Ehlers-Danlos-Syndrom - Multisystemerkrankung verstehen
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Dr. med. Marco Wintruff
Dr. med. Jan-Peer Rogmann
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Anna
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Die Ärztekammer Hamburg hat die Veranstaltung (Podcast) mit 1 Punkt anerkannt. Der/Die CME-Punkt/e können unter der Angabe der notwendigen Schlüsselwörter bis zu 14 Tage nach der Veröffentlichung, unter folgendem Link, beantrag werden: https://forms.gle/7k95zeiEu6KScJLw5
Literatur und kurze Zusammenfassungen
Empfehlungen von Frau Anna:
https://ehlers-danlos-initiative.de
https://ehlers-danlos-organisation.de
(1) Westerman M, Kafkas A, Parry-Jones A, Strong S, Retzler C and Hallam G (2025) Neurobiological and neuropsychological disturbance in EDS. Front. Neurol. 16:1648702. doi: 10.3389/fneur.2025.1648702
Zusammenfassung: Die Übersichtsarbeit von Matthew Westerman und Kolleg:innen (2025) in Frontiers in Neurology zeigt, dass das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) weit über eine reine Bindegewebserkrankung hinausgeht. Viele Betroffene weisen neben den klassischen körperlichen Merkmalen auch neurologische und neuropsychologische Symptome auf, darunter chronische Schmerzen, Fatigue, Konzentrationsstörungen („Brain Fog“) sowie Angst und Depression. Als zentrale Mechanismen werden eine Beteiligung des Nervensystems diskutiert, insbesondere autonome Dysfunktionen mit Symptomen wie Kreislaufproblemen oder Herzrasen sowie Hinweise auf eine Small-Fiber-Neuropathie als mögliche Ursache neuropathischer Schmerzen. Darüber hinaus zeigen neurobiologische Studien Veränderungen in Hirnregionen, die für Schmerzverarbeitung, Emotionen und Körperwahrnehmung verantwortlich sind. Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass EDS als multisystemische Erkrankung verstanden werden sollte, bei der Bindegewebe, Nervensystem und psychische Faktoren eng miteinander verknüpft sind, was eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie erforderlich macht.
(2) Guerrieri, V.: Polizzi, A: Callogna, L.: Brancato, A.M.; Bassotti, A, Torriani, C.: Jannelli, E.: Mosconi, M: Grassi, FA.: Pasta, G. Pain in Ehlers-Danlos Syndrome: A Non-Diagnostic Disabling Symptom?. Healthcare 2023, 11,936. https//doi.org/103390/healthcarel1070936
Zusammenfassung: Der Review-Artikel „Pain in Ehlers-Danlos-Syndrom: A Non-Diagnostic Disabling Symptom?“ beschreibt Schmerz als eines der häufigsten und belastendsten Symptome bei EDS, obwohl er kein diagnostisches Kriterium darstellt. Die Autoren zeigen, dass Schmerzen unterschiedliche Ursachen haben können – darunter nozizeptive, neuropathische und zentral vermittelte Mechanismen – und im Verlauf der Erkrankung häufig zunehmen. Obwohl Schmerz unspezifisch ist und nicht zur Diagnosestellung beiträgt, hat er einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen und erfordert daher eine gezielte, individuelle Therapie.
(3) Börsch N, Mücke M, Maier A, Conrad R, Pantel JT, Sellin J, et al. Treating pain in patients with Ehlers–Danlos syndrome: Multidisciplinary management of a multisystemic disease. Schmerz. 2024;38:12–18. doi:10.1007/s00482-023-00778-7
Zusammenfassung: Der Artikel „Treating pain in patients with Ehlers-Danlos-Syndrom“ beschreibt Schmerz als zentrales klinisches Problem bei EDS und betont die Notwendigkeit eines multidisziplinären Therapieansatzes. Da es sich um eine multisystemische Erkrankung handelt, entstehen Schmerzen durch unterschiedliche Mechanismen wie Gelenkinstabilität, muskuläre Überlastung und neurologische Faktoren. Bis zu 90 % der Betroffenen leiden unter chronischen Schmerzen, die häufig mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergehen und im Verlauf komplexer werden. Die Autoren empfehlen daher ein individuell angepasstes, multimodales Behandlungskonzept, das sowohl nicht-medikamentöse Maßnahmen als auch medikamentöse Therapien umfasst und Begleiterkrankungen berücksichtigt. Insgesamt wird deutlich, dass eine effektive Schmerztherapie bei EDS ein interdisziplinäres und patientenzentriertes Vorgehen erfordert.
Die Zusammenfassungen wurden mit der Unterstützung von ChatGPT erstellt.
Hardware
MacBook Air, M2 (2022), Apple Inc., One Apple Park Way, Cupertino, Kalifornien, USA
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Podcast-Logo: Privatbilder mit modifiziertem Hintergrundbild nach „matrix_plot.png“ von https://www.r-bloggers.com; „Matrix-style screensaver in R“, Layout via Microsoft®️PowerPoint for Mac, Version 16.80 (23121017)
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Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch können die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
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Speaker0: Moin Moin zu der Schmerzcode, der Podcast, in dem Jan-Pier und Marco wichtige
Speaker0: Themen zum Mysterium Schmerz einfach und praktisch aufschlüsseln wollen.
Speaker2: Ja, herzlich willkommen zur 21.
Speaker2: Folge unseres Podcastes Der Schmerzcode. Der Podcast, der das Mysterium Schmerz
Speaker2: einfach und praktisch entschlüsselt. Jan Peer, herzlich willkommen.
Speaker1: Marco, schön, dass wir wieder zusammensitzen.
Speaker2: Oh, live, ne?
Speaker1: Seit längerer Zeit mal wieder. Du warst ja, ich will nicht sagen im Urlaub,
Speaker1: du hast dich ja fortgebildet. Und jetzt ist mal wieder Zeit,
Speaker1: dass wir zusammensitzen. Wie schön.
Speaker2: Ja, finde ich auch. Ich finde auch, Face-to-Face ist immer ein bisschen netter als am Telefon.
Speaker2: Wobei man könnte ja auch so eine Videokonferenz machen, wenn man ehrlich ist.
Speaker1: Ja, das haben wir ja auch gemacht, das ist auch gut. Aber manchmal ist der persönliche
Speaker1: Kontakt doch der schönste.
Speaker2: Ich musste in letzter Zeit an dich denken, weil du ja unseren Podcast immer
Speaker2: zum Ende hin sehr viel Werbung machst, dass Leute sich melden sollen mit Ideen
Speaker2: und du wirst es nicht glauben,
Speaker2: es hat sich eine Patientin bei uns gemeldet.
Speaker1: Das ist schön.
Speaker2: Ja, finde ich auch, finde ich großartig und wir haben das auch sofort genutzt
Speaker2: und ich habe die nette Dame angeschrieben und einfach gefragt,
Speaker2: Mensch, wollen wir nicht zusammen mal einen Podcast machen, genau zu dem Thema.
Speaker2: Jetzt darfst du es auflösen, was wir heute als Thema haben.
Speaker1: Ja, wir haben heute eine seltene Erkrankung. Wir haben heute das Ehlers-Danlos-Syndrom
Speaker1: und die damit verbundene Schmerzproblematik, die wir in den Mittelpunkt stellen wollen.
Speaker2: Ist ja eine spannende Erkrankung, muss man sagen.
Speaker1: Ja, vielfältig, spannend, ist tatsächlich eher eine seltene Erkrankung.
Speaker1: Prävalenz ist so 1 zu 5000.
Speaker1: Damit kann ja ehrlich gesagt niemand was anfangen.
Speaker1: Und deswegen habe ich auch nicht, ich konnte es gar nicht einordnen,
Speaker1: die Europäische Union, die sagt, dass Erkrankungen dann selten sind,
Speaker1: wenn sie eine Prävalenz von kleiner 1 zu 2.000 haben.
Speaker1: 1 zu 5.000 ist also seltener und insgesamt gibt es dann seltene Erkrankungen
Speaker1: weltweit, so zwischen 6.000 und 8.000, die zum Teil noch deutlich geringere
Speaker1: Prävalenzen haben, also sehr, sehr selten sind.
Speaker1: Aber 1 zu 5000 ist gar nicht so selten. Ehlers-Danlos ist so ähnlich wie Marfan-Syndrom,
Speaker1: so von der Häufigkeit, das ist ungefähr auch 1 zu 5000.
Speaker1: Oder zum Beispiel Osteogenesis Imperfecta, also Glasknochenkrankheit.
Speaker1: Also ist schon was Seltenes. Aber da habe ich mal zwei Patienten gesehen und
Speaker1: die laufen einem dann doch schon immer mal über den Weg. Also Ehlers-Danlos-Syndrom.
Speaker2: Ja, gehört, glaube ich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe,
Speaker2: zu den genetischen Bindegewebserkrankungen.
Speaker1: Dass du das so unfallfrei sofort sagen kannst. Wahnsinn, ne?
Speaker1: Ja, ist richtig. Genetische Bindegewebserkrankung.
