehr gut wirken in vielen Fällen, aber je länger man therapiert,

Speaker1: desto mehr Probleme kommen, Toleranzentwicklung und Wirkungsverlust.

Speaker1: Und wenn man hier jetzt dort die Opiadosis reduzieren oder sogar absetzen kann,

Speaker1: dann kann es in diesen Fällen aus meiner Sicht ein Lohnestherapieziel sein.

Speaker1: Klammer auf, noch haben wir keine Langzeitdaten von Cannabinoiden.

Speaker1: Ein Jahr ist nicht nichts, aber eben keine wirklichen Langzeitdaten.

Speaker1: Wir hoffen natürlich, dass diese Effekte eben oder diese Probleme jetzt bei

Speaker1: Cannabinoiden nicht auftreten. Aber das ist noch ein bisschen unklar.

Speaker1: Deswegen mahne ich da auch ein bisschen zur Vorsicht.

Speaker0: Das war ein schöner Abschlusssatz. Wenn wir uns beide jetzt in fünf Jahren hier

Speaker0: nochmal sehen, was glaubst du, was da so passiert ist? Was für Themen bewegen uns da?

Speaker0: Und wo siehst du da die Schmerztherapie?

Speaker1: Ja, also vielleicht bleiben wir erstmal nochmal bei dem Thema Pharmakologie. Ich erwarte,

Speaker1: dass wir dann auch von anderen Cannabis-Präparaten, anderen Herstellern doch

Speaker1: mehr methodisch gute Studien haben und stärker differenzieren können,

Speaker1: wo eine Indikation liegen könnte.

Speaker1: Dann auch diese jetzige unbefriedigende Situation mit der fehlenden Zulassung

Speaker1: dann ersetzt wird durch eine ganz normale Zulassung für bestimmte Indikationen

Speaker1: und für andere eben nicht.

Speaker1: Generell in der Pharmakologie, es gibt ein paar interessante Aspekte mit ein

Speaker1: paar neuen Medikamenten,

Speaker1: zum Beispiel einem Medikament, was an einem der sogenannten spannungsabhängigen

Speaker1: Natriumkanäle andockt und was gerade in den USA eine Zulassung für den akuten

Speaker1: Schmerz nach Operationen erhalten hat.

Speaker1: Die Effektivität finde ich jetzt nicht so super überzeugend,

Speaker1: aber es ist das erste Medikament einer wirklich völlig neuen Wirkklasse seit

Speaker1: vielen, vielen Jahren oder eigentlich muss man sagen Jahrzehnten.

Speaker1: Wenn das Medikament noch ein bisschen besser wirken würde, dann könnten wir

Speaker1: hier vielleicht auch was Neues auf dem Markt sehen.

Speaker1: Ansonsten glaube ich, dass wir sehr, sehr, sehr viel mehr sprechen werden über Variables.

Speaker0: Kannst du noch mal ganz kurz erklären für uns Zuhörer, was du unter Variables meinst?

Speaker1: Also hier gibt es ein großes Gebiet, wo der Begriff selber bedeutet ja erstmal

Speaker1: nur, dass Instrumente, Geräte, die Menschen mit sich rumtragen,

Speaker1: Körpersignale aufzeichnen und damit irgendwas passiert.

Speaker1: Im Bereich der Schmerztherapie, wir haben auch selber ein bisschen damit schon

Speaker1: gearbeitet, wird das einerseits dazu dienen, zum Beispiel...

Speaker1: Die Mobilisierung von Patienten zu dokumentieren. Wir machen das im Moment schon

Speaker1: nach Operationen, dass wir Patienten einen Activity Tracker geben und schauen,

Speaker1: wann kommen die wieder auf die Beine, einfach ausgedrückt.

Speaker1: Wir haben Hinweise, dass wir frühzeitig damit Komplikationen entdecken können

Speaker1: und wir wollen auch die Erfolge einer chronischen Schmerztherapie zukünftig

Speaker1: auch mit dieser Parameter körperlicher Aktivität besser messen und belegen können.

Speaker1: Also das glaube ich wird eine große Rolle spielen, aber es gibt natürlich ganz

Speaker1: viele andere Biosignale noch.