Speaker2: Ja, schön. Und das ohne sprachlichen Stolpern, finde ich auch ganz gut.
Speaker1: Und da liegt ja auch der Schlüssel für diese Mannigfaltigkeit,
Speaker1: auf die wir gleich noch kommen werden, weil Bindegewebe haben wir tatsächlich überall im Körper.
Speaker1: Also es ist nicht nur, vielleicht hat man so ein Bild vor Augen,
Speaker1: das ist ja sowas wie, also was kennzeichnet diese Erkrankung,
Speaker1: das ist ja Hypermobilität der Gelenke.
Speaker1: Also man kennt ja so aus der Grundschule, na guck mal, ich kann den Daumen hier
Speaker1: an meinen Unterarm klappen oder ich kann den kleinen Finger umbiegen und so
Speaker1: weiter. Das ist auch ein Zeichen.
Speaker1: Weil da halt das Bindegewebe eben nicht so hypermobil ist.
Speaker1: Dann gibt es auch so diese Bilder mit der hypermobilen Haut,
Speaker1: die dann ganz weit weggezogen werden können.
Speaker2: Ja, das sind die klassischen Bilder, wenn man über das EDS redet.
Speaker1: Genau, aber klassischerweise, das sind auch zwei ganz typische klinische Befunde, die man immer findet.
Speaker1: Und das dritte klinische Befund ist, dass dieses Bindegewebe auch vulnerabler
Speaker1: ist, also nicht so fest und nicht so fragiler, so heißt es.
Speaker2: Also die Stabilität ist da nicht so gewesen.
Speaker1: Ja, Tissue Fragility.
Speaker2: Aber das macht uns ja auch als Notärzte extrem große Sorgen, wenn es um Gefäße geht.
Speaker1: Die haben natürlich genauso Muskulatur und Bindegewebe, da ist unser ganzer Körper aufgebaut.
Speaker1: Und da wir das überall im Körper haben, genau, es gibt es, ist immer da,
Speaker1: sind Malformationen oder Gefäßanomalien oder gefährdete Gefäße immer noch ein großes Thema.
Speaker1: Klar, und das ist im Notarztwesen, wenn man so einen Patienten hat,
Speaker1: ist das immer ein großes Thema.
Speaker2: Klar, Stichwort Aneurysma, das ist halt ein erhöhtes Gefahrpotenzial dafür.
Speaker1: Ganz genau.
Speaker0: Das erste Schlüsselwort.
Speaker2: EDS.
Speaker1: Aber vielleicht wollen wir es ein bisschen, vielleicht magst du es so ein bisschen
Speaker1: einfach mal strukturieren, ich rede ja einfach hier.
Speaker2: Ich glaube, genetische Bindegewebserkrankungen haben wir ja soweit schon festgelegt,
Speaker2: aber Achtung, es ist nicht nur Bindegewebserkrankungen.
Speaker2: Es gibt hier 13 anerkannte Subtypen, wenn es um das Ehlers-Danlos-Syndrom geht,
Speaker2: aber die wichtigsten Formen sind richtig die klassische Ehlers-Danlos-Syndrom-Subtypen,
Speaker2: nämlich das, was du eben erwähnt hast mit den Bindegewebserkrankungen,
Speaker2: aber auch das vaskuläre EDS oder die Hypermobilitäts-EDS.
Speaker2: Dass das, was ja immer damit einhergeht, dass man den Zeigefinger auf die Rückseite
Speaker2: des Unterarms biegen kann.
Speaker2: Das ist sehr beeindruckend, aber das ist nicht die isolierte Erkrankung.
Speaker2: Die bietet halt noch mehr.
Speaker2: Und diese Subtypen, besonders auch die hypermobile EDS,
Speaker2: Die ist halt aber, wenn man ehrlich ist, auch die deutlich häufigere von diesen ganzen Subtypen.
Speaker1: Man kann sich das vielleicht auch so ein bisschen ähnlich wie ein Kontinuum vorstellen.
Speaker1: Also es sind einzelne Subtypen, die eine klinisch ganz unterschiedliche Ausprägung
Speaker1: haben können, also von nur übermäßig bewegliche Gelenke bis hin.
Speaker1: Ja, also hypermobiles Elasdandos mit allen Gefäßmalformationen etc.
Speaker1: Es ist also irgendwie ein Kontinuum, wo sich die Patienten da bewegen.
Speaker2: Es gibt ja auch diverse Mischformen davon,
Speaker1: Oder? Ja, genau. Es gibt auch mehr so Mischformen.
Speaker2: Ja, das ist aber auch insgesamt alles sehr kompliziert, weil auch die genetische
Speaker2: Ursache bisher nicht eindeutig identifiziert ist.
Speaker2: Und wir hier das Problem haben, dass häufig die Diagnose hauptsächlich auf klinischen Kriterien basiert.
Speaker1: Genau. Und das ist ja seit 2016, da gab es die internationale Elas Danlos-Konferenz
Speaker1: und da wurde auch diese Klassifikation festgelegt, die dann,
Speaker1: wie du schon sagtest, mit den 13 Typen ist.
Speaker1: Und genau, da gibt es Mayo- und Mino-Kriterien, das führt jetzt vielleicht ein
Speaker1: bisschen weit, das muss man auch in der Diagnose nicht ausführen,
Speaker1: wo man dann zwei Mayo, ein Mino oder ein Mayo mehrere Mino-Kriterien haben muss,
Speaker1: um das dann zu diagnostizieren.
Speaker1: Aber du sagtest es ja, es ist vor allen Dingen eine klinische Diagnose flankiert
Speaker1: dann mit genetischen Tests und das macht es natürlich auch so schwierig,
Speaker1: diese Diagnose dann auch festzuziehen.
Speaker2: Ja, das ist richtig. Wenn man sich aber jetzt so die Gelenkhypermobilität anguckt,
Speaker2: dann haben die halt auch, wie auch im Vorfeld schon beschrieben,
Speaker2: überdurchschnittlich große Beweglichkeiten in den Gelenken.
Speaker2: Das wird ja immer eins zu eins assoziiert mit dieser Grunderkrankung.
Speaker2: Aber dadurch basierend auch ein erhöhtes Gefahr für klinische Zeichen,
Speaker2: die wir dann sehen in der Notaufnahme oder als Notarzt, nämlich Luxation,
Speaker2: Subluxation oder chronische Instabilitäten, wo es jetzt nur beim Sport oder
Speaker2: in der Freizeit ist, genau, richtig.
Speaker1: Absolut. Und wie du sagtest, es ist ja schon eine Multisystemerkrankung.
Speaker1: Also es beschränkt sich ja nicht nur auf diese Hypermobilität,
Speaker1: die dann am offensichtlichsten ist.
Speaker1: Es kann ja auch überall anders, wo Bindegewebe ist, hatten wir schon angesprochen,
Speaker1: auch Probleme geben, sei es in den Gefäßen, sei es im Magen-Darm-Trakt,
Speaker1: sei es in der Blase, Lunge, Augen, gesamtes Musculus, Ketalis-System.
Speaker1: Natürlich überall dann Probleme auftreten können, ist dann Schmerz auch immer
Speaker1: noch ein Ausdruck von diesen mannigfaltigen Problemen.
Speaker1: Und es ist ganz interessant, Schmerz ist jetzt kein diagnostisches Charakteristikum
Speaker1: dieser Erkrankung, aber es ist fast jeder Patient, der es hat, hat auch Schmerzen.
Speaker1: Nur es ist eben unspezifisch.
Speaker2: Ja, das ist das halt. Aber deswegen auch der Kreis, der sich dann hier schließt,
Speaker2: weswegen wir diese Erkrankung für uns persönlich auch so wichtig und dafür nochmal
Speaker2: danke an unsere Interviewpartnerin,
Speaker2: dieses Thema vorgeschlagen zu haben,
Speaker2: dass dieses kleine, es ist ja auch eigentlich so ein kleines Chamäleon,
Speaker2: wenn es um Schmerzen ist.
Speaker2: Es sind so verschiedene Schmerztypen, verschiedene Schmerzsensationen an verschiedenen
Speaker2: Orten, die macht das dann auch kompliziert in der Diagnostik.
Speaker1: Absolut, es gibt ja, man kann sich vielleicht ja, wenn man sich einen Patienten,
Speaker1: der, es ist ja eine genetische Erkrankung, die irgendwann klinisch manifest
Speaker1: wird, die ist ja immer da, aber klinisch manifest wird.
Speaker1: Und man kann sich ja diese Schmerzkarriere eines solchen Patienten auch sehr,
Speaker1: sehr lebhaft vorstellen.
Speaker1: Das beginnt dann mit zum Beispiel hypermobilen Gelenken, die dann immer wieder
Speaker1: traumatisiert werden, die kleine Mikrotraum haben und die dann natürlich immer
Speaker1: einen notsiziativen Schmerz machen.
Speaker1: Also immer dann eine Reizung, eine Entzündung, ein Erguss.