Speaker1: Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität. Es gibt Hinweise,

Speaker1: dass eine ausgeprägte Herzfrequenzvariabilität ein Hinweis sein könnte oder

Speaker1: einhergehen könnte mit einer Verbesserung einer chronischen Schmerzerkrankung.

Speaker1: Könnte also als Biosignal, als Biomarker von Schmerzerkrankungen oder auch zur

Speaker1: Therapiekontrolle dienen.

Speaker1: Und dort sind noch viele, viele andere Dinge denkbar.

Speaker1: Das ist ja erstmal nur die Messung von Signalen. Aber dann gibt es natürlich

Speaker1: auch Ansätze über Apps, über virtuelle Realität, wirklich Therapie zum Patienten,

Speaker1: zur Patientin zu bringen. Und hier stehen wir, glaube ich, erst ziemlich am Anfang.

Speaker1: Hier erwarte ich eine enorme Entwicklung.

Speaker1: Sicherlich auch nochmal individualisiert durch KI, durch selbstlernende Algorithmen,

Speaker1: die dann auch individualisierte Therapieansätze dem Patienten oder der Patientin vorschlagen werden.

Speaker1: Ich glaube, das wird ein ganz großes Gebiet werden.

Speaker1: Wobei ich auch hier, das ist jetzt mein persönliches Bauchgefühl, glaube, dass,

Speaker1: Diese Geräte genauso wenig wie eine Schmerztablette den Mensch-zu-Mensch-Kontakt

Speaker1: zwischen Patient, Patientin, Therapeutin, Therapeut jemals gänzlich ersetzen werden.

Speaker1: Ich glaube, dass das immer eine wichtige Rolle spielen wird,

Speaker1: allein schon um diese Therapien auszuwählen und zu initiieren.

Speaker1: Aber sie werden dann, ich sag mal, einen Teil des Follow-Ups abnehmen und werden

Speaker1: auch Patientinnen und Patienten idealerweise wieder zu ihren eigenen Therapeuten machen.

Speaker0: Aber es wird sicherlich ein weiterer Baustein in unserer multidisziplinären

Speaker0: Schmerzmedizin und Therapie sein.

Speaker0: Stichwort Virtual Reality finde ich auch ganz spannend. Das wird uns auch nicht loslassen.

Speaker0: Ja, Winfried, was soll ich sagen? Es war mir wieder eine Ehre,

Speaker0: nicht eine Freude, es war mir eine Ehre.

Speaker0: Ich sage nur Interview Professor Winfried Meissner 2.0.

Speaker0: Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und natürlich werde ich alle Literaturangaben,

Speaker0: über die wir gesprochen haben, werde ich in den Shownotes natürlich mit einpflegen,

Speaker0: dass sich jeder da auch nochmal belesen kann.

Speaker0: Und das ist ja auch eine sehr interessante und sehr gut gemachte Studie.

Speaker0: Ja, von meiner Seite aus bleibt es mir nochmal vielen, vielen,

Speaker0: vielen Dank für deine Zeit und natürlich deine Expertise.

Speaker1: Ja, ich danke dir. Es hat mir wirklich wieder viel Spaß gemacht und ich hoffe,

Speaker1: der eine oder die andere Hörerin haben einen gewissen Mehrwert durchzuhören

Speaker1: und freue mich auch gerne über Themenvorschläge.

Speaker0: Alles klar. Mach's gut. Tschüss.

Speaker0: Jan-Pier, das war gut, oder? Das hat mir richtig gut gefallen.

Speaker1: Ja, interessant, wirklich. Und natürlich, wie immer, direkt aus der Praxis.

Speaker0: Ja, das finde ich auch.

Speaker1: Direkt auch aus der Hot Zone, würde man mal sagen.

Speaker0: Ja, und auch nicht mit viel Blumentrara, sondern er hat auch mal ehrliche Worte

Speaker0: gefunden. Das fand ich ganz gut.

Speaker0: Aber was mir eingefallen ist, oder aufgefallen ist, wir haben die Studie noch gar nicht benannt.

Speaker0: Und das wollte ich nochmal schnell nachholen. Die kam aus Nature Medicine aus

Speaker0: von wann war das? Von 2025, Oktober glaube ich.