Speaker1: Und das ist ja so diese Anfangsform. Und man kann sich dann vorstellen,
Speaker1: das ist vielleicht am Anfang der Beginn, diese Schmerzform im Mittelpunkt steht,
Speaker1: sich im Laufe der Erkrankung aber die Schmerzart dann ändern kann.
Speaker1: Also über hypermobile Gelenke können genauso auch Nervenreizungen machen,
Speaker1: können Kompressionssyndrome machen.
Speaker1: Und dann hast du plötzlich dann neben der noziziativen Schmerzkomponente auch
Speaker1: eine neuropathische Schmerzkomponente.
Speaker1: Dann hast du andauernd so ein Cocktail im Körper aus chronischer Entzündung,
Speaker1: noziziativen Schmerzen und neuropathischen Schmerzen. Und das macht natürlich
Speaker1: dann auch, oder kann man sich gut vorstellen, auch eine zentrale Sensibilisierung.
Speaker1: Oder hast du schon die dritte Schmerzart oder Schmerzkomponente in einer Erkrankung?
Speaker2: Ja. auch häufig einhergehen.
Speaker2: Dann kommen noch orthostatische Intoleranzen, Schwindel beim Aufstehen,
Speaker2: die dann natürlich auch naheliegend sind, Tachycardien, Fatigue.
Speaker2: Letztendlich die Tachycardie auch häufig in Kombination mit dem POTS,
Speaker2: also dem posturalen orthostatischen Tachycardie-Syndrom, was auch nicht,
Speaker2: was häufig auch gar nicht erkannt wird, dass es dazugehört.
Speaker2: Das macht es natürlich für so einen Patienten nicht einfach,
Speaker2: dass Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass hier am Anfang auch wieder so ein
Speaker2: langer Weg, so ein langer Leidensweg
Speaker2: stattfindet, bis man überhaupt herausfindet, was man selber hat.
Speaker1: Ja, und das ist ja auch klassischerweise, man spricht ja von ungefähr einer
Speaker1: Zeit zwischen Symptombeginn und Diagnosestellung von roundabout zehn Jahren.
Speaker1: Und so lange machst du halt Arzt-Topping und keiner weiß so richtig, was mit dem los ist.
Speaker2: Ja, Wahnsinn, ne?
Speaker1: Ja, ist wirklich Wahnsinn. Ist ja noch schlimmer als beim Dunbar-Syndrom.
Speaker2: Da hatten wir das auch schon, aber da braucht man halt ein bisschen Glück,
Speaker2: dass man einen vernünftigen Diagnostiker in der Radiologie hat,
Speaker2: der so einen Dunbar dann auch sieht.
Speaker2: Den Luxus haben wir jetzt hier nicht mit einer radiologischen Diagnostik für
Speaker2: ein Ehlers-Dandus-Syndrom, leider.
Speaker2: Wie sieht das aus? Die haben ja ganz häufig gastrointestinale Symptome,
Speaker2: so Reflux und Magenentleerungsstörungen, Obszipation, Reizdarmsyndrom.
Speaker2: Hilft das, um da schneller an die Diagnostik des EDS zu kommen?
Speaker2: Hast du da mal was in der Literatur finden können?
Speaker1: Also ich habe dann spezifisch dafür nichts finden können, aber die gleiche Angabe,
Speaker1: die du eben gerade zitiert hast, dass es eben auch diese Symptome eben Ausdruck
Speaker1: dieser Erkrankung sein können.
Speaker1: Also ich glaube ehrlich gesagt, dass man oft an dieser Krankheit einfach vorbeischaut
Speaker1: und einfach gar nicht dran denkt.
Speaker2: Ja, was ich schon gemeint habe. Das ist dann doch im Detail so ein kleines Chamäleon.
Speaker2: Einer der vielen medizinischen Chamäleon.
Speaker1: Ja, und das ist halt immer das Problem der seltenen Erkrankungen.
Speaker2: Ja, leider. Was kann man da so machen? Kurativ, ist da was bekannt?
Speaker1: Nee, kurativ ist mir nichts bekannt. Theoretisch könnte man sich natürlich vorstellen,
Speaker1: dass es eine Heilung geben könnte durch Gentherapie.
Speaker1: Nun ist das aber auch die genetische Grundlage bei Ehlers-Danlos sehr vielfältig.
Speaker1: Das können Spontanmutationen sein, es können diverse kleinere genetische Fehler sein.
Speaker1: Es gibt nicht immer das eine Gen, was man dann auswechselt und dann wäre es alles in Ordnung.
Speaker1: Dementsprechend ist das, glaube ich, die Hoffnung noch in sehr weiter Ferne,
Speaker1: aber wir reden ja hier oftmals über bei Schmerzmedizin über Quality of Life,
Speaker1: also die Lebensqualität der
Speaker1: Betroffenen so gut zu erhalten und zu verbessern, wie es eben möglich ist.
Speaker1: Und es bieten sich hier die klassischen Bausteine einer jeden guten interdisziplinären
Speaker1: Schmerztherapie dann an.
Speaker1: Wobei hier ein großer, großer Fokus eben auf die nicht-pharmakologischen Interventionen her ist.
Speaker1: Also klassischerweise ist es wirklich die Physiotherapie und die Ergotherapie.
Speaker1: Das hat hier noch einen besonderen Stellenwert, weil Patienten mit Islas Danlos
Speaker1: verlieren auch gerne so diese Tiefensensibilität, die Propriozeption und die
Speaker1: zu schulen im Rahmen von der Physiotherapie ist halt sehr wichtig.
Speaker1: Das verbessert sozusagen die Empfindung, die Haltung, den Gang,
Speaker1: das Aufrechtestehen und das erhält natürlich auch die Muskulatur,
Speaker1: was auch ein großer Faktor ist, weil du, so habe ich es gelesen,
Speaker1: wir müssten eigentlich mal einen Physiotherapeuten fragen,
Speaker1: wie machst du da eigentlich Physiotherapie?
Speaker1: Also ich kann mir nicht vorstellen, dass du die klassisch irgendwie auf eine,
Speaker1: Gewichte auf die Schultern lädst und dann irgendwie da Squats mit denen machst,
Speaker1: also Kniebeugen, so das ist glaube ich schwierig irgendwie, also das ist ein
Speaker1: schwieriger Punkt, aber es ist ein großer Punkt.
Speaker2: Klar, aber dann hast du ja auch Übungen, Gleichgewichtsübungen,
Speaker2: die du durchführen kannst.
Speaker2: Letztendlich willst du eine vernünftige Anpassung von Alltagsbelastungssituationen
Speaker2: generieren, wo sich der Ergotherapeut, die Ergotherapeutin sicherlich auch gut
Speaker2: anbietet, hier eine Unterstützung darzustellen.
Speaker1: Ja, von der pharmakologischen Seite, also das ist ja nur ein Ausschnitt in Physiotherapie,
Speaker1: also psychologische Vertreuung ist wichtig, um das Coping zu machen,
Speaker1: alles, das gesamte Potpourri der Nicht-Pharmakologie kann man natürlich hier
Speaker1: wunderbar einsetzen, aber pharmakologisch natürlich auch.
Speaker1: Also gerade am Anfang der Erkrankung sind dann nichtsteroidale Antirheumatika, NSAIDs,
Speaker1: natürlich total sinnvoll, weil wir wissen, da hast du einen notsitiativen Schmerz,
Speaker1: du hast eine Entzündung und wenn du diese Entzündung bremsen kannst,
Speaker1: dann hast du natürlich auch einen großen Benefit.
Speaker1: Opiate ist möglich, aber ist glaube ich keine sinnvolle langfristige Therapie,
Speaker1: also im Einzelfall sicherlich immer möglich.
Speaker1: Da wir eine zentrale Komponente in der späteren Erkrankung von Vailas Danlos
Speaker1: haben, sind natürlich die klassischen Antidepressiva.
Speaker1: Das ist natürlich dann Trittische Antidepressiva oder SSRI sind natürlich auch sinnvoll.
Speaker1: Aber auch Cannabis. Hier ist es wieder.
Speaker2: Da ist es wieder.
Speaker1: Immer wieder mal eingesetzt von Vailas Danlos. Ja, genau.
Speaker2: Da sind wir auch gespannt, was so die nächsten Studienphasen jetzt auch im Zusammenhang
Speaker2: mit Rückenschmerz und da wissen wir, dass in der Pipeline noch andere Studien kommen.
Speaker2: Mal gucken, ob das Elisandus oder Äquivalent Erkrankungen mit ähnlichen Problemen
Speaker2: oder ähnlichen Neuropathien, die einhergehen, dass das vielleicht was ist.
Speaker2: Ich habe dir ja versprochen, dass wir noch eine Patientin interviewen wollen.
Speaker2: Wäre das jetzt der richtige Moment oder hast du noch was, was dir auf dem Herzen
Speaker2: liegt, hier nochmal was Rundes zu schaffen?
Speaker1: Also ehrlich gesagt, wollte ich dich genau das gleiche fragen,
Speaker2: Weil ich habe dir nämlich noch eine kleine Studie mitgebracht, die ich ganz gut finde.
Speaker1: Ja, vielleicht magst du, ich habe sie auch gelesen und vielleicht magst du sie
Speaker1: so ein bisschen, die arbeitet vielleicht ganz gut raus, wo im Augenblick so
Speaker1: ein bisschen die neueren Knackpunkte sind, die vielleicht interessante Anknüpfungspunkte sind.
Speaker2: Ja, es geht um Übersichtsarbeit von Matthew Westerman,
Speaker2: der mit seinen Kollegen zusammen im Frontier in Neurology jetzt im Jahr 2025
Speaker2: eine Studie rausgebracht hat und sich hier mit einer ganz wichtigen Frage beschäftigt hat,
Speaker2: was eigentlich mit dem Nervensystem beim Ehler-Danlos-Syndrom bei den Patienten passiert.
Speaker1: Ja, ist ja eigentlich auch eine Bindegewebeerkrankung.
Speaker2: Genau, traditionell ist es eine Bindegewebeerkrankung, genau.
Speaker2: Mit überwiegend, natürlich bei den Gelenken, das hatten wir ja auch schon gesehen,
Speaker2: das ist auch einer der wichtigsten der 13 Subtypen.
Speaker2: Empfindliche Haut und eine erhöhte Gewebefraktivität, das haben wir ja schon gesehen.
Speaker2: Aber die Autoren und Autoren zeigen auch deutlich, dass die Erkrankung weit
Speaker2: über das Bindegewebe hinausgeht und beschreiben diese Besonderheiten im Detail.
Speaker2: Nämlich viele Patienten und Patientinnen berichten nämlich über neurologische
Speaker2: Symptome, wie zum Beispiel chronische Schmerzen, Fatigue oder auch Konzentrationsprobleme
Speaker2: oder das, was viele Betroffene als Brain Fog beschreiben.
Speaker2: Dieses nicht richtig klar denken, dieses benebelt sein, das wird damit beschrieben.
Speaker2: Die Studie fasst letztendlich Hinweise
Speaker2: zusammen, dass bei EDS das autonome Nervensystem häufig betroffen ist.
Speaker2: Das kann zu Symptomen wie Schwindel, beim Aufstehen, das hatten wir ja auch
Speaker2: im Vorfeld schon gesehen, beim Potz, Herzrasen, Erschöpfung,
Speaker2: aber auch Probleme mit dem Magen-Darm-Tag führen.
Speaker2: Außerdem finden Sie in einigen Studien Hinweise auf eine Small-Fiber-Neuropathie,
Speaker2: also Schädigung kleiner Nervenfasern,
Speaker2: die unter anderem für Schmerz- und Temperaturwahrnehmung zuständig sind.
Speaker1: Also A-Delta- und C-Fasern.
Speaker2: Korrekt, um und zu.
Speaker1: Kleiner Hinweis auf die ersten Folgen.
Speaker2: Die ersten vier Folgen, darf man sich gerne nochmal anhören.
Speaker2: Besonders spannend ist aber auch, dass auch Veränderungen in bestimmten Gehirnregionen
Speaker2: beschrieben werden, die für die Schmerzverarbeitung, Emotion und Körperwahrnehmung wichtig sind.
Speaker2: Und das ist vielleicht auch etwas, wo man letztendlich Therapiekonzepte diesbezüglich
Speaker2: noch ein bisschen anpassen kann und sollte.
Speaker2: Also die zentrale Botschaft der Arbeit lautet deshalb, dass EDS wahrscheinlich
Speaker2: eine multisystemische Erkrankung, also nicht nur Bindegewebe,
Speaker2: sondern Bindegewebe, Nervensystem und Schmerzverarbeitung, dass das alles eng
Speaker2: miteinander verbunden ist.
Speaker2: Und genau das ist sozusagen auch dann der wichtige Aspekt, der hier im Vordergrund kommt.
Speaker2: Letztendlich ist das ja auch etwas, was wir vielleicht dann im Detail von einer
Speaker2: Patientin hören können, die da auch schon ein paar Jahre mit Erfahrung hat.
Speaker1: Ja, ich bin sehr, sehr gespannt und ich bin sehr dankbar, welche Geschichte
Speaker1: wir jetzt zu hören bekommen.
Speaker0: Das zweite Schlüsselwort.
Speaker1: Brain.
Speaker0: Also vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein darf.
Speaker0: Ich bin Anna aus Hamburg und ich lebe mit einer seltenen genetisch bedingten
Speaker0: Erkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom.
Speaker0: Und ich möchte über das Leben mit der Erkrankung etwas aufklären und mehr Bewusstsein
Speaker0: für seltene Erkrankungen schaffen.
Speaker1: Großartig. Toll. Also vielen, vielen Dank, dass wir diese Folge mit dir machen dürfen.
Speaker1: Großartig und ich verrate vielleicht auch nicht zu viel,
Speaker1: dass auch sozusagen du auch ganz viel Initiative an uns herangetragen hast,
Speaker1: dass wir uns mit dieser Erkrankung beschäftigen und ja, herzlichen Dank,
Speaker1: dass du als Betroffene uns zur Verfügung stehst für dieses Interview.
Speaker0: Gerne.
Speaker1: Vielleicht magst du mal anfangen, gucken wir mal ein bisschen zurück in deine Historie.
Speaker1: Kannst du dich noch so erinnern, an die ersten Anfänge, wo du so gemerkt hast,
Speaker1: irgendwie ist was komisch, irgendwie stimmt irgendwas nicht,
Speaker1: fällt dir da noch so der ganz Anfang des Leidensweges noch irgendwas zu ein?
Speaker0: Ja, das war schon recht früh bei mir. So im Alter von 14 Jahren hatte ich erste Symptome.
Speaker0: Die waren sehr mild und diffus. Also man konnte sie nicht wirklich einordnen.
Speaker0: Und es waren primär Hautprobleme.
Speaker0: Ich konnte weniger Sport machen als sonst. Ich war sehr sportlich früher.
Speaker0: Hatte dann auch eine Sportbefreiung in der Schule bekommen und immer mehr Schmerzen.
Speaker2: Also Bewegen war schwierig. Genau, darf ich nochmal ganz kurz fragen,
Speaker2: warum konntest du keinen Sport mehr machen?
Speaker2: Lach es an der Hauterscheinung oder war da irgendwas anderes ein Problem?
Speaker0: Es lag an den Gelenken, also an mehr Schmerzen bei Bewegung.
Speaker0: Ich war sehr beweglich und hypermobil, das heißt man hat sich auch schneller verletzt.
Speaker0: Ich war nicht mehr belastbar, ich konnte nicht mehr lange stehen,
Speaker0: nicht mehr lange sitzen, es war alles sehr anstrengend.
Speaker1: Und war das so, erinnerst du dich noch, war das eher so ein Gelenk oder ein
Speaker1: Punkt im Körper oder war das irgendwie schlagartig überall?
Speaker0: Ja, es waren Knie und Hüfte, also eher die großen Gelenke.
Speaker2: Das ist ja, und dann kann ich nicht mehr so richtig viel Sport machen.
Speaker2: Du warst 14 Jahre, das ist ja frustrierend, wenn man vorher viel Sport gemacht hat.
Speaker2: Und wie ging das dann weiter? Da hat man dann gesagt, alles klar,
Speaker2: okay, das hat man mit 14 normalerweise nicht.
Speaker2: Da fängt man ja nicht so früh an mit solchen Gelenkproblemen und Hauterscheinungen.
Speaker2: Hast du dann mit 14,5 gewusst, was das für eine Grunderkrankung ist oder wie ging es weiter?
Speaker0: Nee, gar nicht. Also ich wurde auch gar nicht so ernst genommen,
Speaker0: weil es hieß dann so, ja, Wachstumsschmerzen oder eben Pubertät und eben jung,
Speaker0: da kann man noch nichts haben und es war so sehr frustrant für mich und es ging aber weiter.
Speaker0: Ich bekam dann eben noch gastrointestinale Probleme, also Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen.
Speaker0: Und es ging immer so weiter, also mehr Allergien und Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System.
Speaker0: Wie hat sich das geäußert?
Speaker2: Was hat sich das geäußert mit dem Herz-Kreislauf-System? Was war das Problem?
Speaker0: Ich hatte POTS, also Posturales-Tachycardie-Syndrom. Also wenn ich zu schnell
Speaker0: hochkam, hat es mich wieder umgehauen.
Speaker0: Aber ist auch in der Pubertät für Mädchen nicht so unbekannt.
Speaker0: Ich wollte gerade sagen.
Speaker1: Das klingt doch, als ob man dich in eine Schublade gesteckt hätte.
Speaker0: Ja, ja, hat man auch. Eben Frau und Jung. Und kann dann halt nichts haben.
Speaker2: Und Wachstumsschmerzen.
Speaker0: Ja, genau.
Speaker2: Und Cortisonsalbe für die Haut.
Speaker2: Entschuldigung, da war sie wieder, die Schublade.