Speaker0: Mit dem Titel Full Spectrum Extract from Cannabis Sativa DKJ127 also der Name

Speaker0: des Produktes for chronic low back pain a fast three randomized placebo controlled trial.

Speaker0: Also grob zusammengefasst einfach eine multizentrische randomisierte placebo

Speaker0: kontrollierte Phase-3-Studie über Erwachsene mit chronischen und spezifischen Rückenschmerzen.

Speaker0: So würde ich es, glaube ich, grob zusammenfassen.

Speaker0: Und es waren ja auch innerhalb, es waren ja auch etwas über 800,

Speaker0: 820 Erwachsene, die da mit in der Studie eingeschlossen wurden.

Speaker0: Also, ich finde, natürlich werde ich die Details noch in die Shownotes reinpacken,

Speaker0: aber ich finde es eine spannende Studie.

Speaker1: Ja, ich finde es auch unheimlich spannend, dass es eigentlich,

Speaker1: so wie Winfried das ja auch gesagt hat, eine erste Wirksamkeitsstudie für Cannabis ist.

Speaker1: Und das war mir auch überhaupt gar nicht so klar, dass es eben diesen Nachweis

Speaker1: und diesen ganz formalistischen Gang in Deutschland als eine Medikamentenzulassung,

Speaker1: dass das noch gar nicht so richtig erfolgt wird.

Speaker1: Und vielleicht ist es ja auch so, dass es vielen Hörern auch so geht,

Speaker1: dass, Man denkt ja immer, das ist da zugelassen oder das irgendwie wird benutzt,

Speaker1: aber es hat dann noch keine Zulassung, dass da vieles durcheinander geht.

Speaker0: Ja, genau. Darum fand ich das auch gut, dass er das nochmal klar angesprochen

Speaker0: hat, dass es da auch keine Missverständnisse gibt.

Speaker1: Ne, und wenn man sich mal so, also in Deutschland gibt es jetzt gar keine Zulassung,

Speaker1: aber insgesamt auch weltweit, wenn man sich das anschaut, gibt es ja Cannabis auch gar nicht,

Speaker1: also wirklich offizielle Zulassungen, also jetzt für Schmerzen oder sowas,

Speaker1: das gibt es ja eigentlich gar nicht, also auch weltweit.

Speaker1: Also es gibt jetzt so ein Paper zum Beispiel aus dem JAMA von jetzt gerade 2026 ist das erschienen.

Speaker1: Da ging es auch komischerweise um den therapeutischen Nutzen von Cannabis und Cannabinoiden.

Speaker1: Wenn man dann für die USA mal schaut, da gibt es richtig harte Indikationen

Speaker1: für Cannabis. Es gibt es nur drei Stück, also drei Zinnassungen.

Speaker1: Und das ist einmal eine spezielle Form von Epilepsie im Kindesalter.

Speaker1: Dafür ist Cannabis zugelassen.

Speaker1: Dann gibt es Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen.

Speaker1: Das ist der zweite Zulassungsgrund.

Speaker1: Und die dritte Zulassung ist für Simulation von Appetit bei Patienten mit HIV und AIDS.

Speaker1: Und das ist eigentlich nichts mit Schmerz oder sowas. Also offizielle Zulassungen sind das nicht.

Speaker1: Und in Deutschland ist es ja genauso. Also jetzt können wir es vielleicht mal

Speaker1: verschreiben, Aber es ist eigentlich nicht offiziell zugelassen und deswegen

Speaker1: ist die Studie ja Gold wert und nochmal für Schmerz.

Speaker1: Und da wissen wir ja alle, und das sagen ja auch ganz viele Fachgesellschaften

Speaker1: und auch viele Meta-Analysen, dass das natürlich wirkt.

Speaker0: Ja genau, aber das hatte Winfried ja auch gesagt.

Speaker0: Man muss sicherlich sich einmal genau angucken, welches Patienten kollektiv...

Speaker0: Ich haben will für diese Therapie. Das ist jetzt kein Eilheilmittel,

Speaker0: wo ich das überall jedem geben kann.