Speaker0: Ja, aber es ist halt so gängig. Es war ja auch noch nicht dramatisch schlimm,
Speaker0: muss man sagen. Es war ja alles noch machbar für mich.
Speaker0: Außer eben körperlich nicht mehr.
Speaker1: Ja, okay. Also der Weg zum Hausarzt war dann eher frustrat.
Speaker0: Ja, sehr.
Speaker2: Und warst du mit 14 noch bei deinem Kinderarzt oder hattest du da schon einen
Speaker2: Hausarzt? Wahrscheinlich Kinderarzt.
Speaker0: Ich wohnte auf dem Land damals, da gab es nur einen Arzt für alles.
Speaker1: Mensch und Tier.
Speaker2: Okay, das war wahrscheinlich kein Ehlers-Dannlos-Experte. Und bist du da schon
Speaker2: zu anderen Experten, von denen geschickt wurden?
Speaker2: Das sind, weiß ich nicht, ein Orthopäde, Knie und so.
Speaker2: Okay. Wie ging es weiter?
Speaker2: Wie ging es weiter?
Speaker0: Ja, ich glaube dann, also nach außen konnte man immer schon sehen,
Speaker0: dass ich sehr stark untergewichtig war und auch sehr krank aussah.
Speaker0: Und ich glaube so im Alter mit 18 habe ich dann wieder mehr die Initiative ergriffen
Speaker0: und habe dann Fachärzte auch aufgesucht, weil es mir dann zu viel wurde.
Speaker0: Und da hat sich dann langsam herauskrastellisiert, dass es doch mehr ist als nichts.
Speaker1: Ja, und war das dann so ein langer Marsch durch die Institution,
Speaker1: also von Fahrrad zu Fahrrad zu Facharzt?
Speaker0: Ja, so war es.
Speaker1: Okay.
Speaker1: Es klingt ja so ein bisschen wie so ein Puzzle, das man zusammensetzen musste.
Speaker1: Und gab es da irgendwie einen Puzzleteil und plötzlich passte es alles?
Speaker1: Also gab es irgendjemand, der so einen Initial-Klick hatte und gesagt hat,
Speaker1: Mensch, ich glaube, Sie haben das und das? Oder wie kam es denn zur Diagnose denn letztlich?
Speaker0: Ja, also so richtig. Es gab keinen
Speaker0: Arzt, der jetzt so die Rettung oder die Lösung hatte für mein Problem.
Speaker0: Aber ich kam dann zu einem Rheumatologen und der hat die Hypermobilität der
Speaker0: Gelenke erkannt und hat mich in eine orthopädische Reha geschickt.
Speaker0: Und da wurde dann sehr schnell klar, dass das wirklich sehr viel mehr ist als
Speaker0: nur Hypermobilität oder nur Allergien.
Speaker0: Und ja, die haben dann eigentlich schon fast alles weitere für mich auch eingeleitet tatsächlich.
Speaker0: Weil da sieht man mich ja längere Zeit am Stück und sehr intensiv.
Speaker0: Das hat mir damals sehr geholfen.
Speaker1: Rheumatologe ist ja auch eher eine interessante Fachdisziplin,
Speaker1: dass der die Idee hatte. Ich hätte ja so gedacht, Orthopäde oder so,
Speaker1: der müsste da noch irgendwie mehr. Aber nun gut.
Speaker2: Das hört sich ja auch an, dass er der Reha-Arzt das noch mehr herausgefunden
Speaker2: hat als der Orthopäde. Spannend.
Speaker0: Ja, ein Orthopäde, muss ich sagen, hat er auch einen großen Teil zur Hilfe beigetragen bei mir.
Speaker1: Wir wollen jetzt auch kein Orthopäden-Bashing hier machen. Das sollte ich bitte
Speaker1: keiner der Kollegen falsch verstehen.
Speaker2: Dafür schätze ich die Kollegen zu sehr. Sag mir mal, was sind so denn die häufigsten
Speaker2: Beschwerden im Alltag, die du so beschreiben kannst?
Speaker0: Also jetzt heute, wie die häufigsten Beschwerden sind?
Speaker2: Ja.
Speaker0: Okay, das hat sich ja dann wirklich nochmal potenziert bis zum heutigen Zustand.
Speaker0: Also am schlimmsten sind für mich Magen-Darm-Probleme.
Speaker0: Also ich werde jetzt auch schon seit 2018 ausschließlich künstlich ernährt, muss ich dazu sagen.
Speaker0: Also das hat sich wirklich drastisch verschlechtert.
Speaker0: Und ja, auch die chronischen Schmerzen sind halt immer schlimmer geworden.
Speaker0: Auch mein täglicher Begleiter und ja generell immer noch die früheren Probleme
Speaker0: mit den Gelenken und mit der Haut.
Speaker2: Kannst du die Schmerzen nochmal kurz beschreiben, was das für Schmerzen sind, die dich begleiten?
Speaker0: Also ich habe tatsächlich primär Knochenschmerzen, weil ich schwere Osteoporose
Speaker0: habe und dafür auch eben therapiert werde.
Speaker0: Also mit starken Schmerzmitteln und auch mit Bisphosphonaten für die Knochen schon.
Speaker2: Was heißt denn das? Was kriegst du da für starke Schmerzmedikamente?
Speaker0: Ja, schon lange auch. Schon ganz oben angekommen.
Speaker2: Wahrscheinlich als Pflaster für die Haut oder was?
Speaker0: Beides. Also Pflaster ist eben meine Basis-Therapie und akut eben Sublingual-Tabletten zum Beispiel.
Speaker0: Aber damit komme ich eigentlich ganz gut durch den Tag. Gott sei Dank.
Speaker2: Okay, das ist auch gut.
Speaker2: Mensch, das ist ja schon, kann man ja, wird man kurz sprachlos. Ja, das stimmt.
Speaker2: Im jungen Alter schon die ganzen Probleme, also schon alle hier geschrien sozusagen.
Speaker0: Ja, das stimmt.
Speaker1: Und wenn du jetzt so unter Menschen bist, gibt es da auch mal so komische Reaktionen
Speaker1: von anderen, die das irgendwie gar nicht einordnen können?
Speaker0: Ja, schon. Ich kann das so ein bisschen selbst entscheiden, weil ich eben entscheiden
Speaker0: kann, wie viel ich von meinem Körper zeige.
Speaker0: Also es ist immer noch sehr offensichtlich, dass ich sehr, sehr dünn bin und
Speaker0: je mehr Kleidung man anhand hat, desto weniger fällt das auf.
Speaker0: Und ich habe auch eben viele Hilfsmittel an meinem Körper direkt,
Speaker0: wie zum Beispiel den Katheter, über den ich ernährt werde.
Speaker0: Den kann ich zeigen, muss ich aber nicht zeigen. Oder eben auch,
Speaker0: ich habe am Körper auch Stoma und Sonden und das sieht man eben auch nicht,
Speaker0: wenn ich Kleidung anhabe zum Beispiel.
Speaker0: Ja, aber wenn das mal sichtbar ist, dann kommen schon auch Fragen auf oder Blicke.
Speaker2: Ja, wie kann man die einordnen? Ist das für dich belastend oder ist es auch
Speaker2: ein Weg, sich mitzuteilen und die Sorgen loszuwerden?
Speaker0: Also für mich ist es ja sehr normal und ich sehe das auch gar nicht mehr.
Speaker0: Und wenn die Leute auf mich zukommen, sind sie meistens neugierig.
Speaker0: und das ist eigentlich etwas Positives.
Speaker0: Also das finde ich schon eher dann auch gut, wenn gefragt wird. Und ja.
Speaker0: Ich gehe da eigentlich sehr offen mit um, muss ich sagen. Also ich verstecke
Speaker0: das eigentlich selten, weil es auch zu mir dazugehört und ja,
Speaker0: für mich das einfach mein Leben ist.
Speaker0: Und ich sehe es auch nicht ein, mich immer zu verstecken, nur weil das anderen nicht passt.
Speaker1: Nein, auf gar keinen Fall. Also ziehe ich auch den Hut vor. War ganz,
Speaker1: ganz toll. Wie sieht denn so dein Alltag aus?
Speaker1: Wie kann man sich das jetzt mit solchen Einschränkungen, die du hast,
Speaker1: wie kann man sich so einen Alltag vorstellen bei dir?
Speaker0: Also ich kann schon sehr lange nicht mehr arbeiten. Das ist schon sehr schnell
Speaker0: früh klar geworden, dass das nicht möglich ist.
Speaker0: Ich habe noch Abitur gemacht und auch eine Ausbildung und ein Studium.
Speaker0: Aber dann ging das mit der Berufswelt nicht weiter für mich.
Speaker0: Und ich bin dann seitdem auch berentet schon.
Speaker1: Ja, und bist du am meisten eingeschränkt jetzt durch die Schmerzsymptomatik
Speaker1: oder ist es auch so eine, wir wissen ja auch, dass so Ermüdung,
Speaker1: Fatigue ist ja auch immer ein großer Faktor.
Speaker1: Hast du da auch große Einschränkungen?
Speaker0: Also Fatigue jetzt nicht in
Speaker0: dem Sinne. Ich habe eher eine sehr stark wechselnde Belastungsfähigkeit.
Speaker0: Also einen Tag kann ich schon noch was machen und den nächsten Tag geht gar
Speaker0: nichts mehr. Damit kann man halt auch nicht arbeiten, weil man unzuverlässig ist.
Speaker0: Und ich habe halt super viele Arzttermine, Therapien, dann eben die ganze Belastung
Speaker0: mit der künstlichen Ernährung, das erhöhte Infektrisiko.
Speaker0: Also das ist schon sehr, sehr, sehr viel Zeit, die da drauf geht.
Speaker0: und da ist nicht mehr möglich.
Speaker0: Ein Vollzeitjob.
Speaker1: Ja, das glaube ich. Die Organisation für Ernährung, machst du das alles selber?
Speaker0: Also ich habe das alles gelernt professionell und kann auch alles selber machen,
Speaker0: aber habe natürlich ganz viel Unterstützung im Alltag.
Speaker0: Das wäre sonst auch nicht möglich. Das glaube ich, ja.
Speaker2: Du lust mal ein, zwei Tage mal zu beschreiben, was du da so machst.
Speaker2: Was heißt denn das voller Kalender, Arbeitstag?
Speaker0: Also meine Woche ist recht durchstrukturiert und immer ziemlich ähnlich.
Speaker0: Also ich habe eigentlich immer viel Physiotherapie.
Speaker0: Und sehe auch immer die gleichen Ärzte. Also zum Beispiel jeden Donnerstag meine Hausärztin.
Speaker0: Da wird dann immer besprochen, was liegt an, wie geht es mir,
Speaker0: was können wir noch machen.
Speaker0: Und ja, einen Tag kommt immer die Haushaltshilfe, damit im Haushalt hier alles funktioniert.
Speaker0: Und ja, es ist immer sehr, sehr, sehr, sehr gleich so.
Speaker0: Also ich habe auch Psychotherapie und Ergotherapie und eben Physiotherapie.
Speaker0: Und dadurch bin ich eigentlich sehr beschäftigt.
Speaker1: Ja, das glaube ich. Das klingt auch so.
Speaker2: Und sag mal, in der Physiotherapie, wie oft hast du die die Woche?
Speaker0: Zweimal die Woche meistens, ja.
Speaker2: Okay, hast du da irgendwie spezielle Physiotherapie?
Speaker0: Also natürlich außerhalb des Regelfalls, dass man insgesamt mehr Zeit hat.
Speaker0: Also ich habe immer drei Einheiten hintereinander getaktet plus Wärme.
Speaker0: Und da kann man dann schon sehr viel machen tatsächlich.
Speaker1: Ja, das sind zwei Stunden.
Speaker0: Da geht es darum, die Gelenke zu stabilisieren, Muskel aufzubauen, Schmerzen zu lindern.
Speaker2: Muskelaufbau, Ausdauer, Krafttraining.
Speaker0: Ja, was möglich ist im Rahmen. Es ist schon sehr low-level Physiotherapie.
Speaker1: Hast du denn das Gefühl, du bist jetzt mit allem, was du jetzt therapeutisch
Speaker1: so machst und Physiotherapie, bist du denn jetzt in so einer stabilen Phase
Speaker1: oder gibt es noch große Ausschläge nach oben oder unten?
Speaker0: Nee, es ist relativ stabil. Also bis, wenn ich jetzt eine Sepsis bekomme,
Speaker0: dann natürlich ist Land unter, dann nicht. Aber sonst ist eigentlich sehr stabil.
Speaker0: Ich habe ein sehr niedriges, stabiles Gewicht. Ich habe relativ viel Lebensqualität
Speaker0: für meine Verhältnisse.
Speaker0: Ich habe super gute Ärzte um mich, die immer für Fragen zur Verfügung stehen.
Speaker0: Also ja, ich bin eigentlich gut angekommen tatsächlich. Gott sei Dank.
Speaker1: Da hast du dich arrangiert so noch mit allem so ein bisschen.
Speaker0: Ja, und ich habe eben auch viel dafür getan, dass eben mein Umfeld so ist, dass es für mich passt.
Speaker0: Also ich habe halt ein Wohnprojekt gefunden, wo junge, chronisch schwer kranke
Speaker0: Menschen leben. Da bin ich vor fünf Jahren eingezogen.
Speaker0: Und dadurch hat sich auch mein ganzes Leben nochmal komplett verbessert,
Speaker0: muss man sagen. Weil mir ist alles behindertengerecht und barrierefrei.
Speaker0: Das ist natürlich richtig, richtig gut.
Speaker1: Das ist ja toll. Also ich wusste nicht, dass es sowas gibt. Das ist ja fantastisch.
Speaker0: Ja, gibt es. In Hamburg gibt es das.
Speaker1: Ja, du bist vom Lande dann auch nach Hamburg gezogen.
Speaker0: Ja, sehr schnell, weil das Versorgungsnetz war auf dem Dorf eine Katastrophe.
Speaker0: Für eine chronisch kranke Person. Das war nicht machbar, da zu überleben.
Speaker2: Gut, das brauche ich jetzt nicht mehr fragen.
Speaker1: Naja, alles gut. Aber ich finde das
Speaker1: ja wahnsinnig toll, was du für eine Selbstwirksamkeit für dich so hast.
Speaker1: Also wie du das anpackst und wie du das annimmst, das ist ja fantastisch.
Speaker1: Ich spüre jetzt auch keine also keine große Verzweiflung, sondern einfach irgendwie
Speaker1: eine Entschlossenheit, dass du einfach deinen Weg jetzt weiter gehst,
Speaker1: das ist ja wirklich fantastisch. Also ziehe ich den Hut.
Speaker0: Ich bin sehr dankbar für das, was ich erreicht habe und auch für die Leute,
Speaker0: die um mich rum sind. Das ist schon sehr, sehr toll.
Speaker1: Nur du hast ja auch viel gemacht dafür.
Speaker0: Es kostete sehr viel Mut, Durchhaltevermögen, sehr viel Kraft und natürlich
Speaker0: auch Momente kompletter Verzweiflung. Wir waren auch dabei, gebe ich zu.
Speaker2: Du hast ja jetzt nun doch noch dein Abitur gemacht und hast noch studiert.
Speaker2: Was hattest du studiert? Das interessiert mich jetzt gerade mal so ein bisschen.
Speaker0: Ich habe internationale Fachkommunikation studiert in Flensburg.
Speaker0: Ja. Ja. Ich wollte mal Übersetzerin werden, das war mein Traumberuf.
Speaker2: Das war noch vor,
Speaker0: Mit Sprachen zu arbeiten.
Speaker1: Was ist denn deine Lieblingssprache, die du übersetzen wolltest?
Speaker0: Französisch ist meine Lieblingssprache. Wow.
Speaker2: Aber das muss man auch richtig können. Da sind die Franzosen ja sehr eigen.
Speaker0: Ja, das stimmt. Aber es war Fachkommunikation, das ist nochmal was anderes.
Speaker2: Und ist das was, was du willst du sowas nochmal machen? Ist das irgendwie noch?
Speaker0: Ich bin raus. Ich bin schon so lange jetzt berentet und es ist überhaupt nicht
Speaker0: machbar für mich, einen Job auszuüben.
Speaker0: Also ich dachte immer, Übersetzerin wäre cool, das kann man schön von zu Hause
Speaker0: machen, das passt für mich.
Speaker0: Aber auch das ging nicht. Also das geht halt auch nicht.
Speaker2: Woran liegt das? Jetzt damit andere Leute verstehen, was das Problem dabei ist?
Speaker0: Einfach an der Unzuverlässigkeit und an der fluktuierenden Erkrankung tatsächlich.
Speaker0: Und auch an der schweren Erkrankung. Also das ist schon einfach zeitlich auch
Speaker0: gar nicht machbar für mich.
Speaker2: Ja, weil es glaube ich ganz vielen nicht klar ist, was so eine Erkrankung mit
Speaker2: sich bringt. Es ist dann halt keine Erkrankung, die nur was mit dem Bindewebel zu tun hat.
Speaker0: Nee, überhaupt nicht. Es ist wirklich eine ganz komplexe Erkrankung,
Speaker0: wo ganz viele Organsysteme betroffen sind.
Speaker0: Und das ist einfach nicht machbar mit dem Berufsleben.
Speaker2: Und hast du Kontakt zu deiner Community?
Speaker2: Wie würdest du dich da einstellen? Hast du vielleicht mit deiner Krankheitssituation
Speaker2: noch, ich sag mal ganz provokativ, noch ein bisschen Glück?
Speaker2: Gibt es da noch andere, die du kennst, die noch ein größeres Päckchen zu tragen haben?
Speaker0: Ich bin eher die, die oben steht, muss ich sagen. Also ich kenne viele mit meiner
Speaker0: Erkrankung durch eben Austausch in auch den sozialen Medien.