Speaker0: Aber es ist ein zusätzliches Element, was in der Schmerztherapie sicherlich

Speaker0: seinen Bereich finden wird. Das glaube ich auch.

Speaker1: Ja, das glaube ich auch. Und zwar vielleicht wirklich mit einer klaren Indikationskernennung.

Speaker1: Und nicht nur mit einer Empfehlung von irgendeiner Fachgesellschaft,

Speaker1: die ja alle ihre Berechtigung haben, ohne Frage. Und wo ja auch vielfach untersucht

Speaker1: wurde, dass das ja hilfreich für die Patienten ist.

Speaker1: Aber nichtsdestotrotz eben ohne klare Zulassung. Finde ich ganz, ganz wichtig.

Speaker1: Was ich ja ganz interessant fand, jetzt wenn ich nämlich seine Äußerungen gerade

Speaker1: auch zum Beispiel für den Nutzen zur Schlafverbesserung sehe,

Speaker1: bin ich mal gespannt, weil das ist eigentlich,

Speaker1: widerspricht sich das zum Beispiel den Fachgesellschaften.

Speaker1: Also es gibt eine World Sleep Society, der im Jahr 2022 sich zum Beispiel gegen

Speaker1: die Gabe von Grab ist bei Schlafstörungen ausgesprochen.

Speaker1: Bin ich mal gespannt, wie sich das dann entwickeln wird.

Speaker0: Ja, da würde mich interessieren, was deren Grund dafür war, ob das ein Mismatch

Speaker0: zwischen REM und Tiefschlafphase ist, was das ja durchaus mal machen kann, diese Medikamente.

Speaker0: Das würde mich auch mal interessieren. Aber gut, das werden wir jetzt heute,

Speaker0: glaube ich, nicht gelöst bekommen.

Speaker1: Ja, das fühlt sich natürlich auch ein bisschen bei. Ja.

Speaker1: In jedem Fall sehr, sehr, sehr toll, sehr, sehr gut. Und ich bin gespannt,

Speaker1: was auch noch in den angesprochenen weiteren Studien, die ja noch am Laufen

Speaker1: sind, was da noch als zweites oder viertes, fünftes rauskommt.

Speaker0: Oh ja, ich glaube, es wäre nicht das letzte Mal, dass wir dieses Thema aufgegriffen haben.

Speaker0: Im Gegenteil, wenn diese Studien wirklich noch in der Pipeline sind und kurz

Speaker0: vor der Publikation oder vorab Ergebnisse, dann ist es definitiv etwas,

Speaker0: was wir nochmal besprechen sollten.

Speaker1: Ja, ich bin schon ganz gespannt.

Speaker0: Ich auch.

Speaker1: Das dritte Schlüsselwort.

Speaker0: Cannabis-Extrakt. Ja, ich finde, damit haben wir doch schon mal wieder was Rundes präsentiert, oder?

Speaker1: Ja, vielen Dank. Auch in die Ferne von meiner Seite.

Speaker1: Sehr schön.

Speaker0: Ja, ich würde sagen, auch vielen Dank an unsere Hörer und Hörer.

Speaker0: Ich würde mich auch hier wieder freuen, wenn es da vielleicht ein wenig Feedback

Speaker0: von euch geben könnte, dass wir wissen, wie wir das weitere Jahr gestalten,

Speaker0: dass es da vielleicht nochmal ein paar Ideen gibt, die wir aufgreifen können.

Speaker0: Und ich sage schon mal vielen, vielen Dank. Ich freue mich auf den nächsten

Speaker0: ersten Donnerstag im Monat, wenn es wieder heißt, die beste Podcast-Folge der

Speaker0: Welt, nämlich der Schmerzcode, erscheint.

Speaker0: Und ab 6 Uhr morgens auf allen gängigen Podcast-Plattformen und ich würde sagen,

Speaker0: bis dahin, bleibt gesund.

Speaker1: Bleibt neugierig.

Speaker1: Im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information

Speaker1: und allgemeinen Weiterbildung.

Speaker1: Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten

Speaker1: diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar.

Speaker1: Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit,

Speaker1: noch kann die Aktualität, Richtigkeit

Speaker1: und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.

Speaker1: Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder

Speaker1: Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn,

Speaker1: Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.

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