Speaker0: Aber ich bin schon eher eine von den Schwerstbetroffenen, muss man sagen.
Speaker0: Also es gibt auch Leute mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom, die noch ein ganz normales
Speaker0: Leben führen können, die normal essen können, die normal auch arbeiten können
Speaker0: oder auch Sport machen können. Das ist für mich alles gar nicht mehr machbar.
Speaker0: Also ich würde mich schon als schwer betroffen bezeichnen tatsächlich.
Speaker1: Ja, klingt auch so.
Speaker0: Also meine Mutter hat es auch und ist in der leichten Ausprägung und da ist
Speaker0: wesentlich mehr machbar.
Speaker2: Was sind so deine Kernaussagen über diese Erkrankung? Was sollte jeder so ein
Speaker2: bisschen wissen darüber?
Speaker0: Also das sagtet ihr am Anfang auch schon, dass es eben 13 Untertypen gibt,
Speaker0: wobei sich die Symptome und der Schweregrad sehr stark voneinander unterscheiden.
Speaker0: Somit ist die Ausprägung von Mensch zu Mensch eben sehr unterschiedlich.
Speaker0: Das sagte ich eben schon, es gibt halt sehr leicht Betroffene und sehr schwer
Speaker0: Betroffene und das hängt eben ab auch von der Art,
Speaker0: des Syndroms oder eben auch von dem Schweregrad.
Speaker0: Und viele Leute kennen auch nur das hypermobile Elastanlossyndrom.
Speaker0: Es gibt halt so viel mehr als nur das tatsächlich.
Speaker1: Ja, das hast du ja auch eindrücklich beschrieben. Also Schmerzen sieht man jetzt gar nicht nach außen.
Speaker1: Also hypermobile Gelenke kann man sich ja noch irgendwie in Bildern ganz schnell
Speaker1: dann irgendwie auch vor Augen führen.
Speaker1: Aber gerade halt so die Betroffenheit der inneren Organe, Das war mir jetzt
Speaker1: gar nicht so klar, dass das ein großer Faktor sein kann im Rahmen dieser Erkrankung.
Speaker0: Naja, das ist eine Bindegewebserkrankung. Ein Bindegewebe ist überall im Körper.
Speaker1: Und auch im Verdauungstrakt. Ja, ich bin natürlich auch geprimed als Arzt sozusagen.
Speaker1: Und habe die Bilder natürlich genauso vor Augen. Und dann fällt das sozusagen,
Speaker1: fehlt mir natürlich auch noch nicht so ins Auge.
Speaker1: Daher habe ich mich da auch weiterentwickelt.
Speaker0: Ja, ich werde auch oft von Ärzten gefragt, so ist das nicht die Krankheit mit
Speaker0: der verletzlichen Haut und den überbeweglichen Gelenken.
Speaker0: Aber es ist halt so viel mehr als nur das, muss man sagen. Es ist halt einfach
Speaker0: viel, viel umfangreicher.
Speaker1: Wenn du so ein bisschen auf deine Geschichte zurückguckst, gab es da eigentlich
Speaker1: irgendwas, was du richtig doof fandst, wo du sagst, Mensch, oh Gott,
Speaker1: da bin ich echt so, da wurde ich so ungerecht behandelt, das ist so ein Mythos gewesen,
Speaker1: den andere Leute auf mich projiziert haben, das muss ich unbedingt mal ausräumen.
Speaker0: Ja, generell gibt es so ein Sprichwort unter Medizinern, wo man sagt,
Speaker0: wenn du Hufgetrappel hörst, denk an Pferde und nicht an Zebras.
Speaker0: Und das Zebra steht ja für seltene Erkrankungen. Und ja, das bedeutet eben übersetzt,
Speaker0: dass man zuerst gängige Diagnosen primär stellen sollte, weil seltene Erkrankungen
Speaker0: unwahrscheinlich sind.
Speaker0: Und das macht es natürlich schwieriger, seltene Erkrankungen überhaupt zu diagnostizieren.
Speaker0: Also man kann auch mal an eine seltene Erkrankung denken, wenn man dem Patienten
Speaker0: genau zuhört und eben Symptome auch nicht abspricht oder kleinredet.
Speaker0: Das habe ich oft eben erfahren.
Speaker0: Weil man jung ist, kann man das nicht haben.
Speaker1: Dass du gar nicht ernst genommen wurdest, richtig, am Anfang?
Speaker0: Ja, genau. Oder dass man einfach in so eine 0815-Schiene geschoben wurde,
Speaker0: weil das eben wahrscheinlicher ist als was Seltenes. Aber es gibt auch eben seltene Sachen.
Speaker1: Also sozusagen der Appell früher, wenn persistierende Symptome sind,
Speaker1: auch mal an komische Sachen zu denken.
Speaker0: Ja, oder auch wenn sie länger anhalten und der Patient halt immer wieder sagt,
Speaker0: das kommt mir aber komisch vor, das kann so nicht stimmen, ich fühle mich nicht
Speaker0: richtig oder da ist noch mehr.
Speaker0: Und da wird halt oft so gesagt, nein, das wird schon das sein und das habe ich
Speaker0: schon so oft gesehen und so. Und das ist manchmal eben anders.
Speaker1: Ja, wir nennen das ja auch gerne Fixierungsfehler, wenn man einmal seine vorgefasste
Speaker1: Meinung hat, dass man da auch nicht so gerne von abweichen möchte.
Speaker0: Ich glaube, viele Ärzte kennen die Erkrankung auch nicht wirklich gut,
Speaker0: außer einmal im Studium irgendwo kurz gehört und dann unter eben nicht so schwerwiegend
Speaker0: abgetan und dann ist es auch eben schwer, sie zu diagnostizieren.
Speaker1: Ja, das ist richtig. Ja, und ist auch nur dann eine Frage im Examen. Ja, das stimmt.
Speaker1: Und dann ist man auch schnell in der Schuble. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Speaker0: Ja, und dann auch noch als Frau, das macht es manchmal auch noch schwieriger.
Speaker0: Und als junge Frau, es war wirklich nicht immer einfach, da eben auch nicht
Speaker0: zu verzagen und immer wieder standab zu bleiben.
Speaker1: Auf dem Land auch noch, ja.
Speaker0: Ja, aber da bin ich schnell von weg. Also ich bin schnell in die Stadt,
Speaker0: weil das war da ja wirklich gar nicht machbar für mich.
Speaker2: Und dann noch in die schönste Stadt in Deutschland.
Speaker1: Ja.
Speaker0: Naja, die war nicht so weit weg von meinem Ursprung.
Speaker2: Ja, Mensch, Anna, ich glaube...
Speaker2: Wir haben so unsere emotionalen Fragen und inhaltlichen Fragen haben wir alle so gestellt.
Speaker1: Ja, also vielen Dank für diesen ganz persönlichen Eindruck mal in dein tägliches
Speaker1: Auseinandersetzen mit der Krankheit und dass wir einfach mal einen Einblick auch gewinnen konnten,
Speaker1: wie ist es denn so in deinem Leben und mit dieser Erkrankung.
Speaker1: Und ich habe es vorhin ja schon gesagt, ich bin ganz berührt,
Speaker1: wie du den Kopf im wahrsten Sinne oben hältst und wie du mit diesem,
Speaker1: und das ist ein schweres Schicksal, das du hast, wie du da umgehst.
Speaker1: Das ist echt mit so viel Positivität, wie ich jetzt so empfunden habe,
Speaker1: finde ich fantastisch, finde ich unfassbar stark und also ich wünsche dir für
Speaker1: die Zukunft und da spreche ich für Marco auch, also fantastisch,
Speaker1: geh diesen Weg weiter und behalte deine positive Art, wirklich ganz, ganz toll.
Speaker2: Ja, auch von mir. Großartiges Mindset.
Speaker2: Also ganz großartig. Das sucht seinesgleichen. Schon allein unter der Bemerkung,
Speaker2: dass du sagst, ich bin schon eigentlich die, die eins der größten Päckchen zu tragen hat.
Speaker2: Fand ich schon sehr beeindruckend. Ich hatte eigentlich gehofft,
Speaker2: dass du gesagt hast, ich bin so im mittleren Niveau.
Speaker2: Aber dass du gleich sagst, ich bin ganz oben, das ist schon sehr beeindruckend.
Speaker2: Vielen Dank von deiner Seite aus nochmal für deine Initiative. Ganz großartig.
Speaker2: Und dafür von unserer Seite nochmal vielen, vielen Dank.
Speaker1: Wir werden so ein bisschen in den, ich hoffe das auch in deinem Sinne,
Speaker1: wir werden ein bisschen so die Literatur und auch natürlich vielleicht ein paar
Speaker1: Adressen, mit denen vielleicht auch du gute Erfahrungen gemacht hast,
Speaker1: weil wir uns schon uns einstellen für vielleicht andere noch frisch Betroffene,
Speaker1: dass die eine mögliche Anlaufstelle dann auch finden, um noch weitere Hilfe zu bekommen.
Speaker0: Sehr gut.
Speaker2: Dann vielen Dank.
Speaker1: Vielen Dank.
Speaker2: Bis dann. Tschüss.
Speaker0: Tschüss. Das dritte Schlüsselwort.
Speaker2: Fuck.
Speaker1: Also das ist ja wirklich eine, so wie wir es schon gesagt haben,
Speaker1: eine wirklich eine mannigfaltige Erkrankung.
Speaker1: Vielen Dank für diesen persönlichen Einblick von einer Betroffenen,
Speaker1: herzlichen Dank für das Interview.
Speaker1: Es ist immer wieder spannend, wenn man es mal aus der betroffenen Perspektive erzählt bekommt.
Speaker2: Ja, ich kann mich auch nur dafür bedanken, aber es fängt ja schon früher an,
Speaker2: es war ja schon die Idee für dieses Thema, allein deswegen ist schon der Dank ganz groß.
Speaker1: Also eine mannigfältige Erkrankung und wenn ich jetzt so drei Sachen mitnehmen
Speaker1: würde, dann würde ich sagen, sind das diese drei.
Speaker1: Also wenn ich es jetzt mal generalisiere, sage, die EDS-Patienten,
Speaker1: die haben eben nicht nur Bindegesprobleme, die haben auch wirklich Probleme
Speaker1: mit dem autonomen Nervensystem. Also mit allem, was du ja auch schon gesagt hast, was dazugehört.
Speaker1: Potz mit Schwindel, Herzrasen, Fatigue.
Speaker1: Das zweite ist eben, dass es nicht nur eine Bindegewäscherkrankung ist,
Speaker1: sondern eben, dass die kleinen Nervenfasern eben genauso geschädigt sein können.
Speaker1: Also das heißt, dass man eben diese, was wir ja dann so als Small Fiber Neuropathie,
Speaker1: was du gesagt hast, eben ganz häufig auch dann eben haben.
Speaker1: Also nicht nur irgendwie den klassischen Gelenkschmerz, sondern eben auch diese
Speaker1: neuropathischen Schmerzen, brennende Schmerzen, kribbelnde Temperaturbeschwerden
Speaker1: und eben auch diese autonomen Beschwerden.
Speaker1: Und das ist, glaube ich, das ist ja im weitesten Sinne eben diese,
Speaker1: Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme.
Speaker2: Aber du hast keinen Potz.
Speaker1: Nee, ich habe Brainfog. Nee, dieser Brainfog, dass das auch eben,
Speaker1: wie du schon sagtest, eben wahrscheinlich biologische Ursachen haben kann.
Speaker1: Dass du einfach auch Veränderungen im Gehirn hast, die diese Symptome dann auslösen können.
Speaker2: Ja, und das wissen wir ja auch durch Studien. Insular, Amygdala und präfrontaler
Speaker2: Cortex sind halt hier auch betroffen. und das zeigen dann ja auch die bildgebenden
Speaker2: Befunde. Das kann man da ja gut sehen.
Speaker2: Und das erklärt ja dann auch zentrale Schmerzverarbeitungsstörungen und auch
Speaker2: diese wichtige Aspekte, Emotionen und Körperwahrnehmung und wahrscheinlich ist
Speaker2: das auch ein Bereich, wo wir dann auch nochmal besser ansetzen können therapeutisch.
Speaker1: Das glaube ich auch. Marco, ich bin dafür, wir versuchen uns an einer neuen
Speaker1: Rubrik in unserem Podcast.
Speaker2: Wie verhindere ich Brain Fog Nein,
Speaker1: Wir nennen das die neue Rubrik, ist das Mythos oder kann das weg?
Speaker2: Das fällt dir jetzt spontan ein.
Speaker1: Nein, das fällt mir natürlich nicht spontan ein.
Speaker2: Ist das Mythos oder kann das weg? Okay, ja, sehr schön.
Speaker1: Du hast natürlich extrem gut vorbereitet dich und extrem gut vorgearbeitet.
Speaker2: Also die Rubrik war mir nicht bewusst, aber mir waren Mythen für die EDS,
Speaker2: war mir bekannt. Und für mich persönlich war das wichtig, dass man die nochmal anspricht.
Speaker2: Ist das Mythos oder kann das weg?
Speaker1: Man ist ja oftmals verhaftet in seinem Denken und in seinem Glauben.
Speaker1: Und jetzt können wir ja nochmal zusammenfassen, dass man vielleicht es wegschmückt.
Speaker2: Ja, auf alle Fälle. Also EDS bedeutet einfach nur überempfindliche Gelenke.
Speaker1: Ja, und das stimmt halt einfach nicht. Es betrifft das gesamte Bindegewebe im
Speaker1: Körper. ja und das kann alles mögliche machen es kann gelenke sein es kann haut
Speaker1: sein es können gefäße sein magen da hat autonomes nervensystem und auch
Speaker1: Gehirnveränderungen mit chronischen Schmerzen.
Speaker2: Das hat ja einen Grund, dass es 13 Subtypen gibt und deswegen würde man heute
Speaker2: den EDS eher als multisystemische Erkrankung betrachten. Genau.
Speaker1: Mein Mythos, den ich sagen würde, EDS ist extrem selten.
Speaker2: Und das haben wir ja auch schon am Anfang gemacht, das ist ja eher nicht der Fall.
Speaker2: Das liegt unter anderem auch daran, dass es halt 13 verschiedene Subtypen gibt
Speaker2: und einige davon sind sicher selten, aber wir haben auch häufige Subtypen und
Speaker2: dazu gehört unter anderem das hypermobile EDS,
Speaker2: wird jedoch aber auch häufig diagnostiziert
Speaker2: und ist vermutlich deutlich verbreiteter als lange angenommen.
Speaker2: Und Grund dafür ist, das ist leider die Kehrseite der Medaille,
Speaker2: es hat halt lange Diagnosewege und mangelnde Bekanntheit und Überschneidung
Speaker2: leider auch mit anderen Diagnosen.
Speaker2: Und das macht es letztendlich schwierig und Experten gibt es halt auch nicht auf jedem Baum.
Speaker2: Ich habe noch einen dritten für dich. Wenn man EDS hat, sieht man das sofort.
Speaker1: Ja, ist natürlich auch nicht richtig. Das haben wir ja gesagt.
Speaker1: Also viele Betroffene wirken äußerlich vollkommen gesund.
Speaker1: Aber du siehst es halt nicht. Sie können ja alles Mögliche haben.
Speaker1: Und weil es eben so ein bunter Strauß von Symptomen gibt und die eben so mannigfaltig
Speaker1: sind, es ist eine vielleicht manchmal auch unsichtbare Erkrankung,
Speaker1: die wir hoffentlich in Zukunft vielleicht ein bisschen sichtbarer machen.
Speaker2: Ja, auf alle Fälle. Wir müssen dem Chameleon ein besseres Bild geben,
Speaker2: damit es sich nicht versteckt.
Speaker1: Anders einfärben.
Speaker2: Anders einfärben, genau. Ja, hervorragend, Mensch, Jan-Pierre,
Speaker2: vielen, vielen, vielen, vielen Dank.
Speaker2: Auch nochmal in diesem Zusammenhang unsere Interviewpartnerin.
Speaker1: Ja, vielen Dank.
Speaker2: Das ist großartig. Wir leben von solchen Themen und wir leben auch von so wichtigen
Speaker2: Personen, die das live berichten können.
Speaker1: Und jetzt kann ich ja wieder meinen Werbeblock spielen.
Speaker2: Bitte.
Speaker1: Wenn es Themen gibt, die euch am Herzen liegen, die ihr gerne in unserem Podcast
Speaker1: behandelt wissen möchtet, schreibt uns, ruft uns an, nehmt Kontakt mit euch auf.
Speaker1: Wir sind immer begeistert über Feedback, das wir von euch bekommen.
Speaker1: Im Vorwege schon herzlichen Dank.
Speaker2: Genau. Also bitte eine E-Mail an podcast at der Schmerzcode.de Du darfst es nochmal wiederholen.
Speaker1: E-Mail an podcast.derschmerzkot.de
Speaker2: Und damit bleibt es mir, mich nochmal zu bedanken, nochmal darauf hinzuweisen.
Speaker2: Jeden ersten Donnerstag des Monats um
Speaker2: 6 Uhr kommt auf allen gängigen Podcast-Plattformen eine neue Folge raus.
Speaker2: Wir beide freuen uns schon auf den nächsten Monat und bleibt gesund.
Speaker1: Bleibt neugierig.
Speaker0: Wir bedanken uns und freuen uns wieder auf dich, wenn das heißt Der Schmerzkot.
Speaker0: Die im Podcast dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information
Speaker0: und allgemeinen Weiterbildung.
Speaker0: Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten
Speaker0: diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar.
Speaker0: Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit,
Speaker0: noch kann die Aktualität, Richtigkeit
Speaker0: und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.
Speaker0: Der Podcast ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder
Speaker0: Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn,
Speaker0: Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
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